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Nestlé bezieht Milch von Mugabe-Farm

Milchpulver und Frühstücksflocken. Dies produziert die zimbabwische Tochter von Nestlé. Die Milch soll von einer Farm stammen, die der Ehefrau des Diktators gehöre.

von Alimenta Import

Ausgerechnet eine Farm der Frau des umstrittenen Präsidenten Mugabe beliefert in Zimbabwe Nestlé mit Milch. Dies schreibt der Tagesanzeiger in seiner heutigen Ausgabe unter Berufing eines Berichts der britischen Zeitung «Daily Telegraph». Denn die Schweizer Firma Nestlé, eines der meistboykottierten Unternehmen der Welt, habe ein neues Problem. Die zimbabwische Tochter von Nestlé beziehe einen Teil ihres Milchbedarfs von einer Farm, die sich Grace Mugabe, die Ehefrau des autokratischen Präsidenten Robert Mugabe, unter den Nagel gerissen hat.

First Shopper statt First Lady
Dem Bericht zufolge bringt ein Laster dreimal wöchentlich Milch vom 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare gelegenen Gushungo Dairy Estate zum zimbabwischen Nestlé-Werk im Industriegebiet Harares. Dort werden Milchpulver und Frühstücksflocken für den heimischen Markt sowie den Export nach Ostafrika hergestellt. Geschätzt wird, dass die Farm jährlich eine Million Liter Milch an Nestlé Zimbabwe liefert. Das Gut gehört zu einem 5000 Hektar grossen Farmimperium, das die 45-jährige Ehefrau Mugabes inzwischen ihr Eigen nennt. Der frühere Besitzer des fast 1000 Hektar grossen Gushungo Dairy Estate war im Jahr 2003 unter Androhung von Gewalt zum Verkauf gezwungen worden. Offenbar hatte der weisse Farmer weniger als ein Achtel des von unabhängigen Gutachtern geschätzten Werts der Farm erhalten. Grace Mugabe, die wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels im Volksmund First Shopper (statt First Lady) heisst, soll sich insgesamt sechs Farmen im Zuge der illegalen Landreform angeeignet haben. Gushungo Dairy Estate, das von einem ihrer Söhne aus erster Ehe gemanagt wird, produziert laut der zimbabwischen Staatszeitung «Herald» täglich 6500 Liter Milch.

Schweiz mit Verbotsliste
Westlichen Unternehmen ist es verboten, mit gewissen, auf Listen geführten Vertretern der zimbabwischen Regierungspartner Zanu/PF Geschäfte zu machen. Neben den USA und der EU hat auch die Schweiz eine solche Listen aufgestellt, auf der sowohl der Präsident wie seine Frau stehen. Nestlé sieht sich an diese Beschränkung allerdings nicht gebunden, weil es sich um ein innerzimbabwisches Geschäft zwischen der Farm und Nestlé Zimbabwe handle. Die Tochterfirma trage zur Versorgung der Zimbabwer bei, sagte ein Nestlé-Sprecher auf Anfrage des «Daily Telegraph». Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) droht unterdessen mit der Organisation eines Boykotts gegen Nestlé. hps/pd