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Der Transport soll nachhaltig werden

Trotz Weltwirtschaftskrise gilt in der Logistikbranche ökologische Verantwortung als Verpflichtung. Lange Zeit galt dieser Bereich als Wüstenlandschaft. Nun gedeiht das erste Grün.

von Alimenta Import

Vom derzeitigen konjunkturellen Abschwung sind sowohl der Binnen- als auch der globale Markt betroffen; der Export geht dramatisch zurück. Dies hat in der Logistikbranche ungenutzte Transportkapazitäten zur Folge, eine völlig neue Situation.

Am 4. Forum der GS1, einem Fachverband, der sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wirtschaftspartnern und effiziente Logistik einsetzt, thematisierte die Branche das Management von globalen Versorgungsketten. Mitte Januar trafen sich 160 Fachleute in Baden und diskutierten, wie ein verantwortungsbewusstes und effizientes Vorgehen beim Handling von globalen Supply Chains möglich ist.

Flexibel reagieren
Stefan Wagner, der einen Lehrstuhl für Logistikmanagement an der ETH Zürich inne hat, unterschied Risiken auf Seiten der Kunden, der Lieferanten, der Bürokratie, der Infrastruktur und der Katastrophen. Eine erhöhte Verwundbarkeit von Lieferketten ortete er bei hoher Komplexität, zunehmenden Abhängigkeiten im Netzwerk und einer einseitigen Konzentration auf Kosteneffizienz.

Er empfahl Unternehmen, sich auf Risikoereignisse besser vorzubereiten und flexibler zu agieren. Als positives Beispiel für ein effizientes Versorgungsketten-Management nannte er Fedex. Für dieses globale Logistikunternehmen stellt das Wetter die grösste Herausforderung dar, weil es den Transport per Flugzeug erheblich gefährden kann. Fedex verfügt deshalb über ein eigenes Wettervorhersagezentrum sowie Notfallpläne bei unterschiedlichen Wetterextremen und ist damit optimal auf Störfälle vorbereitet.

Nachhaltige Versorgung
Trotz schwierigeren wirtschaftlichen Rahmen-bedingungen begrüsst die Branche die Beibehaltung eines ökologischen Bewusstseins. Dazu passend wurde dem Thema Nachhaltigkeit von Lieferketten viel Raum geschenkt. Martin Stäheli, Senior Consultant bei BSD Consultant, einer international ausgerichteten Unternehmensberatung, präsentierte erstmals öffentlich die Informationsplattform «Nachhaltige Beschaffung». Nach Aussage des Beraters erwarten Kunden heute nachhaltige Produkte und Dienstleistungen: «Konsumenten zahlen bis zu 15% mehr für ethisch produzierte Ware und bis zu 30% weniger für explizit nicht ethisch produzierte.»

Stäheli arbeitet seit vier Jahren im Bereich Nachhaltigkeit und resümierte: «Lange Zeit habe ich diesen Fachbereich als Wüstenlandschaft wahrgenommen, dem von den Unternehmen wenig Beachtung geschenkt wurde. Aber seit Kurzem gedeiht das erste Grün.»

Insourcing im Trend
Dem pflichtete Paul Schönsleben vom Zentrum für Unternehmenswissenschaften der ETH Zürich bei: «Umweltbewusstsein ist heutzutage ein Verkaufsargument.» Ausserdem thematisierte er einen Wandel bei der Wahl der Produktionsörtlichkeiten. Zwar suchen nach wie vor 31 Prozent der Unternehmen weltweit Kooperationspartner in Asien und 23 Prozent in Osteuropa. Aber Insourcing, also die Wiedereingliederung von zuvor ausgelagerten Prozessen und Funktionen in das Unternehmen, nimmt zu.

In einer Studie des Fraunhofer Instituts für System und Innovationsforschung (ISI) wurden 20’000 deutsche Unternehmen hinsichtlich der Gründe für Outsourcing und Insourcing befragt. Als Ursachen für die Auslagerung wurden vor allem Personalkosten und die Erschliessung neuer Märkte genannt. Manche Firmen verlegen Unternehmenseinheiten wieder zurück, da die Einsparungen bei den Lohnkosten durch Einbussen bei der Qualität und Flexibilität der Auslandsproduktion erkauft wurden.

Zusammenfassend wird in der Studie festgehalten, dass Produktionsverlagerungen in Deutschland an Bedeutung verloren haben und jede vierte bis sechste Verlagerung innerhalb von vier bis fünf Jahren rückgängig gemacht wurde.

Lokale Märkte
Neben Insourcing wurden am Logistikforum auch lokale Märkte thematisiert. Den Konsumgütermarkt der Schweiz, insbesondere die Lebensmittelbranche, beschrieben mehrere Be-raterfirmen wie beispielsweise PTV AG Traffic Mobility Logistics, die in den Bereichen Traffic Software, Transport Consulting und Logistics Software agieren, als komplex und wenig standardisiert.

Christian Kubik, Mitglied der Geschäftsleitung von Post Logistics, erklärte die unterschiedlichen Ansprüche von globalen und lokalen Versorgungsketten: So sind bei erstgenannten grosse Mengen, Standardisierung, lange Vorlaufzeiten und kleine Lager kennzeichnend. Zweitgenannte sind charakterisiert durch kleine Mengen, Individualisierung, Kurzfristigkeit und sofortige Verfügbarkeit – entsprechend anspruchsvoll gestalten sie sich für Logistiker.