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ISM 2009 im Rückblick

Durchweg positive Signale meldet die ISM für das Süsswarenjahr 2009. Trotz Finanzkrise und negativer Zukunftsprognosen kann die Branche auch in diesem Jahr mit neuen Produkten und innovativen Marketingstrategien starke Akzente zu Beginn des Jahres setzen. So sehen die 1.593 ausstellenden Unternehmen, die sich vom 1. bis 4. Februar 2009 im Rahmen der Internationalen Süsswarenmesse (ISM) in Köln präsentierten, durchaus Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

von Foodaktuell Importer

Selbstbewusst zielt die Branche auf Gourmets. Schokoladeprodukte werden immer farbiger und als Kunstwerke dargeboten.

Der “Reiz des Neuen” ist für die Süsswarenindustrie einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Die Verbraucher lieben die Abwechslung, besonders auch beim Naschen. Wie die Daten der Marktforscher belegen, sorgen Produktinnovationen, neue Geschmacksvarianten, andere Formate, attraktive oder besonders convenience-orientierte Verpackungen kontinuierlich für Aktualität im Sortiment und setzen Kaufanreize für die süssen Produkte.

Marktdaten aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass im Lebensmitteleinzelhandel, in Drogeriemärkten, in Tankstellen, den Impulskanälen etc. zwischen Januar und November 2008 fast 900 Mio. Euro mit Produktneuheiten einschliesslich Packungsänderungen und neuer Geschmacksrichtungen umgesetzt wurden. Dies entspricht einem Absatzvolumen von rund 104.000 Tonnen. Gemessen am Süsswaren-Gesamtumsatz entfiel damit nahezu jeder zehnte Euro auf ein Neuprodukt, sagen die Marktforscher von Nielsen.

Entsprechend ist die ISM für die gesamte Branche als Plattform von eminenter Bedeutung , um die neuen Produkte vorzustellen, auf die sich die Verbraucher im Laufe des Jahres freuen dürfen. Wenn man vier Tage durch die unendliche Fülle in den Kölner Messehallen streift, dann erfährt man viel über die Trends und Bewegungen der Branche. So hat die süsse Branche in vielen Konzepten die Sehnsucht der Menschen nach Übersichtlichkeit und Orientierung aufgenommen.

Ob es die Pralinen sind, die sich Schicht für Schicht in bestechender Klarheit zeigen, oder völlig neuartige Bonbons, die schichtweise wärmen und kühlend wirken, dem Konsumenten wird der Inhalt auch visuell vorgeführt. Wir haben nichts zu verstecken, lautet die Botschaft, die auch in edlen, fast schon puristischen Verpackungen mit photorealistischen Abbildungen ihren Ausdruck findet. Ehedem exotische Zutaten wie Ingwer, Pfeffer oder Chili haben längst den Markt erobert und geben nun auch Marzipan, Bonbons und sogar Lakritz den zusätzlichen Hauch an verführerischer Schärfe.

Offenbar wird während der Messetage auch, dass sich die Botschaften an die Verbraucher ändern. Im Fokus stehen nicht mehr so stark die Slogans wie fett- und zuckerreduziert oder die besondere Auslobung von funktionalen Zutaten, wenngleich gerade bei den Schokoladen der Hinweis auf die wertvollen Inhaltsstoffe der Kakaobohnen nach wie vor eine eminent grosse Ausstrahlung hat. Vielmehr zählt der Hinweis auf ausschliesslich “natürliche” Zutaten zu den Topthemen der Messe.

Auch der regionale Bezug und der Hinweis auf heimische Früchte werden in den nächsten Monaten in den Handelsregalen gross zu sehen sein, wenn es nach den Eindrücken auf der Messe geht. Bei den Früchten stehen etwa Birne, Heidelbeere, auch Pfirsich hoch im Kurs. Klassiker wie Krokant oder Nougat erleben ein grandiose Revival. “Immer nur das Beste und davon ganz wenig” postulierte der Fernsehkoch und Feinschmecker Johann Lafer bei seinem Besuch der Messe. Und auch Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt vermittelt den süssen Premiumprodukten Werte wie Bodenständigkeit, perfekte Verarbeitung und authentischen Geschmack.

Selbstbewusst zielt die Branche in die Gourmet-Spitze. Heute werden Schokoladen als Kunstwerke dargeboten, und selbst Kaugummi präsentiert sich als Lifestyle-Produkt, das ähnlich einem iPod Kultstatus erringen könnte. Dabei spielt auch die Personalisierung der früheren Massenprodukte in limitierten Editionen und Aktionen eine wichtige Rolle.

Die Verbraucher sehnen sich in Zeiten grosser Verunsicherung nach Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit. Die Süsswarenhersteller haben dies aufgenommen und in faszinierende Produkt- und Marken-Konzepte umgesetzt. Auch die Händler haben dies in den intensiven und fruchtbringenden Gesprächen honoriert, war auf den Messeständen zu hören. Gemeinsam wolle man den Menschen auch künftig Möglichkeiten und Anreize zum Genuss bieten. Entsprechend optimistisch war die Stimmung am Ende einer erfolgreichen Süsswarenmesse in einer spannenden Übergangszeit.

Zufriedene Aussteller

Übereinstimmend sprachen Hersteller und Importeure von guten bis sehr guten Gesprächen auf hohem Niveau. Die wichtigen Einkäufer aus dem nationalen wie internationalen Handel waren geschlossen vor Ort, darunter alle grossen Handelshäuser, der Fachhandel und die New Channels. Mit über 32.500 Fachbesuchern aus rd. 150 Ländern blieb der Besuch etwa auf dem Niveau der Vorveranstaltung, dabei wurden mehr Einkäufer aus dem Inland registriert, der Auslandsbesuch ging – nicht zuletzt wegen der europäischen Wetterkapriolen am Messemontag – leicht zurück (auf 62 Prozent).

Die starke Präsenz des deutschen Handels unterstreiche, so Bachmüller, dass die Bedeutung der Messe für die Süsswarenwirtschaft auch im Inland nicht nachgelassen habe. Die Qualität der Kontakte bezeichneten die Aussteller durchweg als erstklassig. Sehr zufrieden äusserten sich auch die ausländischen Unternehmen, die die ISM als Plattform für ihr Geschäft mit Kunden aus aller Welt nutzen. Auch hier wurden die guten und ernsthaften Gespräche gelobt, allgemein wurden die Vorzeichen für das wichtige Nachmessegeschäft als sehr positiv beschrieben.

Als neue zentrale Informationsplattform innerhalb der ISM hat sich das “New Product Showcase” auf Anhieb etabliert. Rd. 60 Unternehmen zeigten hier gebündelt ihre Innovationen und konnten sich im Zuge dessen über reges Interesse der Fachbesucher freuen. So liegen bereits jetzt schon zahlreiche Buchungen für das kommende Jahr vor.

Die ISM 2009 in Zahlen:

An der ISM 2009 beteiligten sich auf einer Bruttofläche von 110.000 m² 1.593 Anbieter aus 65 Ländern, davon 80 Prozent aus dem Ausland. Darunter befanden sich 244 Aussteller und 75 zusätzlich vertretene Unternehmen aus Deutschland sowie 1.219 Aussteller und 55 zusätzlich vertretene Unternehmen aus dem Ausland. Zur ISM 2009 kamen über 32.5 00 Fachbesucher aus rd. 150 Ländern, der Auslandsanteil lag bei 62 Prozent.

Als wichtigste Branchenfachmesse für Süsswaren und Knabberartikel findet die ISM jährlich in Köln statt und zeigt die gesamte Bandbreite des Angebots der Warengruppen Schokolade, Zuckerwaren, Feine Backwaren, Knabbererzeugnisse, Eiskrem und Rohmassen. Die präsentierten Artikel sind ausschliesslich für den Ladenverkauf bestimmte Endprodukte.

Die 40. ISM findet statt vom 31. Januar bis 3. Februar 2010. Parallel zur ISM findet die vierte ProSweets Cologne, die internationale Fachmesse für die Zulieferindustrie der Süsswarenwirtschaft, statt. Weitere Informationen: www.ism-cologne.de (www.ism-cologne.com) und www.prosweetscologne.de (www.prosweetscologne.com) (Medienmitteilung Kölnmesse)

Schweizer Aussteller an der ISM

Auf die hohen Ansprüche der Verbraucher haben sich die 17 Schweizer Hersteller von Süsswaren, die ihre Produkte an der ISM 2009 gemeinsam am «SWISS Pavilion» präsentieren, eingestellt. Die Schokoladeproduzenten profitieren dabei vom starken Wachstum von dunkler und Premium-Schokolade. Eine Marktstudie von Euromonitor aus dem Jahr 2007 prognostiziert dem Luxus- und Premiumsegment in den kommenden Jahren regelmässig zweistellige Zuwachsraten.

Auf diesen Trend haben die Schweizer Hersteller mit neuen Kreationen reagiert. So stellt einer der Aussteller seine Grand Cru-Pralinen und dort vor allem neue Variationen vor. Truffes mit Brombeere, Sauerkir-sche, Aprikose und Zitrone sowie Rocher mit Sauerkirsche, Erdbeer und Chili gehören zu den High-lights eines anderen Ausstellers. Für Abwechslung dürften zudem die farbigen Praliné- und Konfekt-spezialitäten sowie die Schnittpralinés eines weiteren Ausstellers sorgen.

Aufmerksamkeitsstark sind die handgeschminkten Weihnachts- und Osterfiguren, die ein Aussteller gemeinsam mit Schweizer Edel-Schokolade und saisonalen Kreationen präsentiert. Stark vertreten ist wiederum der Bio-Bereich. Auch hier punkten die Schweizer Bio-Pioniere wieder mit zahlreichen neuen Entwicklungen. Die Probierlust kurbeln auch die Bonbon- und Kaugummi-Kreationen an. Hartbonbons mit Schokola-denkern, Xylitol-gefüllte Hartbonbons, Weichpastillen mit Vitamin C oder dragierte, köstliche Lakritz-produkte mit Mintkern sind nur einige der zahlreichen Bonbonüberraschungen. Auf einen leichten Kokosnuss-Snack oder auf edle Schweizer Fein- und Cocktailgebäcke dürfen sich die Gebäckspezialisten ebenfalls am Schweizer Gemeinschaftsstand freuen. (Quelle OSEC)

Für Barry Callebaut und 30 andere Schweizer Unternehmen ist die ISM ein Muss. Die Camille Bloch war das erste Mal an einem eigenen Stand vertreten. Monica Müller von Chocolat Bernrain, Kreuzlingen betont die Wichtigkeit der Fachmesse. Bernrain liefert zu 80% für Private Label-Kunden, wie beispielsweise für einen englischen, der die Schokoladetafeln als Medikamentenschachteln verkauft. So ist beispielsweise 70% Schokolade mit dem Titel «No weight gain», oder in Anlehnung an eine Botox-Spritze, «Bochox» und oral pleasure, betitelt.

Die Beschle Chocolate Suisse, präsentiert eine Drink Schokolade, ebenso die Chocolat Villars, die eine neue Trinkschokolade im 1-Liter Tetra Pak-Karton vorstellt. Aber auch Absinth-gefüllte Schokolade zeigen die Westschweizer. Demgegenüber ist die Schokolade bei der zum erstenmal an der ISM teilnehmenden Bonbon-Hersteller F. Hunziker & Co AG, Dietlikon, im Bonbon eingefüllt, erklärt Verkaufsleiter Patrick Flöscher. Die Entwicklungsabteilung mit 15 Leuten produziert auch für Private-Label-Kunden wie den eben durch Abwesenheit glänzende Wrighley. Ricola AG in Laufen, präsentiert dieses Jahr keine Neuheiten, gemäss Bernhard Christen, soll nun aber der Markt ausserhalb Deutschlands weiter ausgebaut werden.

Der Branchenleader, Frey AG, hat sich gemäss Gérard Membrez aus dem Markengeschäft in den USA zurückgezogen. Selbstverständlich würden aber weiterhin Private Label-Kunden beliefert. Gross werden soll aber die Marke Frey in Asien. Die asiatischen Kunden hätten eine Affinität zu europäischen Marken. Ausserdem ist in Asien der Markt sehr fragmentiert, was die Reichweite für Retailermarken stark einschränkt. Frey hat letztes Jahr das erste Mal über 400 Mio. Franken erwirtschaftet. Aufgrund der Wirtschaftslage will der Schokoladeproduzent das Geschäft dieses Jahr stabilisieren.

Auch auf den asiatischen Markt will die Haco AG, Gümligen. Gabor Szalai sagt, dass das Unternehmen mit einem Getreideriegel unter Eigenmarke «Süisse», einen Testmarkt in Singapur aufbauen wollen. Der Markt für Getreidereigel sei in Asien am Wachsen. Zum ersten Mal nicht mehr unter Valora-Dach ist der Schokowaffelnproduzent, Kägi Söhne AG., Lichtensteig, sondern am Osec-Gemeinschaftsauftritt.

Zwei Grosse der Süsswarenindustrie haben an dieser Ausgabe der Internationalen Süsswarenmesse (ISM) gefehlt. Der Gummibärchenhersteller Haribo und Kaugummi-Multi Wrighley sind nicht nach Köln gereist. Auch andere Schokoladeriesen wie Nestlé, Lindt oder Kraft Foods sind schon seit längerem nicht an der ISM vertreten gewesen. (Quelle: Alimentaonline)