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Preis für Appenzeller sinkt massiv

Absatzrückgänge, vor allem im deutschen Markt, zwingen die Sorten­organisation dazu, den Preis für Appenzeller Käse zu senken. Ab dem 1. April werden Fr. 1.05 pro Kilo weniger gezahlt.

von Alimenta Import

Die Milchkrise greift auf den Käse über. Um den Umsatz zu stabi­lisieren, hat die Geschäftsleitung der Sortenorganisation am 26. Februar beschlossen, den Preis von Appenzeller Käse um Fr. 1.05/kg zu senken. Damit sinkt der Milchpreis für die Pro­duzenten um rund 10 Rp./kg.

Diese Massnahme, die ab 1. April gilt, ist eine Reaktion auf die ­Situation der Käse- und Milchmärkte, die zu erwartende wirtschaftliche Lage, und soll sicher­stellen, dass der Absatz nicht einbricht. Im Jahr 2008 wurden 3% weniger Appenzeller verkauft als im Jahr 2007. Und der Trend zu Minderverkäufen hält zu Beginn des neuen Jahres an.

Mit der Preissenkungsstrategie will das Gremium ebenfalls vermeiden, dass die Produktionsmenge weiter eingeschränkt werden muss. Im Februar musste sie um 10% gedrosselt werden, im März gar um 15%.

Deutsche reagieren sensibel
Da zwei Drittel des Appenzellers exportiert werden – der grösste Teil davon nach Deutschland – sind die Verkäufe stark vom Kaufklima in den jeweiligen Ausfuhrländern abhängig. Dieses Kaufklima ist derzeit in Deutschland schlecht. «Die Deutschen sind auch gewöhnlich sehr preissensitiv», sagt Christoph Kempter, Direktor der Sortenorganisation Appenzeller. «Die angespannte Wirtschaftslage hat dies nun noch verstärkt.»

Hinzu kommt, dass Appenzeller Käse in Deutschland eher ein Luxusprodukt ist und die Konkurrenzprodukte an den wichtigsten Handelsbörsen derzeit zwischen 90 Rp. und Fr. 1.90 tiefer notieren als noch vor einem Jahr. Die Rückmeldungen aus dem Handel sind durchwegs positiv. Die Preissenkung wird als richtige und wichtige Massnahme interpretiert, die Marktanteile nicht an Konkurrenzprodukte zu verlieren.

Entscheid für Sbrinz vertagt

Am 3. März hat sich auch die Geschäftsleitung der Sbrinz GmbH zusammengesetzt, um über den Preis und die Mengenplanung zu diskutieren. Beide Traktanden wurden auf Ende März vertagt. Weil Sbrinz zwei Jahre am Lager liegt, diskutierte das Gremium über eine allfällige Preiserhöhung, jene nämlich, die von der Erhöhung des Industriemilchpreises im Jahr 2007 herrührt. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Geschäftsleitung Ende des Monats auf eine Preiserhöhung verzichtet. «Dadurch könnten wir vermeiden, dass der Preis ein paar Monate später wieder gesenkt werden muss», sagt Geschäftsführer Markus Baumann.

Auch die Sortenorganisation von Le Gruyère AOC will wegen der aktuellen Marktlage einstweilen auf eine Senkung der Preise verzichten.  Bei der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland ist eine Käsepreissenkung in Diskussion. Der Vorstand wird über das Geschäft an seiner Sitzung vom 13. März befinden.