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BO Milch einigt sich auf Richtpreis

Knapp zwei Wochen nach ihrer Gründung macht die Branchenorganisation Milch Nägel mit Köpfen. In einem ersten Schritt hat sie einen Richtpreis für Industriemilch festgelegt. Weitere Schritte sollen bald folgen.

von Alimenta Import

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hat am 10. Juli sein erstes Zeichen zur Stabilisierung des Milchmarktes gesetzt, indem er einen Richtpreis festlegte. Für die Periode von Juli bis September liegt er bei 61,6 Rappen pro Kilo Milch (franko Rampe Verarbeiter, ohne Mehrwertsteuer). Der Vorstand geht davon aus, dass für 90 Prozent der Industriemilchmenge dieser Richtpreis realisierbar ist.

Richtpreis als Orientierungshilfe
Der Richtpreis für Industriemilch sei als Orientierungshilfe für Preisverhandlungen gedacht und solle einen Beitrag zur Versachlichung der Preisdiskussion leisten, schreibt der Vorstand in einer Mitteilung. Die effektiven Milchpreise werden zwischen den Marktpartnern unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten der Milchproduzenten und der Verarbeiter direkt ausgehandelt. Branchenkenner erwarten denn auch, dass in den nächsten Tagen und Wochen Preisverhandlungen stattfinden, in denen unter anderem die nach wie vor grossen Butter- und Milchpulverlager mitberücksichtigt werden.

  • ?Preisindex für Molkereimilch: Diese vergangenheitsbezogene Grösse bildet die Entwicklung der Preise für Detailhandels- und Industriemilchprodukte und der Milchpreise im umliegenden Ausland ab. Er wird vom Bundesamt für Landwirtschaft aufgrund der Vorgaben des BO-Milch-Vorstandes berechnet und veröffentlicht.
  • Preisindex für landwirtschaftliche Produktionsmittel: Er ist ein Indikator für die Entwicklung der Milchproduktionskosten und wird vom Schweizerischen Bauernverband (SBV) berechnet.
  • Prospektive Einschätzung des Marktes: Der Vorstand der BO Milch schätzt für die Periode des Referenzpreises die zu erwartende Marktentwicklung ab.

Es ist vorgesehen, den Richtpreis für Industriemilch von nun an alle drei Monate festzulegen.

Milchbörse als nächster Schritt
Als nächster Schritt soll die Milchbörse eingeführt werden. «Wir rechnen damit, dass es Anfang bis Mitte August so weit sein sollte», sagt Martin Rufer, Projektleiter beim SBV, der die Geschäfte der BO Milch bis Ende des Jahres leitet, dazu. Eine Kommission sei derzeit daran, letzte Unklarheiten bei entscheidenden Parametern und in der Technik zu beseitigen. Es liegt im Interesse aller, die Milchbörse rasch möglichst ingangzusetzen, um ihr Funktionieren in der milchärmeren Periode testen zu können.

In einem weiteren Schritt soll die Transparenz im Milchmarkt hergestellt werden. Dazu laufen Gespräche mit der TSM Treuhand, die voraussichtlich die Daten über die Vertragsmengen und das Angebot sammeln soll. «Unser Ziel ist es, in erster Linie eine möglichst einfache und effektive Lösung zu finden», sagt Martin Rufer. Erst wenn die Transparenz gegeben sei, könne das Thema der Entlastung der Butter- und Milchpulverlager im Rahmen der BO Milch angegangen werden.