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Probiotika–Forschung geht weiter

Studien zur gesundheitsfördernden Wirkung

von Foodaktuell Importer

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat sich der Markt für Probiotika schnell entwickelt. Das Interesse der Verbraucher an Lebensmitteln, die in erster Linie aufgrund ihrer gesundheitsbezogenen Wirkung vermarktet werden, nimmt ständig zu. Grund genug, den gegenwärtigen Wissensstand über Probiotika zu beleuchten.



Obwohl es wissenschaftlich belegt ist, dass sich der Konsum von Probiotika positiv auf die Gesundheit auswirken kann, gilt dieser Nachweis immer nur für den jeweils getesteten Bakterienstamm und nicht generell für alle Probiotika. Die wissenschaftliche Forschungstätigkeit hat sich daher in den letzten Jahren verstärkt darauf konzentriert, spezifische probiotische Stämme hinsichtlich ihrer Fähigkeit zu untersuchen, bestimmten Krankheiten vorzubeugen oder sie zu verhindern.

Zu den potenziellen gesundheitsfördernden Effekten mancher Probiotika zählen:
Verringerung der Häufigkeit bzw. des Schweregrades von Magen-Darm-Infektionen,
Stärkung der Abwehrkräfte und Verbesserung der Darmfunktionen.

Probiotische Bakterien können ihre gesundheitsbezogenen Effekte auf verschiedene Art und Weise ausüben. Manche produzieren antimikrobielle Substanzen, andere konkurrieren mit schädlichen Bakterien um Nährstoffe oder Bindungsstellen an der Darmwand, und wieder andere beeinflussen das Immunsystem des Wirtsorganismus. Wie auch immer der Mechanismus, die probiotischen Bakterien müssen in jedem Fall regelmässig und lebend mit der Nahrung aufgenommen werden, damit sich ihre positiven Wirkungen dauerhaft entfalten können; sie sind nämlich nur vorübergehend im Darm anwesend und kein fester Bestandteil der Mikroflora.

Projekt PROEUHEALTH

Im Jahr 2001 wurde das von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt Ernährung, Funktionalität des Gastrointestinaltrakts und menschliche Gesundheit PROEUHEALTH gestartet, mit dem Ziel, die Rolle einiger probiotischer Bakterien für unser Wohlbefinden wissenschaftlich zu untersuchen. PROEUHEALTH lief vier Jahre lang und erzielte aufregende und vielversprechende Forschungsergebnisse zu den gesundheitsfördernden Wirkungen bestimmter probiotischer Stämme:

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind für Betroffene durch die immer wiederkehrenden Episoden von schwerem Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen sehr belastend. Man geht davon aus, dass CED durch das Immunsystem verursacht werden, das auf bestimmte Bakterien im Magen-Darm-Trakt überreagiert und dadurch eine Entzündung des Darms auslöst. PROEUHEALTH hat gezeigt, dass gewisse Probiotika – in diesem Fall spezielle Stämme von Lactococcus und Lactobacillus – dazu beitragen könnten, solche Darmentzündungen zu verhindern. In derzeit laufenden Studien mit Morbus-Crohn-Patienten wird untersucht, ob spezifische Stämme von Lactococcus zur Prophylaxe oder Therapie von CED eingesetzt werden können.

Gastritis und Diarrhö

Das unter dem Namen Helicobacter pylori bekannte Bakterium kann beim Menschen Gastritis, Magengeschwüre und im schlimmsten Fall auch Magenkrebs verursachen. Escherichia coli und Salmonella typhimurium sind wichtige Erreger von infektiösen Durchfällen. Wie die PROEUHEALTH-Studie gezeigt hat, konnten bestimmte Stämme von Lactobacillus die Bakterienpopulationen von Helicobacter pylori wie auch Salmonella typhimurium bei Mäusen reduzieren. Um spezifische Laktobazillenstämme beim Menschen zu untersuchen, sind weitere Studien geplant. Möglicherweise ergibt sich daraus eine neue Methode zur Prävention und Therapie von Gastritis und Diarrhö.

„Health Claims“ – eine Frage des wissenschaftlichen Nachweises

Im Jahr 2007 trat die sogenannte „Health-Claims“-Verordnung der EU (Verordnung EG Nr. 1924/2006) in Kraft. Eine der wesentlichen Veränderungen, die durch die neue Verordnung eingeführt wurden, war, dass Hersteller von Probiotika alle nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben nunmehr der Europäischen Kommission vorlegen müssen, die diese durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority/EFSA) wissenschaftlich evaluiert und entweder genehmigt oder ablehnt. Bis 2010 werden alle sogenannten „Health Claims“ zu probiotischen Produkten beurteilt sein, sodass dem Verbraucher eine verlässliche Orientierungshilfe bezüglich möglicher gesundheitsfördernder Eigenschaften von Probiotika zur Verfügung steht.



Über Probiotika


Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in manchen Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind und – in ausreichenden Mengen aufgenommen – eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit haben können. Sie helfen, im menschlichen Magen-Darm-Trakt eine gesunde Balance der Bakterienflora aufrechtzuerhalten. Die häufigsten probiotischen Bakterien sind Stämme von Lactobacillus und Bifidobacterium, manchmal in Kombination mit Streptococcus thermophilus.2 Probiotika sind üblicherweise in Form von fermentierten Milchprodukten zu finden. Sie sind jedoch auch als Nahrungsergänzungsmittel (Tabletten, Kapseln oder Pulver) erhältlich.

Literatur

The British Dietetic Association, Food facts section: www.bda.uk.com/foodfacts/0710-08probiotics.pdf

Howlett J (2008) Functional Foods – From Science to Health and Claims. ILSI EUROPE Concise Monograph Series. Verfügbar unter: http://europe.ilsi.org/NR/rdonlyres/97C50D2F-8DDB-415F-AC6C-E20ED1B5E7D1/0/FunctionalFoods2008.pdf

Report of a joint FAO/WHO expert consultation on evaluation of health and nutritional properties of probiotics in food including powder milk with live lactic acid bacteria. Verfügbar unter: http://www.who.int/foodsafety/publications/fs_management/en/probiotics.pdf

PROEUHEALTH – the food, GI tract functionality and human health cluster, Consumer platform section: http://virtual.vtt.fi/virtual/proeuhealth/consumerplatform/
VERORDNUNG (EG) Nr. 1924/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Verfügbar unter: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2007/l_012/l_01220070118de00030018.pdf

Quelle: eufic