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Minimalkonsens in der Branche

Die Branchenorganisation Milch hat ein Modell zur Mengenregelung im Milchmarkt beschlossen. Die harten Diskussionen um die Mengen sind aber noch nicht beendet.

von Alimenta Import

Nach langem und hartem Ringen hat die Branchenorganisation Milch (BOM) am 19.??Oktober die Eckpunkte für ein künftiges Modell im Milchmarkt beschlossen, das ab Anfang 2010 gelten soll.
Schon seit Längerem einig sind sich die in der BOM vertretenen Produzenten und Ver­arbeiter darüber, dass der Milchmarkt mit einem dreigeteilten Modell stabilisiert werden soll. Die drei Teile betreffen die vertraglich gesicherte Milchmenge, die auch als Referenzmenge bezeichnet wird, die Spotmarktmilch, die über eine Milchbörse gehandelt werden soll, und die sogenannte Abräumungsmilch, die zu Weltmarktpreisen gekauft, verpulvert und exportiert wird. Ebenfalls geeinigt hat man sich auf einen vierteljährlichen Richtpreisindex, der als Orientierung für die Preisverhandlungen dienen soll.

Die grosse Mengenfrage
Der grosse Streitpunkt war bisher die Frage, ob und wie die Referenzmilchmenge definiert werden soll: Soll diese bloss die Lieferrechte und Zusatzkontingente aus dem vorherigen Milchjahr enthalten, oder sollen auch die rund sieben Prozent Mehrmengen dazugehören, die das Bundesamt für Landwirtschaft im Übergang zum Ausstieg aus der Kontingentierung bewilligt hat?
Die BOM hat nun darauf eine Antwort gegeben, wenn auch eine nicht ganz einfache. So soll gemeinsam mit dem Richtpreisindex quartalsweise ein Vertragsmilchmengen-In­dex ausgehandelt werden, der vorgibt, in welchem Ausmass die vertraglich festgelegten Milchmengen erhöht oder gesenkt werden sollen. Als Basis (100 Prozent) gelten dabei die Milchmengen, die aktuell unter Vertrag sind, die Mehrmengen sind also inbegriffen. Ferner wurde entschieden, dass bei einer Reduktion des Indexes die Mehrmengen «deutlich überproportional» reduziert werden sollen. Dieser Mechanismus ist damit weder klar definiert – die konkreten Zahlen wird der BOM-Vorstand noch aushandeln müssen – noch ist er sakrosankt. Denn einzelne Milchkäufer können eine Reduktion auch anders regeln, wenn ihre Milchproduzenten damit einverstanden sind.

Die Produzentenorganisation PO Lobag beispielsweise hat inzwischen verlauten lassen, dass sie sich dafür einsetzt, 80 Prozent der zu reduzierenden Menge über die Mehrmenge zu tragen.
Der Härtetest kommt erst im Frühjahr 2010, wenn saisonal wieder grössere Milchmengen abgeliefert werden, könnte sich zeigen, ob das Modell zur Stabilisierung des Milchmarktes taugt. Vielleicht aber auch nicht: Denn die Entwicklung des Schweizer Milchmarktes hängt stark von derjenigen in der EU ab. Falls die Milchpreise tatsächlich wieder steigen, wie es derzeit den Anschein macht, dann verschiebt sich der Härtetest für das neue Milchmarktmodell auf die nächste Baisse.
Roland Wyss-Aerni, LID/mig