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Der Süssmost reist mit der Sesselbahn

Was bis jetzt nur in der Autoindustrie üblich war, findet nun auch in der ­Lebensmittelindustrie Anklang. Die Elektrohängebahn im neuen Thurella-Hochregallager transportiert Paletten über grosse Distanzen.

von Alimenta Import

«Im letzten Jahr mussten wir auf sechs Aussenlager zurückgreifen, was uns sehr hohe Kosten verursacht hat», sagt der technische Leiter von Thurella, Karlheinz Neubacher. Das hat sich nun gebessert. Das neue Lager konnte im Mai 2009 in Betrieb ­genommen werden und bietet 25?000 Paletten Platz. Auch diese Investition der Thurella AG von 26 Mio. Franken soll, zusammen mit
dem gesamten Investitionsprogramm (2007 bis 2009) von 65 Millionen, Kostensenkungen bewirken. Schliesslich soll es nach dem erstmaligen Verlust in der Thurella-Geschichte von 11 Millionen Franken im Jahr 2008 mit neuer Technik nun zügig aufwärts gehen.

Elektrobahn mit Intelligenz

Ein Beispiel neuer Technik im Hochregallager, das eines der modernsten der Schweiz ist, stellt auch das neuartige System der Palettenzu­führung dar. Neubacher sagt, dass die Elektro­hängebahnen (EHB) wie eine Sesselbahn funktionieren. Jede einzelne Bahn hat eine eigene Intelligenz, denn die Elektrohängebahn sucht selbstständig den nächstgelegenen Auftrag. Wenn im System ein Auftrag eingegeben wird, erkennt die Steuerung der Bahn dies und fährt direkt dorthin, wo der «Job» wartet. «Mir gefällt vor allem die Geschwindigkeit und die Flexibilität, die dieses System bietet», sagt Neubach.
Im Gegensatz zu einer konventionellen Palettenförderung können mit dem sogenannten EHB-System andere Verkehrswege, die mit einem fixen Palettenfördersystem versperrt wä­ren, gekreuzt werden und sind so immer frei be­nutzbar. «Dies ist gerade für einen Lebensmittelbetrieb punkto Hygiene zentral», sagt Roland Schwab, Verkaufsleiter von Swisslog, die als Generalunternehmen das Hoch­regallager baute. Diese Systeme seien schon vor Jahren in der Automobilindustrie eingesetzt worden.
Neubacher ergänzt, wenn mehr Kapazitäten benötigt würden, könnte das System leicht ausgebaut werden. Dazu würden zusätzliche Hänger eingebunden. Künftig sollen auch die Rohlinge über die Hängebahn zur Krones-Blasmaschine angeliefert werden.

Automatisches Kommissioniersystem

Ein weiterer Teil im neugebauten Lager, der eine hohe Effizienz verspricht, ist die automatische Lagerung und Kommissionierung. Die bestellte Ware wird aus dem Hochregallager kommissioniert. Zum einen werden ganze ­Europaletten ausgelagert und auf die den Transporttouren zugeordneten Bereitstellbahnen zugeführt. Zum anderen werden einzelne Gebinde über den Ware-zum-Mann-Platz kommissioniert. Daraus entstehen gemischte Paletten, welche zu den ausgelagerten Ganzpaletten gestellt werden und dann ver­laden werden.

Lkw-Fahrten können reduziert werden

Diese neuen Systeme erlauben es nicht nur, die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, auch die Anzahl der Lastwagenfahrten lassen sich mit dem neuen Hochregallager reduzieren, das für 2000 Paletten auch kühlbar ist. Dank der hohen Lagerkapazität können nun pro Tag 30 Fahrten eingespart werden.
Roland Schwab unterstreicht die hohe ­Lagerdichte auf geringstem Platz. Damit sei eine optimale Produktionsplanung, eine gewisse Pufferung der Bestände und eine Produktion von optimalen Losgrössen möglich.

Von der Strasse auf die Schiene

Die Entlade- sowie die Beladezonen sind am neuen Lager so angebracht, dass sie in der Nachbarschaft keine Lärmimmissionen verursachen. Die Reduktion auf je eine Zu- und Abfahrt trägt ebenfalls zu einer deutlichen Lärmsenkung bei. Durch diese Zentralisierung aller Fertigprodukte können zusätzlich rund 100 Bahntransporte anstelle von Strassentransporten realisiert werden. Der hohe Automatisierungsgrad beim Transport der Paletten ermöglicht einen viel höheren ­Durchsatz mit weniger Personal. Die Ver­waltung der Bestände mit dem neuen Lagerverwaltungssystem und die softwaregestützte Materialflusssteuerung sichert die Lieferfähigkeit und steuert die zeitgenauen Einlager- und Auslagerprozesse.

Lückenlos Rückverfolgbar

Das neue Hochregallager erzeugt aber auch neue Herausforderungen. So müssen die Holzpaletten erstmals ihre Tauglichkeit für das ­Lager auf dem Prüfgerät beweisen. Sämtliche Paletten sind mit einem SSCC/EAN-Etikett versehen. Durch die konsequente Umsetzung der Produktauszeichnung und den grossteils automatischen Transport ist die lückenlose Rückverfolgbarkeit sichergestellt.