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Dose günstiger als gedacht

Laut einer aktuellen Studie des EHI Retail Institute verursacht die Getränkedose im Groß- und Einzelhandel geringere Kosten als die Mehrwegflasche.

von Alimenta Import

Zu den Pluspunkten der unzerbrechlichen Verpackung gehören nicht nur ihre Volumenvorteile, sondern auch das einfachere Handling – vor allem beim weniger aufwändigen Sortieren des Leerguts. Das ergab der Prozesskostenvergleich der EHI-Studie 2009.

Dass Getränkedosen stapelbar und aufgrund ihrer Form besonders platzsparend zu lagern und zu transportieren sind, liegt auf der Hand. Was die Volumen- und Handlingvorteile der Verpackung für den Handel und seine Kosten bedeuten, hat BCME Deutschland, der Verband der europäischen Getränkedosenhersteller, jetzt vom EHI Retail Institute Köln aktuell ermitteln lassen.

Der direkte Vergleich der Supply Chain-Kosten von Sixpacks mit Bier in Getränkedosen (in einer 0,33- und einer 0,5 Liter-Variante) beziehungsweise Mehrwegflaschen (in der handelsüblichen 0,33 Liter-Größe) ergab: „Sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel liegen die Kostenvorteile klar auf Seiten der Getränkedose“, sagt laut der deutschen Ernährungsindustrie Thomas Kempcke, Leiter Forschungsbereich Logistik beim EHI. Im Getränke-Fachgroßhandel liegen die Prozesskosten laut EHI-Studie – würde man die üblichen Mehrwegflaschen durch eine gleich große Getränkedose ersetzen – bei der Distribution der Mehrwegflasche um 98 % über der 0,5- und sogar um 139 % über der 0,33-Liter-Getränkedose. Im Einzelhandel liegen die Prozesskosten der Mehrwegflasche um 19,3 % (0,5-Liter-Dose) beziehungsweise 19,8 % (0,33-Liter-Dose) über der Wettbewerberverpackung.

Auch beim Vergleich der Gesamt-Prozesskosten für die Distribution, inklusive der Verpackungskosten für die Abfüller, kann sich die Einwegverpackung gegenüber der Mehrwegkonkurrenz durchsetzen – „sofern man Umlaufzahlen für Mehrwegflaschen zugrunde legt, die unter den von den untersuchten Betrieben angegebenen 20 Umläufen liegen“, sagt Thomas Kempcke. Für die de facto deutlich niedrigere Zahl an Umläufen sorgt heute vor allem die zunehmende Vielfalt an Mehrweg-Flaschengebinden, der einen immer höheren manuellen Sortieraufwand zur Folge hat. „Legt man bei der Berechnung nicht 20, sondern fünf Umläufe für die Mehrwegflasche zugrunde, kippt der ursprüngliche Vorteil von Mehrweggebinden auch bei den Verpackungskosten zugunsten der Getränkedose.“, resümiert der EHI-Experte.

Volumenvorteile der Verpackung

Bei den Transportkosten, dem nach Abfüller- und Einzelhandelskosten drittgrößten Kostenfaktor innerhalb der Supply Chain, liegt die Getränkedose ebenfalls vorn – dank der Volumenvorteile der Verpackung. Schließlich stehen auf einer Originalpalette im Euroformat mehr als doppelt so viele Dosen (0,33l) wie Mehrweggebinde, nämlich 99 Trays mit jeweils 24 Dosen gegenüber 40 Kästen mit jeweils 24 Flaschen. Von diesen Volumenvorteilen profitieren der Groß- und Einzelhandel. „Beim Vollgut-Handling machen sich auf beiden Stufen des Handels die Volumenvorteile und das einfachere Handling der Getränkedosen bemerkbar. Die bei Mehrweg um das Siebenfache im Getränkegroßhandel und im Einzelhandel um das 1,5-fache höheren Kosten beim Umgang mit Leergut sind vor allem auf die Sortiervorgänge zurückzuführen“, sagt Kempcke. Auf das Sortieren entfallen wegen des großen manuellen Aufwands fast zwei Drittel der Leergutkosten – Tendenz steigend. „Das Sortieren von Mehrweggebinden wird aufgrund der wachsenden Vielfalt immer aufwändiger, teurer und ineffizienter. Bei Getränkedosen ist das nicht der Fall“, sagt Uwe Stoffels, Sprecher von BCME Deutschland. Das weniger aufwändige Voll- und Leergut-Handling bei Getränkedosen beschert dem Handel deutliche Kostenvorteile: „Die Getränkedose ist unter den Annahmen im Vergleich zur Mehrwegflasche die preisgünstigere Verpackung“, weiß Kempcke.

Getränkedose im Aufwind

Das Ergebnis der Studie wird den Aufwärtstrend der Getränkedose in Deutschland beschleunigen. Denn die Kostenvorteile für den Handel sind neben den Vorteilen bei Logistik und Umweltschutz – die Dose ist die einzige vollständig recycelbare Verpackung – ein wesentliches Argument für die häufigere Verwendung der Getränkedose“, sagt BCME-Sprecher Welf Jung. Für ihn steht fest: „Die Dose macht Boden gut, sobald bei Getränkeverpackungen statt der veralteten ideologischen Debatte wieder eine faktenorientierte Diskussion geführt wird, zu der die aktuelle EHI Studie beiträgt. Sie zeigt: Die Getränkedose ist viel besser als ihr Ruf – sowohl unter Umwelt- als auch unter finanziellen Gesichtspunkten.“

Getränkedosen sind vollständig wieder verwertbar. Die Verwendung recycelten Getränkedosen-Materials spart im Vergleich zur Produktion mit Neumaterial bis zu 95 % Energie – und reduziert so den CO2-Ausstoß um bis zu 95