Datum: Branche:

Glaceneuheiten und –trends 2009

Innerhalb von vierzig Jahren verdoppelte sich der schweizerische Glacekonsum auf 50 Millionen Liter pro Jahr. Inwiefern beeinflussen neue Technologien aber auch der Zeitgeist die Art der Kreationen? Aktuelles Fazit in turbulenten Zeiten: Das traditionelle Cornet ist auf dem Vormarsch und Neuheiten, die Gesundheit und Nachhaltigkeit garantieren, sind "en vogue".

von Foodaktuell Importer



Hausglace von Konditoreien und Hofglace vom Bauernhof ist im Trend. Renzo Blumenthal, Ex-Mister Schweiz und Biobauer verkaufte kürzlich Glace an der Prominentenwoche der Zürcher Bäckerei St.Jakob. Die sieben bis siebzig jährigen Kundinnen liessen sich nebst der St.Jakob-Hausglace auch ein Autogramm geben und klimperten mit den Wimpern. Ob der erfolgreiche Hofprodukte-Vermarkter (Renzo-Wurst mit Fleisch von seinem Bündner Biohof, hergestellt von Traitafina) demnächst auch Hofglace herstellt, ist noch Gegenstand von Recherchen.

In der Romandie gönnt man sich das erste Glacé bei noch winterlichen Temperaturen, wenn zaghafte Sonnenstrahlen zu einem Spaziergang am See einladen. In der Deutschschweiz werden die Tiefkühltruhen erst gefüllt, sobald das Thermometer in die Höhe klettert, was dieses Jahr früh geschah und gesamtschweizerisch für einen erfreulichen Saisonstart sorgte. Keine regionalen Unterschiede gibt es bei den geschmacklichen Vorlieben der Schweizerinnen und Schweizer. Zu Beginn der warmen Jahreszeit greifen alle zuerst auf die Lieblingsaromen aus der Kindheit zurück: Schokolade, Vanille, Erdbeer, Stracciatella.

Das gegenwärtige Bedürfnis nach Vertrautem und Altbewährtem beschert dem traditionellen Cornet ein “Revival”. Das Waffeleis – es wurde aufgrund einer neuentwickelten Maschine Mitte der 60er-Jahre in der Schweiz eingeführt – kletterte auf den ersten Platz der Beliebtheitsskala. Allein im vergangenen Sommer gönnten sich die Schweizerinnen und Schweizer rund 20 Millionen Einzelcornets und über 35 Millionen Cornets in Multipackungen.

Im Bereich Strassenartikel (Lutscher, Cornets, Becher) und Heimkonsum (Multipacks, Bidons, Blöcke) werden – turbulente Wirtschaftszeiten hin oder her – wachsende Umsatzzahlen erwartet. “Spart man bei grösseren Anschaffungen, leistet man sich öfters eine kulinarische Exklusivität, die den Geldbeutel nicht sprengt”, erklärt Walter Diethelm, Geschäftsführer von EMMI Ice Cream und: “Wer ein Glace isst, kann die Alltagssorgen einen Moment lang vergessen”.

Bioglace der von Biosuisse prämierten Berner Gelateria Luna Llena – für genussorientierte und an Nachhaltigkeit interessierte Konsumenten.

Bei den Neulancierungen heissen die Stichwörter “Comfort Good” und “LOHAS” (Lifestyle of Health and Sustainability). Man richte sich an den genussorientierten Konsumenten und an einen Lebensstil, der für die Gesundheit und die Nachhaltigkeit stehe, so Walter Diethelm.

Neuheiten zur Sommersaison 2009

In diesem Sinn und auch in der Gewissheit, dass die Experimentierfreudigkeit der Schweizerinnen und Schweizer spätestens nach dem dritten sommerlichen Glacekauf nicht mehr zu bremsen ist, präsentieren die Glacefabrikanten dieses Jahr zahlreiche Neuheiten: Mövenpick spricht mit den neuen Sorten “Grüntee/Jasmin”, “Ricotta/Pink Pepper” (im Bild mit kaltem Tomatenschaum als Gourmet-Kreation) oder “Cognac VSPO” einen Fankreis an, der auf Exklusivität und Extravaganz setzt.

Bei EMMI wurde das erfolgreiche “Emmi CAFFÈ LATTE”-Sortiment mit einer gesamten Bidon-Linie ergänzt, die aus erstklassigen Rohstoffen hergestellt werden: Erntefrische Erdbeeren, in heisser Milch gekochte Vanilleschoten und frisch gemahlener Kaffe verfeinern als echte Geschmacksgeber die Kreationen der Linie “CREMA DI LATTE”. Caramelisierte Kondensmilch – wie sie in Spanien und Argentinien für die raffinierte Dessertzubereitung verwendet wird – bildet die Grundlage von “Dulce de Leche”.

Auf Swissness und also auf die Schweizer Verbundenheit setzt man auch beim erweiterten EMMI-Kindersortiment: Mit drei neuen beweglichen CH-Bildersujets geht der Glacebecher “Globolino” in den Sommer. Dass alle Produkte in Ostermundigen und aus Schweizer Milch hergestellt werden, versteht sich beim Milchverarbeiter EMMI von selbst. “Shàlin” zielt auf Konsumenten, welche Genuss suchen: Die cremige Jogurt-Glace mit weniger als 0,5% Fett und über 20% Fruchtanteil gibt es im neuen trendigen Bidon und neu auch als Lutscher einzeln oder als Multipack.

Swissness-Glace von Frisco – ideal für den bevorstehenden Nationalfeiertag

Die Nestlétochter FRISCO setzt auf Natürlichkeit und Schweizer Rohprodukte: Die EXTRÊME Cornets bestehen neu dieses Jahr aus Schweizer Rahm und verfügen über keinerlei künstliche Zusätze. Die EXTRÊME All NATURAL sind als Einzelstücke sowie im Multipack für den Genuss zu Hause erhältlich. “LA CREMERIA” – eine Glace aus 70 % Milch – gibt es ab diesem Sommer in den Geschmacksrichtungen Vanille, Stracciatella und Cappuccino.

Zudem feiert die älteste Erfindung des Glaceherstellers – die legendäre Rakete – dieses Jahr ihren 40. Geburtstag. Mit dem dreifarbigen Wassereis am Stiel, das aus Anlass der ersten Mondlandung kreiert wurde, wuchsen Generationen von Kindern auf. Das Kultglacé zähle noch immer zu den erfolgreichsten Produkten im Sortiment, sagt Marco Zanchi, Marketing Direktor bei FRISCO: “Jährlich werden in der Schweiz rund acht Millionen Raketen konsumiert”.

Gefeiert wird der Geburtstag des unveränderten Klassikers mit einem grossen SMS&Win Spiel. Zudem wird der kleine Bruder der Rakete – das fast ebenso bekannte Glacé “Winnetou” – neu lanciert: Mit Fruchtsaft aus Ananas, Himbeeren und Aprikosen aromatisiert, gewinnt der legendäre Lutscher an Frische und Geschmack.

Das Rakete-Wasserglacé ist eine der erfolgreichsten Glace-Lancierungen in der Schweiz und vor allem bei Kindern beliebt: farbig, schmackhaft und preiswert.

Seit der Mondlandung im Jahr 1969 verdoppelte sich der Glacekonsum der Schweizer auf 50 Millionen Liter pro Jahr. Dass heisst jeder CH-Bewohner konsumiert rund 6,6 Liter Speiseeis pro Jahr. Die Verfügbarkeit der kühlen Köstlichkeiten auch zu Hause sei für die Anfänge des Booms verantwortlich gewesen, sagen die Fachleute. Mit dem Aufkommen der Tiefkühltruhe wurde der Genuss jederzeit und überall möglich.

“Einwandfreie Rohstoffe, Verzicht auf allzuviel Zucker und künstliche Aromen”, nennt Daniel Rieser, Grosskundenbetreuer bei LUSSO, den Trend der kommenden Jahre. Dank ausgeklügelter Technologien und den neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen entstanden gesunde Kreationen: So verfügt der sorbetumhüllte Lutscher “Solero Berry Berry” über einen Fruchtsaftanteil von über 50% und entspreche mit weniger als hundert Kalorien einer Banane, so Daniel Rieser.

Genuss ohne Reue: Zum Saisonauftakt präsentiert LUSSO auch eine kleinere Magnum-Variante (80 ml), die Frauen besonders ansprechen wird: Cranberrys, Schoggisplitter und Waldbeerencoulis verfeinern eine Glace, die mit Bourbon-Vanille aromatisiert wurde und von zarter Milchschokolade umhüllt ist. Die klassischen Magnum-Sorten sind im Detailhandel mit Pistazien oder mit Nougat und Honig erhältlich.

Die Schweiz liegt als Glacekonsument im europäischen Mittel. Kurios: Je nördlicher das Land liegt, desto grösser ist der jeweilige Glacekonsum. Als Spitzenreiter gelten Finnland (14,1 Liter pro Kopf), Schweden (14,0 Liter) und Dänemark (10,3 Liter). Am unteren Ende der Skala figurieren “heisse” Länder wie Griechenland (4,2 Liter) oder Portugal (3,8 Liter).

Während Eiscrème in den USA bereits seit Jahrzehnten quasi zu den Grundnahrungsmitteln zählt (21 Liter pro Kopf), lassen die veränderten Essgewohnheiten in urbanen Gefilden auch hierzulande hoffen: In der mobilen Take-away-Gesellschaft werden Eisbecher, Lutscher und Cornets bereits heute vermehrt als gesunde Zwischenmahlzeit konsumiert. (Text: fial. Bildlegenden: foodaktuell.ch)

Weiterlesen: Dossier Glace