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Strukturwandel in Bayerns Molkereiwirtschaft gefordert

In Bayern gibt es noch über 80 Molkereien. Eine Konzentration auf 10 bis 12 starke Unternehmen könnte die Zukunftsperspektiven deutlich verbessern.

von Alimenta Import

Gemäss dem Landwirtschaftsmagazin top agrar würde eine Reduzierung der Molkereien in Bayern auf ungefähr 10 bis 12, der Milchwirtschaft gut tun und stützt sich dabei auf eine Analyse von Prof. Dr. Hannes Weindlmaier (Weihenstephan).
Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Steigerung der Leistungsfähigkeit sei die Senkung der Produktionskosten. Entscheidend ist dabei vor allem die Größe der Betriebsstätten. Die Weihenstephaner Wissenschaftler haben ein Konzept für die zukünftige Betriebsstättenstruktur 2013 in Bayern entwickelt. Ausgangspunkt dieser Überlegungen waren 73 Betriebsstätten mit mehr als 30 Mio. kg Milchverarbeitung pro Jahr. Von diesen 73 Betriebsstätten wird eine Reduzierung um etwa die Hälfte auf 35 Standorte für ökonomisch sinnvoll gehalten. Im Ergebnis wären dann die durchschnittlichen Produktionsmengen in den einzelnen Produktabteilungen erheblich größer als gegenwärtig. Beispielsweise würde der Output pro Betriebsstätte von 9.000 t auf 29.000 t Schnittkäse steigen.

Auch eine Umstellung der Milcherfassung in Bayern bietet ein erhebliches Einsparpotenzial: In Bayern werden noch rund 55% der Milch täglich und nur 45% zweitäglich erfasst. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen wird die Milch fast ausschließlich zweitäglich erfasst. Die gesamten Kosteneinsparmöglichkeiten in der Milcherfassung in Bayern betragen etwa 20 Mio. Euro pro Jahr. Die Realisierung dieser Kosteneinsparung würde voraussetzen, dass zusätzlich auch die Überlappungen der Erfassungsgebiete bereinigt werden.

Ein weiterer Strukturwandel ist auch bei den Molkereien erforderlich. In Bayern gibt es insgesamt 83 Molkereiunternehmen. Davon sind 26 Genossenschaften und 57 Privatmolkereien. Etwa 60% der bayerischen Molkereien verarbeiten weniger als 100.000 t Milch pro Jahr, nur neun Unternehmen mehr als 300.000 t. Etwa 10 bis 12 Molkereiunternehmen, ergänzt um eine gewisse Anzahl von Nischenbetrieben, wäre nach Einschätzung der Wissenschaftler eine nachhaltig wettbewerbsfähige Unternehmensstruktur in Bayern.

Handlungsbedarf besteht bezüglich der Unternehmensgröße insbesondere im genossenschaftlichen Molkereisektor. Anzustreben wären zwei große genossenschaftliche Unternehmensverbünde im Bereich Bayern Nord (mit den Kristallisationskernen BMI und Bayernland) sowie im Bereich Allgäu-Bodensee (mit den Kristallisationskernen Allgäuland Käsereien und Omira).

Anpassungsbedarf besteht auch in der privaten Molkereiwirtschaft. In diesem Bereich haben sich eine Reihe national und international bekannter Markenartikler wie Müller, Meggle, Champignon u.a. etabliert, teilweise handelt es sich um Töchter multinationaler Großunternehmen wie Danone und Edelweiß.

Wie viele Nischenbetriebe letztendlich übrig bleiben, lässt sich nicht sagen. Im Jahr 2007 verarbeiteten 33 Unternehmen weniger als 30.000 t Milch, davon 29 sogar weniger als 10.000 t. Wahrscheinlich wird es auch bei diesen Kleinbetrieben zu einer weiteren Bereinigung kommen.

Dazu kommentiert Prof. Weindlmaier: Die Realisierung neuer Strukturen und Strategien kann in der Marktwirtschaft weder von der Politik oder von Verbänden, noch von der Wissenschaft beschlossen oder verordnet werden. Es ist dies vielmehr die essentielle Aufgabe von Geschäftsführern, Vorständen und Aufsichtsräten der Unternehmen selbst. Zu ihren Aufgaben zählt auch, den Lieferanten die Unternehmensstrategie plausibel zu vermitteln. Landwirte, die nachhaltig Milch produzieren wollen, sind dauerhaft auf leistungsfähige Molkereien angewiesen. pd

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