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Milchtechnologen mögen ihren Job

Was machen die angehenden Milchtechnologen nach Abschluss ihrer Berufslehre? Und wie sind sie mit ihrer Grundausbildung zufrieden? Eine Umfrage ergab deutliche Resultate.

von Alimenta Import

Erstmals machte der Schweizerische Milchwirtschaftliche Verein (SMV) eine Umfrage über die berufliche
Zukunft der angehenden Milchtechnologen und über ihre Zufriedenheit mit der Grund­aus­bildung. 101 der schweiz­weit insgesamt 123??Lernenden des dritten Lehrjahres nahmen die Gelegenheit wahr und füllten den Fragebogen aus.

Grosse Treue
Bei der Frage, ob sie beabsichtigen, die Milchwirtschaftsbranche in den nächsten Monaten zu verlassen, kreuzten über 72 Prozent der Lernenden ein Nein an, 15 Prozent werden gehen, wollen aber wieder kommen. 13 Prozent wollen die Branche bald für immer verlassen und einer neuen Tätigkeit nachgehen. Von ­ihnen haben sich rund drei Viertel entschieden, eine Zweitausbildung zu absolvieren.
Für Franz Birchler, Geschäftsführer des SMV, ist dieses Resultat überraschend positiv ausgefallen: «Nach direkten Kontakten mit den Lernenden an den Berufsfachschulen hatte ich jeweils den Eindruck, dass min­destens die Hälfte der Milchtechnologen die Branche nach der Grundausbildung verlassen will.» Hinzu komme, dass die Umfrage in den ­Monaten Mai und Juni durchgeführt wurde, der Zeit des grössten Prüfungsstresses. Ob der Wert auf die schlechte konjunkturelle Situation zurückzuführen ist, kann er aus den ­Resultaten nicht interpretieren.

Wechsel häufig wegen Arbeitszeit
Diejenigen, die der Branche den Rücken kehren wollen, begründen den Entscheid unterschiedlich: Unregelmässige Arbeitszeiten und Arbeit an Wochenenden werden ins Feld geführt, aber auch Schicht- und Nachtarbeit. Ein Viertel von ihnen ist zum Schluss gekommen, dass ihnen die Arbeit als Milchtechnologe nicht mehr gefällt. «Eine Verschiebung der Interessen ist in diesem Alter und in einer Zeitspanne von drei Jahren ganz normal», meint Birchler. «Ebenso der Drang, etwas Neues zu lernen.» Die Tätigkeitsbranche wirklich wechseln, dürften weniger. Eine im Mai veröffentlichte Studie des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufs­bildung (EHB) in Zollikofen BE kommt zum Schluss, dass ein Jahr nach dem Lehrabschluss 9 Prozent der erwerbstätigen Lehrabsolventen in einem erheblich anderen Bereich als dem erlernten arbeiten. Wie hoch dieser Wert bei Milchtechnologen ist, lässt sich aus den Resultaten nicht ableiten. In den Produktions­berufen der Industrie, zu denen Berufe der Lebensmittelverarbeitung gehören, sei er gerade durch­schnittlich, sagt Studien-Co-Autor Jürg Schweri. Auch die Antworten auf die von den Befragten bewertete Aussage: «Ich möchte später in diesem Beruf arbeiten», sind durchschnittlich.

Der Beruf gefällt
In der SMV-Umfrage gaben 87 Prozent derjenigen, die in der Milchbranche weiterarbeiten oder nur temporär etwas anderes machen wollen an, dass ihnen der Beruf des Milchtechnologen gefällt. Ein gutes Arbeitsklima, interessante Weiterbildungsmöglichkeiten und gute Verdienstmöglichkeiten wurden als Haupt­gründe für die positive Beurteilung aufgeführt.
39 Prozent von ihnen wollen die Fachschule 1 und 2 besuchen, was auf eine Zunahme gegenüber vergangener Jahre hinweist. Bisher führte nur knapp ein Viertel der Milchtechnologen die Ausbildung an der Fachschule weiter. 19 Prozent haben vor, die Berufs­matura abzuschliessen und an einer Fachhochschule zu studieren. Über ein Drittel will später selbständig sein und einen Betrieb übernehmen und/oder Karriere machen. Viele haben sich zudem zum Ziel gesetzt, einen sicheren Arbeitsplatz zu ­erhalten, dort zufrieden zu sein und gut zu verdienen.

Grosse Zufriedenheit mit Lehrbetrieb

Besonders zufrieden sind die Lernenden mit ihrem Lehrbetrieb bzw. mit ihrem Berufsbildner. 68 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihre Erwartungen ganz erfüllt haben. Für 28 Prozent haben sie sich teilweise erfüllt. Nur gerade 4 Prozent der Lernenden bezeichnen ihre Erwartungen in den Lehrbetrieb als «nicht erfüllt». Für Franz Birchler sind die Werte sehr positiv: «Sie stellen den Lehrbetrieben und Berufsbildnern ein gutes Zeugnis aus.» 4??Prozent Unzufriedene sei zudem ein tiefer Wert, wenn man bedenke, dass die Ausbildung drei Jahre dauert – drei Jahre mit viel Nähe.
Etwas kritischer als den Lehrbetrieb ­sehen die Lernenden den Unterricht an einer der vier Berufsschulen Grangeneuve, Langnau, Sursee und Wil. Für 49 Prozent von ­ihnen haben sich die Erwartungen in den letzten drei Jahren nur teilweise erfüllt. Für ebenso viele haben sie sich ganz erfüllt. 2 Prozent ­sehen grosse Differenzen zwischen ihren Erwartungen und dem Gebotenen. Trotz des ­höheren Wertes für «teilweise erfüllt» beurteilt Franz Birchler das Resultat ebenfalls als positiv.
Um mittelfristig Vergleichswerte zu erhalten, ist geplant, die Umfrage fortan jährlich zu wiederholen. Erst damit lässt sich abschätzen, wie die momentane Grundstimmung der angehenden Milchtechnologen wirklich ist.