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Farbenlehre für durstige Kehlen

Lila, Rosa und Meergrün machen kräftigem Orange und Knallgelb den Platz im Regal alkoholfreier Erfrischungsgetränke streitig. Mit einer Prise Exotik und Natur sorgen sie für Abwechslung beim Durst löschen.

von Alimenta Import

Im Jahr 2008 gurgelten jedem Schweizer Konsumenten und jeder Schweizer Konsumentin 115 Liter Mineralwasser und 80 Liter Erfrischungsgetränke aller Art durch die Kehle. 1990 waren es alleine bei Mineralwasser nur 69 Liter pro Kopf. Das Markt­segment der Mineralwässer und Erfrischungsgetränke wächst nicht nur à la longue, sondern ist auch sehr lebhaft. Die Grenze zum Reich der fruchthaltigen Getränke (Fruchtsaft, Frucht­nektar, Tafelgetränke mit Fruchtsaft), das ­übrigens ebenfalls immer bunter geworden ist, wird dabei gerne geritzt. Innerhalb des Sor­timents der Erfrischungsgetränke gibt es Revierkämpfe. Klassische Limonaden mit hohem Zuckergehalt müssen gegenüber neuartigen Getränkefamilien zurückweichen: Es sind dies Mineralwässer mit Aromen, Erfrischungsgetränke mit wenig Fruchtsaft als Hauptzutat, Schorlen (ab 50% Fruchtsaftanteil), Teeaufguss-Getränke und nichtalkoholhaltige Malz­fer­men­tationsgetränke. Sie charakterisieren sich durch einen niedrigeren Energiewert pro 100 Milliliter (meistens 19 kcal bei Mineralwasser mit wenig Fruchtsaft bis 29 kcal bei Schorlen), durch neuartige Geschmackskombinationen, durch die Beifügung von allerlei «gesunden» Kräuterextrakten oder Minera­lien. Zur Untergruppe «Mineralwasser, Fruchtsaft, pflanzliche Extrakte»  ge­h­ören beispiels­weise «Carpe Diem Botanic Water» in drei Ge­schmacks­varia­tio­nen und Valser Viva in fünf Sorten.

Natürlich, natürlich, natürlich ist Trumpf
Apfel- und Birnensaftkonzentrat wird in geringen Mengen den Mineralwässern beigefügt aus Gründen, wie sie Alexandra Hermann, Product Managerin für Carpe Diem bei Red Bull Schweiz, erläutert:  «Wir verwenden Birnenfruchtsüsse, die den Geschmack unseres Produkts abrundet. Die ist aus unserer Sicht besser geeignet als sAämtliche künstlichen Süsstoffe, die wir strikt ablehnen.» Zero-
Tolerance gilt bei Botanic-Water auch für künstlich hergestellte Aromen oder Farbstoffe. Häufig dienen zusätzlich beigemischte Vitamin-C-haltige Zitrusfruchtsäfte (Zitrone, Orange) als natürliche Antioxidantien.
Wie sich die bunten Teilsortimente aus den einst klar abgegrenzten Getränkeklassen Mineralwässer und Fruchtsäfte zueinander verhalten, war auch von Interesse an einer jüngst durchgeführten Fachtagung des Verbandes der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF). Über einen Zeitraum von sechs Jahren gewannen die «Newcomer»-Getränke einen höheren Marktanteil, gemessen am Gesamtabsatz alkoholfreier Getränke, nämlich von 8,2% im ersten Halbjahr 2004 auf 12,7% im ersten Halbjahr des aktuellen Jahres, wie eine GfK-Studie belegt. «Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fruchtsaft in Deutschland ist Weltrekord, jahrelang tranken wir rund 40 Liter pro
Kopf. In den letzten Jahren sank dieser jedoch. Wir führen dies auf einen verstärkten Konsum von Schorlen mit geringerem Fruchtgehalt und teilweise auf Preissteigerungen für Fruchtsaft im Jahr 2008 zurück», verdeutlicht Klaus ­Heitlinger, VdF-Geschäftsführer, die ­Situation.
Unter den neuartigen Getränken liegt die Schorle als Fertigmischung aus Fruchtsaftkonzentrat und Mineralwasser mit rund einer Milliarde Litern Verbrauch pro Jahr und rund der Hälfte beim Absatz klar an der Spitze. Der Mengenausstoss dieses mit Mineralwasser ­verdünnten Fruchtsafts hatte sich innert eines Jahrzehnts fast verfünffacht. Als weitere ­Untergruppen klassifizierte die GfK-Studie Mineral­wässer mit Vitaminen, Kräutern und Mineralien, dann mit Orangen-, Zitronen- und Apfelgeschmack aromatisierte Mineralwässer sowie solche mit Fruchtsaftanteilen. Die Produktneuheiten mit ständig neuen ­Zutaten-Kombinationen werden sich jedoch kaum so eindeutig zuordnen lassen. Für die Schweiz, ohne Fruchtsaftindustrieverband, sind ähnliche Tendenzen zu vermuten.

Zu bunt, um zu erkennen zu sein
Die Zutaten-Kompositionen sind selten auf Anhieb eruierbar. Die Aromen dürfen sicherlich nicht zu aufdringlich dargeboten werden. Ein kürzlich für die Zeitschrift «Hotel-Revue» arbeitendes Degustations-Team erkannte vor allem exotische Essenzen in der Blinddegus­tation vieler Getränke-Neuheiten selten. Was schmeckt, bestimmt im ersten Anlauf die Marketinggilde; bis auf Widerruf durch streikende Konsumenten. Treffsicherer ist schon eher die Fokussierung auf das Bedürfnis nach allumfassender «Convenience»: Die Abfüllung in PET-Flaschen mit Drehverschluss hat sich zum Branchen-Standard gemausert; auch in Deutschland, wo das Pfand auf Einweg-PET den übermächtigen Trend nach bequemem Mitnehmen überallhin offenbar nicht stoppen kann. Bei den Verpackungen für Fruchtsäfte und -nektare stellen immer mehr Hersteller von der Kartonverpackung ebenfalls auf den Packstoff PET um.
Unter 20 kcal pro 100 ml schaffen es die Schorlen wegen ihres zu hohen Fruchtsaft- und Fruchtzuckeranteils nicht. Hier bieten sich als Alternative Getränke an, die den Zuckergehalt von Malz oder Fruchtsaftkonzentraten durch nichtalkoholische Fermentation (z.B. «Bionade») reduzieren können (siehe auch «Alimenta» 13/09). Ein weiteres Produkt ist die «Superschorle» mit Apfel oder Cassis der Schweizer Jungmarke «Storms»; laut Geschäfts­führer Umberto Leonetti die einzige Schorle aus stillem Wasser und aus reinem Bio-Apfelsaft, Zitronensaft (und Cassissaft). Mit einem Gehalt von 43% Bio-Fruchtsäften versorge das Getränk Sporttreibende optimal mit Mineralien. Durststillende entnehmen ­diese vor allem dem beigemischten «naturbelassenen Speisekristallsalz» aus dem Himalaya. Bionade will ebenfalls in die Gunst von Sportlern kommen. Die durch die Fermentation entstehenden Mineralgluconate würden vom menschlichen Körper besonders effizient resorbiert. Für Überraschungen im Regal ist auch in Zukunft gesorgt.