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Der Faktor Schutz beeinflusst die Ökobilanz

Im Zuge der öffentlichen Diskussionen in jüngster Zeit zu Themen wie Rohstoffknappheit oder Carbon Footprint haben Ökologie und Verpackung wieder stark an Aktualität gewonnen.

von Alimenta Import

Die zentrale Frage, die sich beim Thema Ökologie und Verpackung stellt, ist, wie man die Ökologie einer Verpackung messen kann. Ein passendes Instrument hierfür ist die Ökobilanz. Bei der Ökobilanz handelt es sich um ein strukturiertes, international standardisiertes Managementtool für die Quantifizierung von Emissionen und verbrauchten Rohstoffen sowie den damit verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit, bezogen auf den gesamten Lebensweg eines Produktes oder einer Dienstleistung.

Dank dem standardisierten Vorgehen sowie einer umfassenden Datenbasis in Form der Datenbank Ecoinvent, hat sich die Ökobilanz zu einem sehr weit verbreiteten und breit eingesetzten Werkzeug entwickelt.
 
Was soll betrachtet werden?
Von zentraler Bedeutung bei der Anwendung der Methode der Ökobilanz ist ein auf die Fragestellung zugeschnittenes Vorgehen – mit dem zentralen Punkt: Was soll betrachtet werden? Anhand eines einfachen Fallbeispieles eines verpackten Lebensmittels zeigt dieser Artikel auf, wie sich dieses Instrument einsetzen lässt.

Bei einer solchen Fragestellung ist man in einem ersten Schritt geneigt, einen einfachen Vergleich der beiden Verpackungen A und B (Gewinnung ihrer Rohstoffe, Herstellung der Verpackung sowie deren abschliessende Entsorgung) unter Ausschluss des Inhaltes (Lebensmittel X) sowie dessen weitere Verwendung durchzuführen, mit der Begründung, dass in beiden Varianten ja die gleiche Menge des (gleichen) Lebensmittels X verpackt ist.

Entscheidend für Verpackungssysteme ist die Recyclingrate des Systemes A  – nur eine sehr hohe Recyclingrate führt dazu, dass das System A besser abschneidet. Zeigen Erfahrungswerte etwa eine Recyclingrate von 50% an, so kann gefolgert werden, dass das System B die ökologisch bessere Verpackung darstellt.

Auch der Inhalt entscheidet über die Ökobilanz
Diese isolierte Betrachtung der beiden Verpackungssysteme A und B kann aber zu einer falschen Schlussfolgerung führen, denn in dieser Betrachtung wird eine zentrale Funktionalität des Verpackungssystems, ihre Schutzfunktion (hier für das Lebensmittel X), nicht berücksichtigt. Da diese Schutzfunktion auch vom Material abhängig ist, kann diese bei verschiedenen Verpackungssystemen unterschiedlich sein. In so einem Fall muss für einen sinnvollen ökologischen Vergleich das untersuchte System dann aber um den Verpackungsinhalt – die Produktion des Lebensmittels X – sowie den Umgang damit ergänzt werden.

Das Verpackungssystem beeinflusst die Gesamtbelastung nur einen kleinen Teil (inkl. Entsorgung rund 22%), während allein die Produktion des dargestellten Lebensmittels rund die Hälfte der gesamten Belastung ausmacht. Gehen wir nun von der Hypothese aus, dass die eine Verpackungsvariante eine höhere Schutzfunktion ausübt, was sich bei der ungünstigeren Variante darin äussert, dass man 10% des Inhaltes wegwerfen muss, da er verdorben ist, so kann man sich vorstellen, dass dies einen nicht zu vernachlässigenden Effekt auf die ökologische Leistung der betreffenden Verpackung hat.

Man sieht, dass diese 10% weggeworfene Lebensmittel eine vergleichbare Umweltbelastung aufweisen wie eine um 25% höhere Recyclingausbeute. Dies führt dazu, dass die Verpackung B im Falle von 50% Recycling bei System A nicht mehr besser abschneidet, sondern dass man sagen kann, dass die beiden Systeme von vergleichbarer ökologischer Leistung sind.

Gesamtkontext ist entscheidend
Aus diesem Beispiel wird ersichtlich, dass die Beurteilung der Ökololgie eines Verpackungssystemes nur im Geamtkontext möglich ist; es ist gefährlich, sich nur auf die verschiedenen Verpackungsmaterialien alleine zu konzentrieren. Denn die ökologische Belastung, welche im Inhalt steckt, darf nicht ausser Acht gelassen werden – sie übersteigt oftmals (wie auch in diesem Beispiel gezeigt) die Belastung des Verpackungsmaterials um ein Vielfaches.

Die beste Verpackung aus der Sicht der Ökologie ist somit jene Verpackung, welche den Inhalt optimal schützt; denn oftmals steckt viel mehr Umweltbelastung im Inhalt als in der Verpackung. Dies soll uns als Gesellschaft jedoch keineswegs davon abhalten, die optimale Schutzfunktion mit einem minimalen Aufwand an Materialien – Materialien, die sich nach Möglichkeit auch recyclieren lassen und damit einer minimalen Umweltbelastung dienlich sind – auch auf Seiten des Verpackungsmaterials zu erreichen.

Der Autor arbeitet an der Eidgenössischen Material- und Prüfungsanstalt Empa, Abteilung Technologie und Gesellschaft.