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Aussenhandel «Das Abenteuer selber erfahren»

Auch Weine aus Europa und Edelbrände aus der Schweiz lassen sich in China vermarkten. Claudia Masüger von MQ-Wines in Cham berichtet von ihren Erfahrungen.

von Alimenta Import

Claudia Masüger, Co-Partnerin der Firma MQ-Wines in Cham (Kanton Zug), erforschte seit 2006 die Marktchancen für erschwingliche Qualitätsweine in China. Sie bereiste das Land mehrmals, bevor sie sich im Januar 2008 in Peking niederliess. Masüger wurde durch eine TV-Reportage der Schweizer Fernsehsendung «Eco» bekannt.

Alimenta: Wie starteten Sie ihre Geschäftstätigkeit in China?
Claudia Masüger: Neue Kontaktpersonen suchte ich anfänglich via Internet und auch an Messen. Doch wirklich potenzielle Kun­den konnte ich erst durch den Firmensitz in China und mein tolles Team vor Ort finden. Seit März 2009 habe ich einen chinesischen Geschäftspartner, welcher bereits im chinesischen Weingeschäft über neun Jahre tätig war. Ein grosses Glück, denn Weinexperten im Grosshandel gibt es nur sehr wenige.

Haben Sie zu Beginn Hilfen in Anspruch genommen, wie sie es etwa die Aussenwirtschafts-Organisation OSEC anbietet?
Ich erinnere mich an eine Begegnung mit dem ehemaligen Generalkonsul in Shanghai. Der riet mir, das Projekt aufzugeben, da er kein Potenzial sah. «Die Franzosen sind schon seit Jahren auf dem Markt.» Auch hatte ich Kontakt mit der OSEC in Peking; diese arbeitet aber hauptsächlich mit ausländischen Beraterfirmen zusammen. Chinas Handel ist noch sehr unstrukturiert, ­jedes Fachgebiet ist komplex und braucht intensive Nachforschungen und die richtigen Beziehungen. So blieb mir nichts ­­anderes übrig, als das Abenteuer selbst zu erfahren. Ich bin dankbar für den harten Start, ich konnte enorm viel lernen. Nach eineinhalb Jahren Geschäftsaufbau in China erscheint mir das Leben im Moment wie ein Kinderspiel, im Vergleich zum Anfang.

Wie nehmen Sie die zahlreichen administrativen Hürden beim Import der Produkte?
Wir haben unsere eigene Importlizenz und tragen somit die volle Verantwortung. Wir arbeiten jedoch mit einem Import-Agenten zusammen, welcher in unserem Namen die Weine importiert. Vorbereitungen wie das Übersetzen der Etikette werden von unserem Team in Peking erledigt. Wir im­portieren de facto nicht selbst, sodass auch in diesem Prozess die Beziehungen sehr wichtig sind.

Über welche Kanäle gelangen Ihre vielfältigen Produkte zu den Konsumenten?
Wir verkaufen sehr viele Weine an lokale Verteilerzentralen in ganz China, welche an Restaurants, Karaoke-Bars und auch Hotels wiederum weiterverkauft werden. Auch der Markt für Geschenkartikel hat Potenzial. Aufwendig gestaltete Verpackungen sind in China sehr wichtig und werden nach chinesischer Manier von meinem Team vor Ort gestaltet. Unser Kindergetränk ist darum sehr erfolgreich, da aufgrund der Ein-Kind-Politik in China die Kinder sehr verwöhnt werden. Auch geht ein Teil dieser Einnahmen an ein soziales Kinderprojekt in China.