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Sehnsucht nach ruhigeren Zeiten

Der Milchmarkt ist nach wie vor turbulent. Emmi verschiebt seinen Segmen­tierungsschlüssel, Hochdorf setzt auf Direktlieferanten. Eine Branchenorganisation Milch, die vor ihrer Gründung steht, könnte etwas Ruhe bringen

von Alimenta Import

Gut einen Monat nach der Aufhebung der Milchkontingentierung zeichnet sich ab, dass Handel, Verar­beiter und Produzenten künftig im Rahmen einer Branchenorganisation Milch gemeinsam über nötige Instrumente diskutieren werden. Ende Juni soll die Organisation gegründet werden. Dieser Zeitpunkt wird von vielen sehnlichst erwartet, denn die Organisation soll Ruhe in den turbulenten Milchmarkt bringen. Mengenmanagement und Richtpreis sind nur zwei dazugehörige Stichworte.

Emmi verschiebt Segmentierungsverhältnis

Vorerst ist es aber noch nicht so weit. Einige Milchverarbeiter segmentieren ihre Milchmenge, andere nicht. Zu den Segmentierern gehört Emmi. Seit Februar kaufte der Zentralschweizer Milchverarbeiter seinen Direkt­lieferanten 74% der Milch als Linien- oder
A-Milch ab, die übrigen 26% galten als Überschuss- oder B-Milch. Seit dem 1. Mai hat sich dieses Verhältnis für einzelne Lieferanten­organisationen hin zur B-Milch verschoben: 68% werden als Linienmilch für durchschnittlich rund 61 Rappen und 32% als Überschussmilch für 43 Rappen pro Kilo bezahlt. Wie viele der Produzenten nach dem angepassten Verteilschlüssel liefern, war von Emmi nicht zu erfahren. «Mit dieser Massnahme wollen wir erreichen, dass die Produktion nun endlich eingedämmt wird», sagt Emmi-Sprecher Stephan Wehrle gegenüber «Alimenta». Dass die B-Milch bei Emmi nicht erwünscht sei, könne man indes nicht sagen. Jeder Milchproduzent müsse selber entscheiden, ob er zu diesen Konditionen weiter liefern wolle und könne, heisst es aus Luzern.

Hochdorf lässt direkt liefern

Auch die Hochdorf-Gruppe richtet ihre Milchbeschaffung neu aus. Sie setzt wieder auf Direktlieferanten. Rund ein Fünftel der schätzungsweise 360 Mio. Kilo Milch, die Hochdorf jährlich verarbeitet, sollen nicht mehr von ­Organisationen gekauft werden. Dank erfolgreicher Produkte und wegen des liberalisierten Milchmarktes erhält die Sicherstellung der Milchversorgung diese hohe Bedeutung. Das Liefermodell und die Strategie scheint für die Produzenten attraktiv zu sein: «Wir werden von Anfragen überhäuft», sagt Hochdorf-Sprecher Christoph Hug. Wichtig sei bei
der Auswahl, dass die Hochdorf-Produzenten ­flexibel und zukunftsorientiert seien. Mitentscheidend für die Interessenten dürfte sein, dass durch die Direktlieferung eine Stufe in der Wertschöpfungskette übersprungen wird und dadurch der Milchpreis attraktiv ist. Auch sollen Landwirte dazugehören, die mit der ­Politik der Zentralschweizer Milchproduzen­ten nicht einverstanden sind. Vorerst werden Direktlieferanten aus der näheren Umgebung des Werkes Hochdorf berücksichtigt.