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Fleischbranche trotzt der Krise

Zwischenbilanz von Balz Horber, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes SFF zur Lage der Fleischwirtschaft und des Metzgereigewerbes in den ersten acht Monaten 2009.

von Foodaktuell Importer

Metzgerei Villiger in Unterägeri mit Frischsortiment an Gemüse und Früchten

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen und angesichts der Warnung, dass hohe Arbeitslosenzahlen erwartet werden müssen, ist die Stimmung in der Fleischbranche gut. Der Fleischkonsum insgesamt war zwar in den ersten sechs Monaten eher schleppend. Wir sind aber gut ins zweite Semester gestartet. Der Absatz kann gegenwärtig gegenüber dem hohen Niveau der Vergleichsperiode im Vorjahr mindestens gehalten werden.

Unsere Unternehmer sind mehrheitlich zufrieden und können ihren Vorjahresumsatz halten. Wir können jeweils von der Hochkonjunktur nicht im gleichen Masse profitieren, wie andere Berufe, und sind jetzt auch im Abschwung weniger stark betroffen. Es ist deshalb durchaus möglich, dass ein Teil der guten Stimmung darauf basiert, dass „es besser als befürchtet“ aussieht. Es gibt aber Verlagerungen im Konsumentenverhalten, z.B.

– bevorzugen die Konsumenten vermehrt Aktionen und steigen auf preisgünstigere Produkte um,

– melden Fachgeschäfte, dass die Kunden nur noch schwieriger für Zusatzkäufe zu gewinnen sind und beim geplanten Einkauf bleiben,

– geht die Tendenz weiter, dass Wurstwaren sehr gut laufen, was sich teilweise zulasten des Frischfleisches auswirkt,

– gibt es grosse regionale Unterschiede im Verhältnis des Engros- zum Detailgeschäft; Verschiebungen finden in beide Richtungen statt.

Bis Juni zwiespältige Bilanz

Offizielle statistische Angaben spiegeln die Situation im ersten Semester. Die Zahlen über die „verfügbare Fleischmenge“ geben Aufschluss darüber, wie sich der Konsum entwickelte. Es handelt sich um die Tonnagen der Produktion plus Importe (minus die vernachlässigbaren Exporte). Wenn nichts auf Lager produziert wurde, kann man annehmen, dass der Saldo dieser statistischen Angaben der konsumierten Menge entspricht. Rind- und Schweinefleisch sind mit fast 5 bzw. gut 2 Prozent im Minus.

Geflügel ist krisenresistent

Wie üblich, hält sich das Geflügel am besten; hier sind keine Verluste zu verzeichnen. Kalbfleisch konnte auf tiefem Niveau zulegen. Aber das Jahr 2009 ist noch keineswegs „gelaufen“. Einerseits darf man die Aussagekraft dieser Angaben nicht überbewerten, wie das Beispiel des sehr erfreulichen Verkaufs von Wurstwaren und Charcuterieartikel zeigt. Das ist ja auch die Domäne, in welcher sich unsere Betriebe profilieren können.

Wir gehen davon aus, dass hier in der Grössenordnung von 5% zugelegt werden konnte. Sodann hat das Geschäft nach den Sommerferien bei den meisten Akteuren deutlich angezogen, weshalb wir zuversichtlich sind, dass die etwas zwiespältige Bilanz im ersten Semester per Ende Jahr noch deutlich aufgebessert werden kann.

Tierschutz: Schmerzfreie Ferkelkastration auf gutem Weg

Die Revisionen der gesetzlichen Rahmenbedingungen laufen weiter; auch die Umsetzung beschlossener Vorschriften beschäftigt uns. Im Zentrum stehen Lebensmittel- und Tierschutzrecht. Die Revision des Lebensmittelgesetzes, zu welcher gegenwärtig das Vernehmlassungsverfahren läuft, erhellt den grossen Koordinationsbedarf seitens des Vollzuges.

Im Bund beschäftigen sich immer noch drei Bundesämter aus zwei Departementen mit den technischen Vorschriften zu Lebensmittel tierischer Herkunft. Hinzu kommen 26 kantonale Vollzugsinstanzen, die sich ihrerseits wieder zwischen Veterinärdiensten und Kantonschemikern koordinieren müssen. Der gute Willen zur Zusammenarbeit ist sicher überall vorhanden. Aber die zunehmende Komplexität der Vorschriften macht es unter diesen organisatorischen Gegebenheiten immer schwieriger, einen einheitlichen Vollzug in den verschiedenen Regionen zu gewährleisten.

Das Tierschutzgesetz verlangt, dass die Ferkel zur Vermeidung des Ebergeruchs nur noch unter Schmerzausschaltung kastriert werden dürfen. Die Umsetzung der schmerzfreien Ferkelkastration unter Inhalationsnarkose ist in vollem Gang. Die Züchter werden von den Fleischverarbeitern und dem Handel unterstützt.

Vom Investitionsbedarf für die technischen Einrichtungen von rund 20 Mio Franken werden 15 Mio durch einen Fonds gedeckt, der seit Juli durch Schlachtbetriebe, Schweinemäster und Viehhandel geäufnet wird. Die Fleischverarbeiter leisten damit einen organisatorischen und finanziellen Effort, damit die wirtschaftlichen Voraussetzungen zur Einführung der Inhalationsnarkose bei den Schweinezüchtern geschaffen sind.

Was heisst „Qualitätsstrategie“? Antwort an der Mefa

Der Begriff „Qualitätsstrategie“ ist in aller Leute Mund. Vor allem auch in der Diskussion um eine Marktöffnung wird nicht selten befürchtet, der hohe Qualitätsstandard könne sich gegen eine „Billigkonkurrenz“ nicht durchsetzen. Wir sind aber überzeugt davon, dass sich Qualität in jedem Falle wird verkaufen lassen und auch weiterhin den dafür nötigen Preis erzielen kann.


Die Fleischbranche erbringt dazu den Tatbeweis mit dem Qualitätswettbewerb als Massstab dessen, was wir unter diesem Begriff verstehen. Während zweier Jahre sind knapp 1000 Fleischprodukte mehrmals auf ihre Qualität geprüft worden (Bild). Die Ergebnisse werden an der Metzgereifachausstellung „Mefa“ vom 21. bis 25. November in Basel im Rahmen der „grössten Fleischtheke der Schweiz“ präsentiert.

Parallel dazu findet die Schweizer Meisterschaft der jungen Fachkräfte der Fleischwirtschaft statt. Wir konnten 2008 einen schönen Zuwachs von 10% neu abgeschlossener Lehrverträge feststellen. 310 angehende Fleischfachleute und 204 Detailhandelsfachleute mit Spezialgebiet Fleischwirtschaft, also 514 Schulabgänger, sind bei uns in die Ausbildung eingestiegen.

Die Anstrengungen, die Grundausbildung zu modernisieren, scheinen erste Erfolge zu zeigen. Für das laufende Jahr 2009 liegen die offiziellen Zahlen noch nicht vor, aber wir dürften in absehbarer Zeit das Ziel, jährlich 350 neue Lehrverträge für Fleischfachleute abzuschliessen, erreichen. Die jungen Leute setzen vermehrt ihr Vertrauen in uns, und dieses wollen wir rechtfertigen. (Text: Balz Horber, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes SFF)

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