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Druck auf die Getreidemühlen wächst

Der Bund will die Schweizer Mühlen vermehrt der ausländischen Konkurrenz aussetzen. Darunter leiden auch die Getreideproduzenten. Der Zollabbau und die zusätzlich gesunkenen Preise auf dem internationalen Getreidemarkt gefährden den Schweizer Getreidebau. Und aus Süddeutschland kommt Druck auf die Schweizer Mühlen. Deutsche Mühlen, um ein Vielfaches grösser als die Schweizer Betriebe, interessieren sich derzeit sehr für den Schweizer Markt und locken die Importeure mit tiefen Angeboten.

von Foodaktuell Importer


Die Schweizer Getreidebauern mussten in den letzten Jahren stetig sinkende Zölle und damit auch sinkende Preise akzeptieren. Per 1. Juli 2009 hat der Bund eine weitere Senkung der Getreidezölle um vier Franken pro 100 Kilogramm beschlossen. Die Getreidepreise sinken noch stärker: In den Richtpreisverhandlungen der Branchenorganisation Swiss Granum einigte man sich letzte Woche nach zähen Verhandlungen und unter dem Druck des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) darauf, die beste Weizenqualität auf einen Preis von 51 Franken pro 100 Kilogramm, ganze 10.50 Franken weniger als die letztjährigen 61.50 Franken während der Ernte.

“Dieser Zollabbau und die zusätzlich gesunkenen Preise auf dem internationalen Getreidemarkt gefährden den Schweizer Getreidebau”, sagt Fritz Glauser, Präsident des Schweizer Getreideproduzentenverbandes (SGPV). “Wir sind besorgt, dass die Anbaufläche und die Zahl der Getreideproduzenten weiter zurückgehen.”

Konkurrenz aus Süddeutschland

Dass die Getreidepreise nun viel stärker sinken sollen als die Zölle, begründen die Müller mit zusätzlichem Druck aus dem Ausland. Denn auch ihr Grenzschutz, der Zoll für Mehl, wird vom Bund gesenkt. Zwar nicht auf 1. Juli, wie ursprünglich vorgesehen, sondern erst auf 1. Oktober. Als Bedingung für diese Verschiebung verlangte das BLW aber, dass die Branche sich auf Richtpreise einige. Mit dieser Vorgabe einigten sich Produzenten und Abnehmer in diesem Jahr zumindest auf einen Richtpreis beim Top-Weizen – im Gegensatz zum Vorjahr, als bei den Richtpreisen für die Zeit ab dem 1. Oktober 2008 beim Brotgetreide keine Richtpreise gefunden wurden.

Der Druck auf die Schweizer Mühlen kommt vor allem aus Süddeutschland, wie Oliver Schnyder, Geschäftsführer der Dachorganisation der Schweizer Müller (DSM), erklärt. Deutsche Mühlen, um ein Vielfaches grösser als die Schweizer Betriebe, würden sich derzeit sehr für den Schweizer Markt interessieren und die Importeure mit tiefen Angeboten locken. “Da müssen wir mithalten können, wenn der Mehlzoll im Oktober sinkt”, sagt Schnyder. “Bei zu hohen Getreidepreisen ist das nicht möglich.”




Silo Schwarzenbach der Eberle Bruggmühle Goldach

Die Mühlen profitieren zwar zusätzlich zum Mehlzoll von einem Verarbeitungszuschlag von 20 Franken pro 100 Kilogramm. Angesichts der eklatanten Grössenunterschiede zwischen Schweizer Mühlen und EU-Mühlen und dem höheren Kostenumfeld sei dieser Zuschlag notwendig, sagt Schnyder.

Eine Ungleichheit sieht er auch in der Tatsache, dass beim Getreide zwar die Menge, die zu tiefen Zöllen importiert werden könne, durch ein Importkontingent beschränkt ist, beim Mehl hingegen beliebige Mengen importiert werden können. Umso wichtiger seien inländische Getreidepreise für die Mühlen, die mit den ausländischen Preisentwicklungen korrelierten.

Mehr Transparenz

Martin Pidoux, beim BLW für den Ackerbau zuständig, bedauert, dass der Getreidepreis nun so stark sinke. Mit der Bedingung, dass eine Einigung auf Richtpreise zustandekommen müsse, bevor die Mehlzollsenkung entschieden würde, seien alle Beteiligten im April einverstanden gewesen, sagt er. Damit wolle das BLW ein Minimum an Transparenz in die Preisbildung bringen. Die konkreten Richtpreisverhandlungen selber seien nun Sache der Branchenpartner gewesen, da mische sich das BLW nicht ein. Im Gegensatz zum DSM ist Pidoux der Meinung, dass die 20 Franken Standortschutz für die Schweizer Mühlen angemessen seien.

Direktzahlungen als Kompensation

Getreidebauernpräsident Fritz Glauser stört es besonders, dass die Getreidepreise nun drastisch sinken, die Produktionskosten der Bauern aber fast unverändert hoch sind. “Die Düngerpreise sind zwar inzwischen etwas gesunken, aber der grösste Teil der Düngermengen wurde noch zu den höheren Preisen gekauft”, sagt er.




Lietha Mühle in Grüsch, eine Tochter der Willi Grüninger AG in Flums

Beim Pflanzenschutz seien einzelne Mittel etwas günstiger geworden, und auch der Treibstoff sei wieder etwas billiger, aber ver­glichen mit der Situation im Jahr 2006 vor der Preishausse seien die Produktionskosten immer noch höher. Auch bei den Maschinen sei es schwierig, kurzfristig Geld zu sparen. Der Getreideproduzentenverband fordert deshalb nach wie vor eine Kompensation der zurückgehenden Erlöse beim Brot- und Futtergetreide durch höhere Direktzahlungen.

BLW-Mann Pidoux reagiert zurückhaltend: Die Direktzahlungen für das Jahr 2009 seien schon festgelegt und nicht an Kulturen gekoppelt. Man habe zu wenig Futtergetreide und in manchen Jahren auch zu viel Brotgetreide. “Ein Anbaubeitrag für Brotgetreide wäre deshalb nur schwer begründbar”, sagt Pidoux. Aber die Türe schliessen wolle man nicht: “Bis jetzt hat die Branche keinen Vorschlag gemacht. Wäre es der Fall sein, würde er geprüft.”

Grenzschutz für Getreide und Mehl

Zölle bei Getreide und Mehl werden seit einigen Jahren kontinuierlich abgebaut, damit sinken auch Rohstoffpreise zugunsten der Backwarenhersteller. Der Getreidezoll beträgt per 1. Juli noch 23 Franken pro 100 Kilogramm Weizen. Für den Grenzschutz beim Mehl wird dieser Betrag mal 1,33 gerechnet, das ergibt 30.66 Franken. Dieser Faktor kommt zustande, weil aus 100 Kilogramm Getreide 75 Kilogramm backfähiges Mehl entstehen. Dazu kommt ein Standortschutz für die Mühlen von 20 Franken. Zusammengezählt ergibt sich ein Mehlzoll von 50.60 Franken. Dieser Mehlzoll soll ab 1. Oktober in Kraft treten, bis dann gilt der alte Zoll von 65 Franken. Bis zum 1. Juli des letzten Jahres hatte der Mehlzoll 143 Franken betragen.

Text: LID, Roland Wyss-Aerni