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Bald keine Pommes frites mit Schweizer Kreuz mehr?

Ein Freihandelsabkommen mit der EU bedeutet in den Augen des Agrarkonzerns Fenaco das Aus für die hiesige Kartoffelindustrie. Besser sieht es für Zweifel-Chips aus.

von Alimenta Import

Der Tagesanzeiger schreibt, dass ein Freihandelsabkommen für die hiesige Kartoffelindustrie das Aus bedeuten würde. Jedenfalls in den Augen des Agrarkonzerns Fenaco. So sehe sich die Fenaco-Tochter Frigemo akut gefährdet.

Noch laufen die Förderbänder: Die Frigemo verarbeitet Kartoffeln zu Pommes frites. Durch den Freihandel mit der EU sieht sie sich akut gefährdet. Bild: Tagesanzeiger
Die Frigemo ist ein wichtiger Verarbeiter landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus der Schweiz. Bei den verarbeiteten Kartoffeln (Pommes Frites, Rösti usw.) hält die Tochter von Fenaco 50 Prozent des Marktes, bei den Eiern 27 Prozent und beim Tiefkühlgemüse 22 Prozent. Zu den Kunden gehören Detailhändler wie Coop, Migros, Denner oder die ebenfalls zur Fenaco gehörende Volg, aber auch Nestlé, Knorr oder der Gastrokonzern SV Group.

Komme das vom Bund anvisierte Freihandelsabkommen mit der EU im Agrarbereich zustande, sei die Frigemo mit 231 Millionen Franken Umsatz akut gefährdet. Das sagte Urs Feuz, Leiter der Division Nahrungsmittel bei Fenaco, an einer Medienkonferenz in Cressier NE. Feuz zitierte eine Studie der Universität St. Gallen, wonach Produkte wie Pommes frites oder auch Tiefkühlgemüse in der Schweiz nicht zu international konkurrenzfähigen Preisen produziert werden könnten.

Swissness nicht verkaufsfördernd
Das sei Gattungsware und als solche austauschbar. Swissness lasse sich nicht als verkaufsfördernder Faktor einsetzen: «Keiner kauft einen Sack Tiefkühl-Frites, nur weil es ein Schweizerkreuz drauf hat», sagte Feuz. Die Studie sei zum plausiblen Schluss gekommen, dass die Herkunft der Frites für den Kaufentscheid der Konsumenten unbedeutend sei. Der Grad der Verarbeitung sei gering, genau wie die Differenzierung bei der Qualität; umso grösser sei dafür die Preissensitivität, und deswegen seien für den Produzenten grosse Volumen ein Muss.

Die Studie geht davon aus, dass der Freihandel die Preise für tiefgekühlte Gemüse- und Kartoffelprodukte um rund 50 Prozent senken würde. Der Vergleich mit dem Ausland zeige, dass etwa McCain-Frites, welche Frigemo in der Schweiz in Lizenz herstellt, in Deutschland für 2.70 Franken das Kilo verkauft würden. In der Schweiz verlange Coop dafür 8.70. Allerdings seien hier auch Löhne und Kaufkraft höher.

Schlechte Perspektive
Schlechte Aussichten für hiesige Kartoffelverarbeiter. Löhne und Infrastrukturkosten sinken mit dem Freihandel nicht, und im umliegenden Ausland wartet niemand auf Schweizer Frites, haben doch die eigenen Fabriken Überkapazitäten. Besser sieht es für Zweifel-Chips aus – ein Markenprodukt mit Swissness-Faktor.

Die Fenaco fordert einen politischen Entscheid: Wolle man den Kartoffel- und Gemüseanbau und die nachgelagerte Industrie erhalten, müssten diese Bereiche vom Agrarfreihandel mit der EU ausgenommen werden. tagesanzeiger/hps