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Absage an versteckte Käfigeier

Der Schweizer Tierschutz STS startet eine Kampagne für mehr Schweizer Eier in Bäckereien. Die Schweiz hat bereits 1991 die Batteriehaltung abgeschafft und verfügt weltweit über die tierfreundlichsten Bestimmungen für die Haltung von Legehennen. Schweizer Bauern müssten deshalb einen fairen Preis für die Eier erhalten und einheimische Unternehmen bevorzugt Schweizer Eier verwenden. Fredy Hiestand hielt an der STS-Medienorientierung ein Referat und bekennt sich zu Schweizer Eiern: «Es ist wichtig, dass meine Backwaren nicht nur gut schmecken sondern auch nach ethischen Werten vorbildlich sind».

von Foodaktuell Importer

Fredy Hiestand von Fredy’s AG über Eier aus tiergerechter Haltung: «eine Sache der Ethik und Verantwortung gegenüber Kunden»

Der Schweizer Tierschutz STS strebt an, den Import der Käfigeier bis Ende 2010 gänzlich zu stoppen und zählt dabei auf die Hilfe der Eierimporteure und des Gewerbes. Zwei Drittel der jährlich rund 770 Millionen Importeier werden von der Gastronomie nachgefragt sowie im eierverarbeitenden Gewerbe für die Herstellung von Fertigprodukten, Saucen, Teigwaren und Gebäck verwendet. Davon zwischen 40 – 80 Millionen Käfigeier.

Im Weiteren startet der STS eine Kampagne für mehr Schweizer Eier in Bäckereien und im Gastgewerbe. Die Schweiz hat bereits 1991 die Batteriehaltung abgeschafft und verfügt weltweit über die tierfreundlichsten Bestimmungen für die Haltung von Legehennen. Schweizer Bauern müssten deshalb einen fairen Preis für die Eier erhalten und einheimische Unternehmen bevorzugt Schweizer Eier verwenden. Dazu Fredy Hiestand an der STS-Medienorientierung:

„Ich schwöre auf das Schweizer Ei“ – so die aktuelle Werbung im Schweizer Fernsehen. Ich würde jetzt nicht darauf schwören, aber für mich und mein Unternehmen ist es seit 1972 eine Sache der Ethik. Weil ich mich für Tier und Natur verantwortlich fühle und ich meinen Kunden Backwaren, hergestellt mit besten Rohstoffen, anbieten will. Ich selber bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen. Es war für mich eine wunderschöne Zeit. Erlebte ich doch, wie ein Huhn junge Küken aufzog, welche sich frei bewegen konnten. Das war für mich auch ein Stück Lebensqualität, obwohl dazumal diese Art Hühnerhaltung selbstverständlich war.

Erst als ich dann meine Lehre als Bäcker-Konditor machte, wurde ich mit billigen Importeiern konfrontiert. Wenn wir eine Masse für Kuchen oder Biskuits mit ca. 30 Eiern herstellten, dann durften wir nicht mehr als fünf Eier in ein separates Becken aufschlagen und mussten daran riechen, ob eines verdorben war. Auf diese Art mussten wir dann höchstens 5 Eier wegwerfen und nicht die ganze Masse. Es gab, nebst faulen Eiern, immer mal wieder sogenannte Heu-Eier. Mit ihrem fürchterlichen Geruch konnten die eine ganze Masse verderben. Später lernte ich mit günstigem Eipulver zu backen und so Zeit zu sparen. Das Pulver musste nur angerührt werden und das aufwändige Aufschlagen und Riechen entfiel.


Aber auch der Geruch von angerührtem Eipulver ist weit entfernt von dem eines frischen Schweizer Eis. Mit Eipulver, das seinen Ursprung vermutlich aus einem engen Käfig hat, machte ich einmal ein Omelett. Davon habe ich nur einen Bissen genommen und dann war das Thema „Omelett mit Eipulver“ für mich erledigt. Sicher besteht ein Unterschied, ob man Eipulver in Backwaren konsumiert oder eben als typisches Eiergericht. Aber was ich selber nicht esse, das kann ich doch auch anderen nicht zumuten. Meine Kunden sind ja auch meine Freunde, die mir unsere Existenz sichern. Deshalb ist mir auch so wichtig, dass Fredys Backwaren (Bild) nicht nur gut schmecken, sondern auch nach ethischen Werten vorbildlich sind.

Auch Importeier, wenn diese frisch und von tiergerecht gehaltenen Hühnern stammen, können von guter Qualität sein. Aber was ich absolut nicht verstehen kann, ist, dass wir seit 1991 ein Tierschutz-Gesetz haben, das Käfighaltung in der Schweiz verbietet, trotzdem dürfen aber Eier aus Käfighaltung importiert werden. Wie kann denn ein Schweizer Landwirt da noch mithalten, wenn die Lebensmittelproduzenten aus Kostengründen billige Batterieeier bevorzugen? Es wird sicher einen Grund geben, weshalb für solche Eier die Grenzen immer noch offen sind.

Auch wenn ich mit der Agrarpolitik in vielem nicht einverstanden bin, so will ich mit voller Überzeugung dafür einstehen, dass die Schweizer Eierproduzenten mit gleich langen Spiessen sich am Markt behaupten können. Auch das ausländische Batteriehuhn ist ein Lebewesen, das es zu schützen gilt. Oder sind die fürchterlichen Bilder dieser lebensverachtenden Haltung schon vergessen?

Wer aus Kostengründen Tiere leiden lässt, ist auch versucht billigen Ramsch ins Futter zu mischen, so lange noch ein Ei hinten rauskommt. Ich werde weiterhin meinem Eierlieferanten treu sein. So bin ich sicher, dass die Hennen artgerecht leben und wir für unsere Backwaren beste Eierqualität verwenden. Meiner treuen Kundschaft bin ich dies schuldig.

2002 verarbeitete meine damalige Firma HIESTAND 190 Tonnen Schweizer Eier. Das sind ca. 3,7 Mio. Stück. In meiner neuen Firma Fredy’s brauchten wir letztes Jahr 40 Tonnen Schweizer Eier, das sind ca. 800‘000 Stück.

Für viele Kunden ist der Kauf von Backwaren Vertrauenssache. Wie bei der Wurst, ist es sehr wichtig was drin ist. Ich bin überzeugt, dass unsere Rohstoffphilosophie ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Wir sind auch noch die einzige Bäckerei, die konsequent in alle Backwaren wieder die Weizenkeime mit über 70 Vitaminen, Spurenelemente und Vitalstoffe zusetzen. Der Weizenkeim ist das Wertvollste des Korns und birgt das neue Leben, wie der Eidotter im Ei. Leider wird der Weizenkeim wegen des Keimöles vom Korn getrennt, weil das Mehl bei unsachgemässer Lagerung sonst ranzig werden könnte. Der so gesunde Weizenkeim wird heute vorwiegend im Tierfutter, in Kosmetikprodukten oder in Nahrungsmittel-Zusätzen verwendet.

So leben wir im Überfluss und sind trotzdem vielfach mangelernährt. Es wäre schön, wenn ich noch weitere Produzenten zum Umdenken animieren könnte. Denn es kann und darf uns nicht gleichgültig sein, was wir unseren Kunden anbieten. Im Moment etwas mehr für gute und gesunde Produkte auszugeben, kann sich langfristig nur lohnen. (Referat von Fredy Hiestand von Fredy’s AG an der Medienorientierung „Schluss mit verstecktem Tierleid: Schweizer Eier für tierfreundliche Backwaren“ des Schweizer Tierschutz STS vom 8. April 2009 in Bern.)

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