Datum:

Bell steigert Umsatz um 40 Prozent

Der Fleischverarbeiter Bell hat seine Verkäufe im ersten Halbjahr deutlich ausweiten können, aufgrund von Zukäufen im Ausland. Der Gewinn ging zurück, wegen Goodwill-Abschreibungen und Preisdrucks.

von Alimenta Import

Die Absatzentwicklung fiel über die gesamte Gruppe erfreulich aus. Der Nettoerlös aus Lieferungen und Leistungen erreichte mit 1,245 Mrd. CHF einen neuen Höchstwert. Das Umsatzwachstum von rund 40 Prozent (355 Mio. CHF) ist auf die letztjährigen Akquisitionen im Ausland zurückzuführen. Das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA erhöhte sich um 24 Mio. CHF auf 83 Mio. CHF (+40,7 %). Das Unternehmensergebnis liegt vor allem aufgrund der akquisitionsbedingten Goodwill-Abschreibungen von rund 8 Mio. CHF mit 21,8 Mio. CHF um 1,4 Mio. CHF unter dem Vorjahreswert (-5,9 %). Die angekündigte Refinanzierung der Bilanzverbindlichkeiten der Bell Gruppe konnte wie vorgesehen im April dieses Jahres abgeschlossen werden.

Sämtliche Geschäftsbereiche von Bell Schweiz verzeichneten im ersten Halbjahr eine deutliche Absatzsteigerung. Insbesondere die ersten Monate entwickelten sich sehr positiv, während gegen Ende des Semesters eher eine Abflachung eintrat. Das Absatzvolumen wuchs um 1,7 Mio. kg auf 60,3 Mio. kg (+2,9%). Die Verkaufspreise lagen im Durchschnitt rund 3 Prozent unter Vorjahr. Der Nettoerlös blieb mit insgesamt 867 Mio. CHF knapp auf Vorjahreshöhe, wobei im Vorjahr noch Sonderumsätze aus der Euro 08 enthalten waren.

Die Fleischgewinnung bei den Schlachttieren erhöhte sich um über 8 Prozent auf 47’487 Tonnen. Vor allem bei den Kühen und bei den Schweinen nahmen die Schlachtungen zu. Aufgrund der restriktiven Importfreigaben des Bundesamtes für Landwirtschaft gingen die Importe deutlich zurück. Die Rohmaterialpreise bewegten sich im Durchschnitt unter den Vorjahreswerten.

Der Geschäftsbereich Frischfleisch konnte beim Absatzvolumen erneut zulegen (+1’500 t). Der Umsatz blieb aufgrund der Minusteuerung mit 399,2 Mio. CHF auf Vorjahreshöhe. Die Charcuterie verzeichnete ein Umsatzplus von 3,3 Prozent auf 184,5 Mio. CHF. Beide Bereiche konnten mit gelungenen Verkaufsaktivitäten erfolgreich in die Grillsaison starten.
Der Geschäftsbereich Geflügel konnte die Absätze überdurchschnittlich steigern. Speziell Schweizer Geflügel entwickelte sich sehr positiv. Insgesamt wuchs der Nettoerlös um 3,8 Prozent auf 178,4 Mio. CHF. Die Geschäftseinheiten Seafood (45,7 Mio. CHF; +12,8 %) und Convenience (35,6 Mio. CHF; +5,2 %) wuchsen im 1. Halbjahr ebenfalls überdurchschnittlich.

Bell International – Integration auf Kurs
Die Integration der 2008 übernommenen Unternehmen in Deutschland und Frankreich kommt planmässig voran. Der Schinkenspezialist Abraham wurde ab 01. Januar 2009 in die Rechnung konsolidiert. Der Nettoerlös aus Lieferungen und Leistungen von Bell International erreichte im ersten Halbjahr 377,6 Mio. CHF. Da die Unternehmen Polette, Zimbo und Abraham erst im Verlauf des zweiten Halbjahres 2008 zur Bell Gruppe gestossen sind, entfällt der Vorjahresvergleich.

Zimbo geht den eingeschlagenen Weg konsequent weiter und befindet sich operativ auf Kurs. Der Umsatz betrug 199,6 Mio. CHF, wovon rund ein Drittel ausserhalb Deutschlands erwirtschaftet wurde. Das schwierige Konsumumfeld verschärft die Wettbewerbssituation spürbar. Die Logistik wurde nach Anlaufschwierigkeiten mit einem neuen Zentrallager optimiert. Das Wachstum in Osteuropa ist beeinträchtigt durch die wirtschaftsbedingte Nachfrageschwäche und die unerfreulichen Währungsentwicklungen, welche nicht unmittelbar auf die Verkaufspreise überwälzt werden konnten. Dies führte zu einem negativen Ergebniseffekt im ersten Halbjahr. Um zukünftige Währungsrisiken abzufedern sowie um Produktionskapazitäten in Polen aufzubauen, wurde per 01. Mai 2009 der Produktionsbetrieb Stastnik Polska Sp. z o.o. in Niepolomice bei Krakau übernommen. Rund 80 Mitarbeiter stellen in diesem Werk vor allem polnische Spezialitäten her.

Beim Rohschinkenspezialisten Abraham war zum Jahresbeginn das Ergebnis aufgrund der langen Produktions- und Reifezeiten durch hohe Rohstoffkosten aus 2008 geprägt. Angesichts des schwierigen Konsumumfelds ist der Absatz hochpreisiger Produkte verhalten. Die Situation hat sich seit März leicht entspannt. Der erstmals konsolidierte Umsatz betrug im ersten Halbjahr 118,6 Mio. CHF.

In Frankreich hat sich die Groupe Polette gut behauptet. Der Nettoerlös lag bei 40,6 Mio. CHF. Doch auch in Frankreich drückt der wirtschaftliche Abschwung auf die Konsumstimmung. Die Rohmaterialpreise haben sich auf einem hohen Niveau etwas beruhigt. Trotz verlangsamtem Wachstum bewegt sich die Auslastung der fünf Polette-Betriebe auf dem Höchststand. Um weiteres Wachstum zu ermöglichen, wurde per 08. Juli 2009 die Salaison St-André in Saint-André-sur-Vieux-Jonc bei Bourg-en-Bresse mit 100 Mitarbeitern übernommen. Dadurch kann die Produktionskapazität für die Polette-Sortimente rasch erhöht werden. Das elsässische Unternehmen Maurer Frères SA steuerte 18,8 Mio. CHF zum Gesamtumsatz Bell International bei.

Trübe Aussichten?
Für das zweite Semester geht Bell in der Schweiz von einem geringeren Absatzwachstum aus. Bell rechnet damit, dass die andauernde Wirtschaftskrise sich auch auf die Nahrungsmittelumsätze auswirken wird. Zudem war in den ersten Monaten des Vorjahres die Belieferung der vom Hauptkunden übernommenen Grossverkaufsstellen noch nicht enthalten. Bei Bell International wird von einer Fortsetzung des Trends des ersten Halbjahres ausgegangen. Ohne unerwartete Veränderungen im Konsumumfeld rechnet Bell gegenüber Vorjahr mit einem leicht tieferen Jahresergebnis nach Goodwill-Abschreibung. pd/hps