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Verarbeiter werden umweltbewusster

Der Strukturwandel trägt zu einer Verbesserung der CO2-Bilanz der Milchwirtschaft bei. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft (SHL), die die Auswirkungen der CO2-Abgabe untersucht hat.

von Alimenta Import

In der Schweiz wurde 1999 als Reaktion auf das Kyoto-Protokoll das CO2-Gesetz erlassen, um die Vorgaben der Kyoto-Abmachungen zu erreichen. Konkret sollen mit freiwilligen Massnahmen die Emissionen von CO2 bis ins Jahr 2010 um zehn Prozent gegenüber dem Jahr 1990 gesenkt werden. Eine dieser freiwilligen Massnahmen war die Einführung des Klimarappens auf Benzin und Diesel im Jahr 2005.
Diese Massnahmen haben aber bisher nicht zum gewünschten Resultat, d.h. zu einer ­wesentlichen Reduktion der CO2-Emissionen, geführt. Aus diesem Grund wurde auf Anfang des Jahres 2008 zusätzlich eine CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe eingeführt. Diese Abgabe wird auf Brennstoffen wie Heizöl, Gas oder Kohle erhoben. Für Heizöl beträgt sie 3 Rp./l. Die CO2-Abgabe ist eine Lenkungs­abgabe, was bedeutet, dass deren Einnahmen über die Ausgleichskassen wieder an die Bevölkerung rückerstattet werden. Energieintensive Unternehmen haben dabei die Möglichkeit, sich von der CO2-Abgabe ­befreien zu lassen, sofern sie sich zu einer ­bestimmten Reduktion ihres CO2-Ausstosses verpflichten. Unternehmen, welche sich von der CO2-Abgabe befreien lassen wollen, er­halten von der Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) Unterstützung.
Die EnAW bietet drei verschiedene Modelle an. Diese Modelle richten sich an unterschiedlich grosse Unternehmen. An die ­kleinen Unternehmen richtet sich das Benchmark-Modell. Für Käsereien oder Molkereien wurde dieses Modell in Zusammenarbeit mit der Fromarte entwickelt.

Meist sind Investitionen nötig
Käsereien oder Molkereien, die am Benchmark-Modell teilnehmen, werden von der CO2-Abgabe befreit, sie verpflichten sich jedoch zu einer Reduktion ihrer CO2-Emis­sionen um zwischen fünf und zehn Prozent. Dieses Reduktionsziel richtet sich nach der Betriebsgrösse und dem Zustand der Einrichtung. Gemeinsam erreichen alle Betriebe, die am Benchmark-Modell der Fromarte teilnehmen, eine Reduktion von rund zehn Prozent bis ins Jahr 2010.
Um ihre CO2-Emissionen zu reduzieren, müssen die Unternehmen in der Regel in ihre Anlagen investieren. Folgende Möglichkeiten stehen zur Wahl:
¦???Bei einer Sanierung kann mit dem Einbau einer modernen Ölfeuerung schon viel CO2 eingespart werden, bei gleicher Leistung wird so weniger Heizöl verbraucht. Man ist aber weiterhin von der Entwicklung des Heizölpreises abhängig.
¦???Bei einem Neubau bietet sich die Installa­tion einer Holzschnitzelheizung an. Mit dieser Me­thode kann auf eine komplett CO2-­neutrale Wärmeproduktion zurückgegriffen wer­den. Ausserdem können langfristig Ener­­giekosten eingespart werden, da Holzschnitzel günsti­ger sind als Heizöl.
¦???Auch mit einer Biogas-Anlage kann CO2-neutral Energie produziert werden. Die ­Wärmeerzeugung aus Biogas ist jedoch nicht so rentabel wie die Stromerzeugung, da der Wir­kungsgrad von Biogas nicht sehr hoch ist.
¦???Eine CO2-Reduktion ohne Investitionen ist dann möglich, wenn die verarbeitete Milchmenge steigt und der Energieverbrauch nicht zunimmt. Dies ist aber nur mit sorgfältiger Planung möglich.

Viele positive Beispiele
Eine Molkerei in der Region Bern konnte durch die Installation eines modernen Dampferzeugers den Heizölverbrauch senken. Bei gleicher verarbeiteter Milchmenge verbraucht sie nun weniger Heizöl als mit dem dreissigjährigen Dampfkessel. Die Kosten für den Dampferzeuger werden in wenigen Jahren ­zurückbezahlt sein. Vorausschauend hat eine grosse Käserei im Emmental schon bei ihrem Bau vor zwanzig Jahren auf Holzschnitzel gesetzt. Sie konnte im letzten Jahr ihre Energiekosten stabil halten, während viele Käsereien durch den hohen Ölpreis mit Mehrkosten zu kämpfen hatten. Eine andere Käserei im Emmental nutzt Strom aus einer Biogasanlage, die mit Jauche aus der Schweineproduktion betrieben wird. Der Betrieb deckt dabei den eigenen Strombedarf mit Elektrizität aus eigener Produktion. In Zukunft könnte das Bio­gas auch zur Wärmegewinnung genutzt werden.
Durch den Strukturwandel in der Milchwirtschaft sind viele Käsereien zu Betriebs­vergrösserungen gezwungen. Mit den einhergehenden Bautätigkeiten kann umweltfreundlichen Energieträgern der Vorzug gegeben werden. Je grösser eine Käserei sein wird,
desto eher wird sie auf erneuerbare Energien umsteigen. Somit werden die Käsereien und Molkereien in Zukunft umweltfreundlicher pro­duzieren können. Eine ­umweltfreundliche- ­re Produktion kann auch als Verkaufsargument für die Milchprodukte genutzt werden, da immer mehr Konsumenten bei ihrem Einkauf auf Nachhaltigkeit achten.
*Adrian Gerhard ist Student im Studiengang Food Science and Management an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL), Urs Zaugg ist Professor für Food Business an der SHL.