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Parallel dazu kann ein anderes Modell angewandt werden

von Alimenta Import

Nach dem 1. Mai zieht sich der Bund aus dem Mengenmanagement zurück und übergibt die Kompetenz und die Verantwortung der Milchwirtschaft. Damit entfällt viel Verwaltungsaufwand. Auch einige Gesetze und Verordnungen werden angepasst oder aufgehoben. Das ergibt bei manchen eine gewisse Unsicherheit. Doch es bedeutet noch lange keine Anarchie.

Vertreter von Produzenten und Verarbeitern haben im Rahmen des Vereins Schweizer Milch (VSM) in den letzten Wochen Regeln erarbeitet. Ihr wichtigstes Element ist die Linienmilch, deren Lieferung für mindestens ein Jahr zwischen Produzent und Milchkäufer vertraglich vereinbart wird. Der Verarbeiter stimmt das Volumen der Verträge jeweils mit seinem Bedarf ab.

Märkte sind vielschichtig und machen nicht immer, was geplant war. Deshalb brauchen wir einen Mechanismus, der diese Differenzen ausgleicht. Dafür haben wir ein Börsenmodell ausgearbeitet. Dieses beinhaltet ein Element zur Marktabräumung. Hinzu kommt ein Richtpreis auf Basis von Milchmarktdaten, Produktionskosten und einer Einschätzung der Marktentwicklung für die kommende Zeit.

Dieses Element zusammen mit Linienmilch und Börse schafft Sicherheit, Transparenz und bringt Gelassenheit. Leider funktioniert die Börse derzeit nicht, weil es nur Angebote gibt, aber keine Nachfrage. Die angebotene Milch fällt durch die Börse und landet in der Abräumung zu Weltmarktpreisen. Das heisst, wir müssen zuerst den Milchmarkt ins Gleichgewicht bringen. Dazu bleibt ein Monat Zeit. Nur so könnten wir dieses Modell auf Anfang Mai umsetzen. Parallel dazu kann durchaus ein anderes Modell laufen. Vielfalt und Kreativität sind bekanntlich bereichernd.

Doch da die Emotionen derzeit hochgehen, ist es wahrscheinlich, dass wir überhaupt nichts haben, weil wir uns nicht entscheiden wollen. Auch das geht. Dann gibt es ein kühles Frühjahr und einen ruppigen Sommer. Die dadurch entstandenen Verwerfungen werden schneller und umfassender zu Bereinigungen führen.
Egal, welche Variante sich zum Schluss durchsetzt, die sanfte, durch die Marktakteure geführte oder die radikale, von aussen aufgezwungene, die Milchwirtschaft muss wettbewerbsfähig werden, um am Markt erfolgreich bestehen zu können. Neue Herausforderungen warten.

Alexander Briw ist Präsident des Vereins Schweizer Milch und leitet das Departement Beschaffung beim Milchverarbeiter Elsa.