Datum: Branche:

Tierschutz-Ausbildung der Fleischverarbeiter

Die Konsumenten von Lebensmitteln tierischer Herkunft messen dem Tierwohl eine hohe Bedeutung zu. Der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF ist sich dessen bewusst. Deshalb setzt er sich im eigenen Bereich und in den vorgelagerten Stufen für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren ein. Es handelt sich um einen wesentlichen Bestandteil der Qualitätsstrategie der Fleischverarbeiter.

von Foodaktuell Importer


Bild: Kontrolle vor dem Schlachten.

Der schonende, durch Respekt und Achtung geprägte Umgang mit dem Tier entspricht dem vom Schlachthofpersonal geforderten ethischen Handeln, stärkt das Vertrauen der Konsumenten in das Nahrungsmittel Fleisch und beeinflusst dessen Qualität positiv: Es ist erwiesen, dass das Fleisch ungestresster Tiere qualitativ höherwertig ist. Dies bedeutet einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Im Falle eines Agrarfreihandels-Abkommens mit der EU wird es erst recht unerlässlich sein, dass Schweizer Fleisch qualitativ absolut hochwertig ist.
Bild: Kontrolle vor dem Schlachten.

Unabhängig von den Bestimmungen des neuen Tierschutzgesetzes haben die Berufsorganisationen der Fleischverarbeiter im Rahmen der Bildungsreform für Fleischfachleute (den bisherigen Metzgern) dem Tierschutz einen höheren Stellenwert zugemessen. So ist der Bereich „Fleischgewinnung und Tierschutz“ ein zentraler Aspekt der Ausbildung. Er beinhaltet die tiergerechte Anlieferung, den Auslad, das Treiben und Einstallen, die Betäubung, das Stechen und Entbluten der Tiere. Der schonende Umgang mit dem Tier ist dabei der Leitgedanke des ganzen Prozesses.

Positiv zu Gesetz und Verordnung

Der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF hat es von Anfang an begrüsst, dass die neue Tierschutzgesetzgebung einen speziellen Akzent auf die Ausbildung der Personen legt, die mit Tieren umgehen, sei es mit Heim- oder Nutztieren, in der Tierhaltung, bei Transporten oder in der Schlachtanlage, unabhängig davon, ob es sich um Privatpersonen, Fachleute oder Hilfspersonal handelt.

Artikel 21 des Tierschutzgesetzes beauftragt den Bundesrat, die Anforderungen an das Schlachthofpersonal, also auch an Hilfskräfte, zu regeln. Die Tierschutzverordnung präzisiert in Artikel 177, dass das ganze Schlachthofpersonal über eine Ausbildung verfügen muss, die Fachkenntnisse und praktische Fähigkeiten über die tiergerechte Haltung, die verantwortungsvolle Nutzung und den schonenden Umgang gewährleistet.

Ausbildungskonzept „Tierschutz im Schlachthof“

Die Fleischwirtschaft steht voll und ganz hinter diesen Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen und engagiert sich insbesondere auch in der Ausbildung der Hilfskräfte. Deshalb hat der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF gemeinsam mit seinem Ausbildungszentrum ABZ in Spiez sofort mit der Erarbeitung eines Ausbildungskonzeptes „Tierschutz im Schlachthof“ begonnen.

Lernende Fleischfachleute, die mit lebenden Tieren im Kontakt sind, werden im Rahmen der Lehre ausgebildet. Artikel 177 der Tierschutzverordnung anerkennt denn auch die berufliche Grundbildung der Metzger und Fleischfachleute mit Schwerpunkt Gewinnung ausdrücklich als tierschutzkonforme Schulung für die Tätigkeit in Schlachtbetrieben.

Ungelernte Hilfskräfte werden während zwei mal sechs Stunden separat geschult. Die Schulungen werden möglichst vor Ort stattfinden, also an der Arbeitsstätte der Teilnehmer, um eine praxisgerechte Schulung zu ermöglichen. Das Ziel besteht darin, dass alle Mitarbeiter, die im Kontakt mit dem lebenden bzw. betäubten Schlachttier sind, ausgebildet werden und nach drei bis fünf Jahren einen „Wiederholungskurs“ absolvieren. Bei der Erarbeitung des Kursprogramms hat das Ausbildungszentrum für die Schweizer Fleischwirtschaft auch eng mit dem Schweizer Tierschutz zusammen gearbeitet. Zurzeit wird das Konzept vom Bundesamt für Veterinärwesen geprüft. Wir hoffen, möglichst rasch mit den Kursen beginnen zu können.

Die Branchenorganisation „Proviande“ ist die Genossenschaft der Primärproduzenten, des Viehhandels und der Verarbeiter. Sie errichtet eine branchenübergreifende Plattform zu allen Fragen des Tierschutzes und der Tiertransporte. Sie dient der Verbindung zum Schweizer Tierschutz STS und soll als Informationsdrehscheibe funktionieren, koordinierend wirken, Synergien ermöglichen, Probleme erkennen und zuhanden der Ausbildungskurse Lösungen erarbeiten. Der SFF wirkt durch Spezialisten der grösseren Schlachthofbetreiber und seines Ausbildungszentrums aktiv an dieser Plattform mit. Der Schweizer Fleisch-Fachverband hofft, damit seinen Beitrag an einen optimalen Tierschutz in Schlachtbetrieben leisten zu können.

Referat von Elias Welti, Bildungssekretär des SFF an der Jahresmedienkonferenz der Schweizer Fleischwirtschaft Zürich, 28. April 2009

Weiterlesen: Die Schweizer Fleischwirtschaft im 2008