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Butterlager sind immer noch randvoll

Bund unterstützt Branche mit 14 Millionen

von Foodaktuell Importer

Randvolle statt leere Butterlager, steigende statt sinkende Milchmengen: Dies macht den Ausstieg aus der Milchkontingentierung auf den 1. Mai 2009 alles andere als einfach.


Die Bauern erhalten wenig Geld für ihre Milch. Einzig wenn sie mehr melken, können sie mehr verdienen. “Der Druck, mehr zu melken, ist derzeit sehr gross”, sagte Albert Rösti, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), am Montag, 26. Januar 2009 an einer Informationsveranstaltung des Bäuerlichen Zentrums Schweiz. “In den letzten zwei Jahren ist die Milchproduktion um sieben Prozent auf über 3,3 Millionen Tonnen angestiegen. Das sind ungeheure Mengen”, sagte Rösti.


Butter: In drei Wochen von 2’500 auf 4’000 Tonnen

Mehr Milch lässt auch die Butterberge weiter wachsen. Ende Jahr sollten die Butterlager eigentlich leer sein. “Im Dezember 2008 hatten wir einen Butterbestand von 2’500 Tonnen, am 24. Januar 2009 lag der Bestand bereits über 4’000 Tonnen!” Dies seien massiv höhere Lagerbestände als im Vorjahr. Zum Vergleich: Ende 2007 waren gesamtschweizerisch 700 Tonnen Butter an Lager.

Die vollen Butterlager sind laut Rösti auf die bewilligten Mehrmengen zurückzuführen. Zudem ist die Käseproduktion gedrosselt worden, die überschüssige Milch ist in den Industriemilchkanal geflossen und hat die Verarbeitungsmilchmenge weiter nach oben gedrückt. Nicht verwunderlich also, dass Rösti beunruhigt ist.

Der Milchpreis sei auf Anfang Jahr gesunken, folglich hätte auch die gemolkene Milchmenge eher zurückgehen sollen. Die Januar-Zahlen zur Milchproduktion sind zwar noch nicht erhoben worden. “Aufgrund des Butteranstiegs müssen wir aber davon ausgehen, dass die Bauern noch immer zu viel Milch melken”, sagte Rösti.

Cremo ist einer der Verarbeiter, bei dem die Butterlager randvoll sind, wie Generalsekretär Michel Pellaux an der Veranstaltung bestätigte. Dies drücke auf die Preise. “Die zweite Verarbeitungsstufe, also die Biskuit-, Schokoladehersteller und Bäckereien erpressen uns”, sagte Pellaux.

“Wenn wir die Butter nicht zu ihren Preiskonditionen liefern, dann weichen sie auf den aktiven Veredelungsverkehr aus.” Der aktive Veredelungsverkehr erlaubt es den Verarbeitern, Butter aus dem Ausland zu importieren, in der Schweiz zu Guetzli, Schoggi und Backwaren zu verarbeiten und wieder ins Ausland zu exportieren.

Bund buttert 14 Millionen in den Milchmarkt

Der Bund greift der Milchwirtschaft unter die Arme. Mit einem Nachtragskredit von 14 Millionen Franken sollen Rahmexporte und die Verwendung von Butter in der Verarbeitungsindustrie gestützt werden. Die Sanierung des Milchpulvermarktes bleibt der Branche selber überlassen. Auf diese Lösung habe man sich in Gesprächen mit allen Beteiligten aus der Milchbranche geeinigt, erklärte Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), am 29. Januar vor den Medien.

Die anhaltend zu hohen Milchmengen, die gemolken werden und die angestiegenen Butterlager bewirken einen andauernden Druck auf den Milchpreis. Gestützt auf das Landwirtschaftsgesetz beteiligt sich deshalb der Bund bei “ausserordentlichen Marktentwicklungen“ an den Kosten zur befristeten Marktentlastung.

Bötsch erklärte, dass der Bund mit den 14 Millionen zwischen 20 und 40 Prozent der Gesamtkosten übernehmen werde, je nach den konkreten Preisentwicklungen. Milchbauern und Verarbeiter würden sich die restlichen Kosten etwa hälftig teilen.

Geeinigt haben sich Verarbeiter und Milchbauern auch über weitere drei Punkte:

Erstens soll bis Ende 2009 eine befristete Produzentenabgabe von einem Rappen pro Kilogramm gelten. Der Bundesrat soll diese möglichst rasch als allgemeinverbindlich anerkennen.

Zweitens soll als Grundlage für ein privatrechtliches Mengenmanagement ab Mai 2009 eine Segmentierung mit vertraglich vereinbarten Grundmengen und einer Börse für Zusatzmengen zum Zug kommen.

Und drittens sollen die Milchhandelsorganisationen keine neuen Mehrmengengesuche mehr einreichen und auf noch nicht bewilligte verzichten. Ausgenommen sind kleinere Exportprojekte von gewerblichen Käsereien mit regionalen Spezialitäten.


Index und Segmentierung

Dass es im liberalisierten Milchmarkt nach dem 1. Mai 2009 nicht so weiter gehen kann, darüber sind sich Rösti und Pellaux einig. Laut Pellaux muss spätestens dann das Instrument des Milchpreisindexes greifen. “Es scheint, dass der Bund bereit ist, bei einem Milchpreisindex mitzuhelfen”, sagte Pellaux. Durch den Index könne die nötige Markttransparenz geschaffen werden.

Die SMP will den Milchmarkt segmentieren. Die Milch mit Grenzschutz soll teurer verkauft werden als Milch, die im liberalisierten Markt verkauft wird. Auch Pellaux ist nicht gegen eine solche Marktsegmentierung. “Doch es wird immer schwieriger, den Milchmarkt zu segmentieren”, sagte er. “Die Grenzen öffnen sich zunehmend, das Schoggigesetz greift nicht mehr, weil die Preise immer stärkeren Schwankungen ausgesetzt sind, und die Konsumenten reisen über die Grenzen, um Milch zu kaufen.”

Damit das Marktsegment der Milch mit der höheren Wertschöpfung im geschützten Markt nicht gefährdet werde, muss laut Rösti unbedingt die Milchmenge in den Griff gekriegt werden. “Wenn 8 bis 10 Vertreter der grössten Produzentenorganisationen, die 80 Prozent der Milchmenge kontrollieren, dieser Meinung sind, dann sollte eine Segmentierung möglich sein.”

Aber genau da liegt der Haken, wie Rösti sagt: “Unter den Vorstandsmitgliedern des neu gegründeten Vereins Schweizer Milch (VSM) gibt es auch Produzentenvertreter, die keine Segmentierung wollen – obwohl die SMP-Delegiertenversammlung diese mit grossem Mehr beschlossen hat.“

(Text: LID / hs)