Datum: Branche:

Streicheleinheiten für zartes Entrecôte

Schlachttiere, die ein so genannt "positives Handling" erhalten, haben bei der Schlachtung weniger Stress und liefern besseres Fleisch. Das vermuten Forscherinnen des Instituts für biologischen Landbau in Frick.

von Foodaktuell Importer

Johanna Probst bei der Beziehungspflege mit einem Mastmuni

Am Ende eines Rindviehlebens und am Anfang eines feinen Stückes Fleisch steht die Tötung und Schlachtung. Dem Zusammenhang zwischen einem entspannten Lebensende und einem zarten Rindsentrecôte sind Johanna Probst und Anet Spengler vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau auf der Spur. Sie haben im Winter 2007/2008 in einer Studie an der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof in Lindau ZH bei acht einjährigen Mastbullen untersucht, ob eine vertiefte Beziehung zwischen Mensch und Tier einen Einfluss auf das Wohlergehen der Tiere kurz vor der Schlachtung hat und ob sich Unterschiede im Fleisch feststellen lassen.

Konkret wurden vier der acht Bullen ab der fünften Woche vor dem Schlachttermin an einem Tag in der Woche vom Futtertisch aus an Kopf und Hals massiert. Dies geschah nach der so genannten TTouch-Methode, die von der Kanadierin Linda Tellington-Jones ursprünglich für Pferde entwickelt wurde (siehe Kasten). Dabei gab es für die Tiere vier Minuten Massage und nach einer Pause von 45 Minuten noch einmal vier Minuten. “Damit kommt man insgesamt pro Tier auf 40 Minuten”, sagt Probst. “Länger sollte der Zeitaufwand für die Tierhalter wohl nicht sein.”

Während der Massagen sprach Probst mit den Tieren, um auch über die Stimme eine beruhigende Wirkung zu erzielen. Probst und Spengler hatten sich auch mit Linda Tellington-Jones getroffen, diese hatte ihnen empfohlen, zwischen den einzelnen Behandlungen Pausen einzulegen, damit der beruhigende Effekt auf die Tiere gefestigt wird.

Vor und nach der fünfwöchigen Behandlung massen die Forscherinnen, ob die “behandelten” Tiere zutraulicher geworden waren als die anderen. Der so genannte Ausweichdistanztest, bei dem eine dem Tier fremde Person sich von vorne nähert und das Tier berührt, zeigte, dass sich die Tiere, die massiert worden waren, leichter berühren liessen als die vier nicht behandelten Tiere aus der Kontrollgruppe.

Dasselbe Ziel verfolgt der Appenzeller Kabier-Fleischproduzent Sepp Dähler, der seine Rinder massiert.

Am Tag, an dem die Tiere geschlachtet wurden, beobachtete Probst das Verhalten der Munis: Waren sie unruhig, gab es ein Drängeln, Trippeln, Rufen oder Kopfschlagen? Mussten die Tiere mit einem elektrischen Viehtreiber vorwärtsgetrieben werden? Auch hier zeigte sich, dass die behandelten Tiere in der für sie neuen Situation ruhiger waren.
Ferner entnahmen die Forscherinnen den Tieren Blut aus der Schwanzvene – vor der Behandlung, einen Tag vor der Schlachtung und während der Schlachtung. Im Blut wurden die Stress anzeigenden Stoffe Laktat, Glukose und Cortisol untersucht.

Dabei zeigte sich, dass alle Werte dieser Stoffe bei der Schlachtung stark erhöht waren. Bei den vier nicht behandelten Tieren waren die Werte von Laktat und Glukose aber signifikant höher als bei den behandelten Tieren, was darauf hindeutet, dass die behandelten Tiere weniger Stress bei der Schlachtung hatten.

Beim Fleisch von den nicht behandelten Tieren – entnommen wurde jeweils ein Stück des langen Rückenmuskels, also das Entrecôte – zeigten sich grössere Garverluste, das heisst, die Fleischstücke verloren beim Kochen mehr Wasser und schrumpften. Diese Garverluste hängen auch mit dem höheren Laktatgehalt zusammen und sind eine Folge von vermehrtem Stress.

Wellness für Tiere

Die Methode TTouch wurde von der Kanadierien Linda Tellington-Jones entwickelt. Dabei sollen durch festgelegte Massagebewegungen das Wohlbefinden von Tieren und die Beziehung zwischen Mensch und Tier verbessert werden. Tellington arbeitete vorab mit Pferden und Hunden, TTouch lässt sich aber auch mit anderen Nutz- und Haustieren anwenden. Die Methode ist weltweit bekannt, ihr Wirksamkeit ist aber wissenschaftlich nicht belegt.

Kühe mit Namen geben mehr Milch

Wer seinen Kühen Namen gibt, kann mehr Milch melken. Zu diesem Schluss ist eine Studie der Universität Newcastle gekommen. Von 516 befragten Milchbauern gab knapp die Hälfte ihren Kühen Namen. Diese Milchbauern konnten im Durchschnitt 250 Liter Milch mehr melken. “So wie Menschen fühlen sich auch Kühe glücklicher und entspannter, wenn ihnen auch ein bisschen mehr zuwendung zuteil wird,” schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift “Anthrozoos”. (Quelle: LID / Roland Wyss-Aerni)

Weiterlesen: Kabier: Fleisch zum Glück