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Wettbewerbsfähig Milch beschaffen

Auch ohne Freihandel würden die Milchpreise an das europäische Niveau herangeführt, sagte Jacques Gygax an seiner ersten Delegierten­versammlung als Direktor von Fromarte.

von Alimenta Import

«Bierpreis, Ölpreis und Milchpreis. Sie sind seit Jahrzehnten ein Politi­kum.» Dies sagt Rudolf Horber, Chefökonom des Schweizerischen Gewerbeverbandes und Gastreferent anlässlich der Delegiertenversammlung von Fromarte vom 13. November 2009 im «Au Parc»-Hotel in Freiburg. Die Milchpolitik erläuterte Jacques Gygax an ­seiner ersten Delegiertenversammlung als ­Direktor von Fromarte. Politik, wie etwa die Agrarpolitik 2015, die für Gygax entscheidend sein wird, wenn kein WTO-Abkommen zustande kommt. Wenn die eingeleiteten Liberalisierungsschritte weitergeführt werden und die letzten produktgebundenen Stützungen wie die Verkäsungszulage wegfallen könnten und so umgehend der Milchpreis sinken würde. Eine Angleichung des Schweizer Milchpreises an das europäische Niveau ist für Fromarte auch ohne Freihandel sehr wahrscheinlich.
Fromarte unterstützt den Agrarfreihandel. Gerade weil die ersten Erfahrungen im Käsebereich zeigen würden, dass die Schweizer Käser in der Lage seien, sich im europäischen Wettbewerb zu behaupten. Seit dem Ende der Planwirtschaft mit der Käseunion sind erstmals wieder 60?000 Tonnen Käse exportiert worden. Damit die Marktanteile auf dem Käsemarkt gehalten und ausgebaut werden können, müssten aber die Käsereiunternehmen die Milch zu international wettbewerbsfähigen Bedingungen beschaffen ­können, fordert Gygax

Anteil Käse gesunken
Eine Folge des vergleichsweise hohen Schweizer Milchpreises ist gemäss Gygax auch im zunehmenden Import von Billigkäse zu sehen.Die einheimischen Käsehersteller könnten durch den hohen Milchpreis nicht für dieses Segment produzieren. Eine der Hauptursachen für den hohen Milchpreis seien die finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand und die obligatorischen Beiträge der Milchproduzenten mit dem Milchstützungsfonds. So sei die Attraktivität der Milchpulver- und Butterherstellung in den letzten Jahren deutlich gesteigert worden. Der Anteil der Milch, die zu Käse verarbeitet wird, ist so kontinuierlich von 48 Prozent im Jahr 1995/96 auf 42,7 Prozent im Jahre 2008 gesunken.

Entscheid Ende November
Dieses Problem soll an der Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch (BO M) am 27. November von Fromarte-Seite erläutert werden. So sollen bei der Berechnung der Preisschwelle nicht nur Butter und Milchpulver als Grundlage dienen, sondern auch der EU-Milchpreis und die Verkäsungszulage müssten integriert werden. Auch diskutiert werden soll am 27. November die Definition des Begriffs «deutlich überproportionale ­Reduktion», also die 80%-Kürzung an den Mehrmengen, wie sie von den SMP vorgeschlagen wird. Genehmigt werden soll auch das BO M-Geschäfts- Organisations- und ­Finanzierungsreglement. Der BO M-Mitgliederbeitrag soll 2000 Franken betragen. Für Fromarte müssten die fünf regionalen Mitgliedorganisationen zahlen.
Das Fromarte-Budget für nächstes Jahr sieht einen Verlust von mehr als 100?000 Franken vor. Fromarte beteiligt sich an der Organisation der Swiss Cheese Awards von nächs­tem September in Neuenburg. Ein Teil der Kosten wird für 2011 reserviert werden. Für nächstes Jahr liegten Gygax die Umsetzung der QM-Kontrolle, aber auch des Benchmark-Modells am Herzen.

Keine klare Distanzierung
Christian Oberli nutzte die Gelegenheit, um seinen Unmut gegenüber den Schweizer Milch­­produzenten (SMP) loszuwerden. Obwohl er die Verantwortlichen vor den Ausschreitungen an der Olympiade der Bergkäse gewarnt habe, hätten diese nichts unternommen und sich auch nach der Stiefelattacke auf Bundesrätin Doris Leuthard an der Eröffnung der Spiele nicht klar distanziert. Oberli riet den Fromarte-Delegierten, sich nicht mehr auf die SMP zu verlassen. Albert Rösti, SMP-Direktor, ent­gegnete den 57 Fromarte Delegierten, dass in der momentanen Situation die Milchwirtschaft sich nicht gegenseitig Anschuldigungen machen sollte. Eher brauche diese eine klare Einigkeit.