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Campylobacter sind ein Problem

Campylobacteriose ist in der Schweiz die häufigste Zoonoseerkrankung beim Menschen und nimmt drastisch zu. Eine im Dezember geschaffene Plattform soll Bekämpfungsmassnahmen gegen die unerwünschten Keime erarbeiten.

von Alimenta Import

Spätestens nach der Veröffent­lichung des Schweizerischen Zoonoseberichts 2007 letzten Dezember zeigte sich, dass in der Schweiz der Campylobacter jejuni der häu­figste Erreger von Durchfall beim Menschen ist. Seit 2005 nimmt die Anzahl gemeldeter Campylobacteriosefälle in der Schweiz stetig zu. 2008 wurden 7877 Fälle gemeldet.

Urheber ist der Campylobacter jejuni
Campylobacter sind gram-negative Stäbchenbakterien. Es sind mikroaerophile Keime, das heisst, sie können sich nur bei einem reduzierten Sauerstoffgehalt von rund 3–5 % sowie einem CO2-Gehalt von 2–10% optimal vermehren. Dazu lieben sie es warm: rund 42 °C. Der C.  lebt oft in gesunden Nutztieren, Rohmilch, Geflügel, Muscheln und sogar Fliegen. Er kann auch in unsauberem Wasser auftreten. Beim Menschen löst er oft schlimme Durchfallerkrankungen aus. Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 4 Tage.

In den USA wurde die Campylobacteriose im Jahr 1972 als häufigste Zoonoseerkrankung erkannt. Da der C. jejuni bei einer Temperatur von 55 °C bereits abzusterben beginnt, kann mit einer ­guten Küchenhygiene und einer ausreichenden Erhitzung der Lebensmittel der Campylobacteriose vorgebeugt werden.

Geflügel als Hauptverursacher hingestellt
Als Antwort auf den Zoonosebericht des ­Bundesamtes für Veterinärwesen wurde am 18. Dezember 2008 eine Campylobacter-­Plattform geschaffen. Diese soll die Arbeit von Forschung, Geflügelbranche und den Bundes­ämtern koordinieren und Bekämpfungsmassnahmen erarbeiten.

Betroffen von Campylobactererkrankun­gen sind vor allem junge Erwachsene und Kleinkinder. Geflügel ist zwar ein Hauptverursacher dieser Krankheit, löst jedoch nach einem Bericht aus Belgien nur 40% aller Fälle aus. Diese Aussage beruht auf einer Studie über den Dioxin­skandal 1999 in Belgien, ­wegen dem ein Monat kein Geflügelprodukt auf dem Markt war. Mit einer Hochrechnung und aufgrund der Meldepflicht von Campylobacterfällen konnten die Verfasser eine Abnahme während dieser «geflügelfreien Phase» von rund 40% beziffern (Vellinga et al., The Dioxin Crises as Experiment to Determine Poultry-Related Campylobacter Enteritis).

EFSA erarbeitet Nachweismethode
Da der Nachweis von C. jejuni auf Lebens­mitteln sehr schwierig ist, hat die Europäische ­Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Nachweismethode sowie eine Probenahme­methode erarbeitet, die in allen europäischen Ländern angewendet werden sollte. Weiter hat sie das Behandeln von Lebensmitteln mit verschiedenen Substanzen, wie etwa Milchsäure, als sinnvoll und unschädlich beurteilt.