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«Es gibt sie durchaus, die gewissenhaften Hersteller»

Die Schweiz «exportiert» auch Know-how im Bereich Lebensmittelsicherheit ins Reich der Mitte. Alimenta sprach mit Reto Battaglia, dem früheren Leiter von SQTS.

von Alimenta Import

Reto Battaglia, Co-Inhaber der Battaglia Food Safety Systems GmbH, war lange Jahre Leiter des grössten privaten lebensmittelanalytischen Labors der Schweiz (Swiss Quality Testing Services, SQTS) in Dietikon, einem Unternehmen der Migros-Gruppe.

Battaglia ist durch mehrere wissenschaftliche Gremien international vernetzt und unterrichtet an Hochschulen zur Qualitätssicherung bei der Lebensmittelproduktion. Ein grosser Teil seiner aktuellen Beratertätigkeit betrifft Exportfirmen in China. Das Unternehmen Battaglia Food ­Safety Systems auditiert zusammen mit einer chinesischen Partnerfirma Hersteller von ­Lebensmitteln aller Art. Zertifiziert werden ­Verarbeitungsbetriebe nach den Standards BRC und IFS sowie landwirtschaftliche Pro­duzenten nach dem Standard EurepGAP.

Alimenta: Wer ist in China für die Lebensmittelsicherheit verantwortlich?
Reto Battaglia: In China ist die staatliche Überwachung aller industriellen Tätigkeiten personell stark. Dies fördert die Eigenverantwortlichkeit nicht; im Gegenteil. Für einen Exporteur übernimmt der Staat mit dem ok-Stempel die Verantwortung für die Ware. Deshalb können auch nicht einzelne Hersteller zur Verantwortung gezogen werden. Aus dieser Konsequenz verfügten betroffene Staa­ten – im Fall z.B. von Pouletfleisch (2002) – ganz China mit einen Importstopp.

Und dennoch wollen besorgte Abnehmer nur mit verantwortungsvoll geführten ­Unternehmen zusammenarbeiten.
Selbstverständlich kann ich nicht für die Tausenden von Fabriken in China sprechen. Es gibt über 16?000 Betriebe mit je einem Jahresumsatz von über 600?000 US-Dollars in China. Ich kenne selbst einige sehr gute und gewissenhafte Fabrikmanager, welche exportieren und gute Geschäfte machen. Sie sind zuverlässig und liefern einwandfreie Ware. Der Geschäftserfolg eines Händlers beruht darauf, diese Fabriken zu finden und eine dauerhafte Beziehung mit ihnen aufzubauen.

Welchen Beitrag leisten Sie, dass im interna­tionalen Handel mit Lebensmitteln zwischen Europa und China wieder Vertrauen entstehen kann?
Seit 2008 engagiere ich mich für den Aufbau des «Lebensmittellabors Nehring & Battaglia GmbH» in Xiamen (China). Dort bieten wir für chinesische Exporteure und europäische Importeure Qualitätsuntersuchungen von Lebensmitteln aller Art an. Selbstverständlich kommen nur international anerkannte Methoden zum Einsatz. Zudem wurde unsere Partnerfirma Sino-Swiss ADC von den chinesischen Behörden eingeladen, einen Lebensmittel-Sicherheitsstandard zu erarbeiten, der den europäischen Pendants ebenbürtig ist. Diese Arbeiten wurden bereits Ende 2004 abgeschlossen.