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KURZNEWS 8. Dezember 2009

Migros-Industrie goes USA / AOC für Zuger Kirsche / Baldige Schlichtung des Bananenstreits zwischen Karibik und EU / Dauerndes Naschen macht schlapp / Weniger Acrylamid in Weihnachtsgebäck / Macht Minarettverbot Swissness im Export kontraproduktiv?

von Foodaktuell Importer

Migros Industrie expandiert in die USA und Kanada

Die Industriebetriebe der Migros wollen im Ausland expandieren. Das Unternehmen hat dazu unter dem Namen “M Industrie” Tochtergesellschaften gegründet, unter anderem in den USA und Kanada.
Bereits seien in den beiden Ländern total 10 Personen für den Verkauf engagiert worden, bestätigte eine Migros-Sprecherin einen entsprechenden Bericht der Zeitung “NZZ am Sonntag”.

Der grösste Schweizer Detailhändler will den Export von Käse, Schokolade und Kosmetika verdoppeln. Der Ausland-Umsatz der Migros-Industrie soll in den kommenden Jahren von 350 auf 700 Mio. Franken wachsen, wie das Unternehmen im Februar ankündigte.

2008 hatte die Migros-Industrie mit knapp 10’000 Angestellten erstmals einen Umsatz von über 5 Mrd. Franken erzielt. Der Chef der Migros-Industrie, Walter Huber, hat in seiner Zeit als Chef des Milchkonzerns Emmi mehrere Projekte in den USA angestossen. Unter anderem stieg Emmi beim amerikanischen Käseproduzenten Roth ein.

Die Migros hatte bis anhin wenig Glück im Ausland. 1993 hatte sich die Schweizer Marktführerin am maroden Konsum Österreich beteiligt – und musste den Versuch bereits zwei Jahre später mit Millionenverlusten beenden. Heute beschränkt sich das ausländische Detailhandelsgeschäft auf sechs Filialen in grenznahen Städten in Deutschland und in Frankreich.

(Quelle: LID / 07.12.2009)

Rettung für die Zentralschweizer Kirschen

Die Kirsche soll als lokales Produkt und Kulturgut der Region Zug-Rigi zu neuer Reife gebracht werden. Der “Zuger” und “Rigi Kirsch” sowie die “Zuger Kirschtorte” sollen ein Label erhalten.

Zudem wird die Kirsche zur regionalen Entwicklung eingesetzt. Produzenten, Destillateure, Verarbeiter, Touristiker und Vertreter der Verwaltung haben am 7. Dezember in Küssnacht den “Verein Zuger & Rigi Chriesi” gegründet. Dies soll der Startschuss für eine kantonsübergreifende “Kirschen-Offensive” sein.

Um die Kirsche sei es schlecht bestellt, zitiert die Nachrichtenagentur SDA den Verein. Es gebe zu wenig lokale Brenn- und Tafelkirschen, billige Importdestillate bedrängten den einheimischen Kirsch, die Hochstamm-Kirschbäume verschwänden langsam aber sicher aus dem Landschaftsbild.

Der Obstbauverantwortliche des Kantons Zug, Louis Suter, erklärt in der Mitteilung, dass die Kirsche ohne Gegenmassnahmen ganz an Bedeutung verlieren werde. Sein Luzerner Amtskollege Beat Felder verweist auf die lange Tradition, die die Frucht in der Region habe. Konkret verfolgt der Verein drei Ziele. Der “Zuger Kirsch” und “Rigi Kirsch” sollen die geschützte Ursprungsbezeichnung AOC erhalten.

Damit dürfte nur noch Kirsch, der aus einem festgelegten Gebiet stammt, als “Zuger Kirsch” und “Rigi Kirsch” bezeichnet werden. Das AOC-Gebiet soll den ganzen Kanton Zug sowie neun Schwyzer und sieben Luzerner Gemeinden umfassen.

Ein Label tragen soll auch die “Zuger Kirschtorte”, und zwar das der geschützten geografischen Angabe (GGA). Nur noch die Konditoren, die die Torte im Kanton Zug mit AOC-Kirsch herstellen, werden ihr Gebäck noch “Zuger Kirschtorte” nennen dürfen. Geplant ist als Drittes das Regionalprojekt “Zuger & Rigi Chriesi”. Mit diesem soll innerhalb des AOC-Gebietes der Kirschanbau gefördert werden.

Davon soll nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch der Tourismus profitieren. Die Kirsche solle als Kulturgut und Symbol einer ganzen Region gefestigt werden, schreibt der Verein.


(Quelle: LID / 7.12.2009)

Dauerndes Essen verringert Bewegungslust

Wenn der Körper zu oft Nahrung erhält, sinkt die Bewegungslust. Auslöser dafür ist ein molekularer Schalter, der durch Insulin gesteuert wird. Das berichtet ein Forscherteam der ETH Zürich in einer neuen Studie im Fachmagazin Nature. Der Ratschlag, wie ein Kaiser zu frühstücken, wie ein König Mittag zu essen und wie ein Bettler zu nachtmahlen, hat sich als richtig erwiesen”, so Studienautor Markus Stoffel vom Institut für Molekulare Systembiologie im pressetext-Interview.

“Es war bekannt, dass der Nüchternzustand sehr wichtig ist”, so Stoffel. Denn dabei werde in der Leber Fett verbrannt. Was bisher allerdings nicht bekannt ist, war die Schlüsselrolle des zentralen molekularen Schalthebels für den Transkriptionsfaktor Foxa2. Transkriptionsfaktoren sind Proteine, die dafür sorgen, dass andere Gene aktiviert und in Proteine übersetzt werden. Foxa2 komme nicht nur in der Leber vor, sondern steuert auch die Hirnregion Hypothalamus.

“Das Steuerelement für Foxa2 ist Insulin. Vor dem Essen fehlt Insulin und Foxa2 ist aktiv, nach dem Essen ist Foxa2 inaktiv”, erklärt Stoffel. “Ein typisches Verhalten ist etwa die Bewegungsaktivität eines Raubtieres vor der Fütterung und die Faulheit nach der Nahrungsaufnahme”, so der Experte.

Eine weitere sehr interessante Entdeckung hat das Forscherteam auch bei fettleibigen Mäusen gemacht. Bei ihnen war Foxa2 immer ausgeschaltet, egal ob die Tiere hungrig oder satt waren. “Diese Bewegungsarmut kann man auch bei fettleibigen Menschen feststellen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sie sich doppelt so wenig bewegen wie Normalgewichtige”, erklärt der Wissenschaftler. Das zeige sich auch bei kleinen Bewegungsabläufen über den Tag.

“Um den Beweis anzutreten, haben wir Mäuse gezüchtet, in deren Gehirn Foxa2 stets aktiv war, egal ob sie gerade gefressen haben oder nüchtern waren”, so Stoffel. “Faszinierend war daran, dass sich diese Mäuse fünfmal mehr bewegt hatten, deutlich weniger Fettgewebe und mehr Muskelmasse gebildet hatten.”

Zucker- und Fettstoffwechsel waren bei ihnen auf Hochtouren und die Blutwerte zeigten deutlich bessere Werte. “Mit der Studie wird klar, dass der Körper Fastenperioden braucht, um gesund zu bleiben”, meint der Forscher.

Von der häufig propagierten Idee, zahlreiche kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen, hält der Wissenschaftler nichts. Es sei zudem klug, für ein ideales Körpergewicht zu sorgen. “Da bei jeder Mahlzeit auch Insulin ausgeschüttet wird, das Foxa2 unterdrückt, verringert sich zusehends die Motivation zur körperlichen Aktivität und die Verbrennung von Zucker und Fett.”

(Quelle: pte / 3.12.2009)

Acrylamidbelastung in Weihnachtsgebäck gesunken

Die Acrylamidbelastung in Lebkuchen und Spekulatius ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das ist das Ergebnis eines Tests der Verbraucherrechtsorganisation foodwatch. Insgesamt hat foodwatch elf Lebkuchen- und sechs Spekulatiusprodukte untersuchen lassen. Nur bei zwei Produkten ist die Belastung im Vergleich zum Vorjahr signifikant gestiegen. Alle Ergebnisse sowie die Vergleichswerte aus den vergangenen sieben Jahren sind unter www.foodwatch.de/acrylamid veröffentlicht.


(Quelle: Backspiegel / 4.12.2009)

WTO will Welthandels-Runde 2010 abschliessen

Die seit 2001 laufenden Verhandlungen über eine weitere Öffnung der Weltmärkte sollen im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

Das hat WTO-Generaldirektor Pascal Lamy am Mittwoch zum Abschluss des dreitägigen Ministertreffens der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf bekräftigt. Lamy kündigte für die ersten drei Monate 2010 eine Bestandsaufnahme über die so genannte Doha-Handelsrunde an. Nach der Bestandsaufnahme werde man sehen, ob der Abschluss bis zum Jahresende zu schaffen sei, sagte Lamy. Niemand der 153 WTO-Staaten habe bisher eine Aufgabe der Handelsrunde verlangt, die die Märkte für Industrie- und Entwicklungsländer wechselseitig weiter öffnen soll.

Die dreitägige Ministersitzung war keine Verhandlung über die noch strittigen Fragen der Doha-Runde. Vielmehr ging es um eine Anpassung der WTO an die veränderten Umstände der weltweiten Wirtschaftsentwicklung und dem wirtschaftlichen Gedeihen der Schwellenländer, zitiert proplanta.de eine Meldung der Agentur DPA.

Die Minister hatten in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, über feste Fristen zu einem Abschluss zu kommen, was immer wieder misslang. Kein WTO-Mitglied möchte wieder von vorne anfangen, sagte Lamy. Deswegen liege zunächst einmal ein Text auf dem Tisch, der das bisher Erreichte zusammenfasse.

Am Rande der Tagung wurde offenbar auch eine Lösung für den längsten Handelsstreit der WTO gefunden. Bis Ende der Woche könnte es im sogenannten Bananenstreit nach 16 Jahren zu einer Einigung kommen, sagte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. Alle wichtigen Parteien in diesem Konflikt seien zu einer Lösung bereit.

Die EU räumt Bananen aus den ehemaligen Kolonien Zollfreiheit ein, während etwa Früchte aus Ecuador mit hohen Zöllen belegt werden. Nach Angaben Fischer Boels sollen sich nun die Beteiligten wie die lateinamerikanischen Produzenten, die zum Teil den USA gehören, mit den EU-Lieferanten der Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (AKP-Staaten) auf Zollkürzungen geeinigt haben.

Minister von 22 Entwicklungs- und Schwellenländern einigten sich ebenfalls am Rande der Ministertagung auf den Abbau ihrer Handelszölle um bis zu 70 Prozent untereinander. Sie schlossen ein entsprechendes Freihandelsabkommen.

Zu der Gruppe gehören wichtige Schwellenländer wie Indien, Brasilien und Mexiko, nicht aber China und Südafrika. Die Unterzeichner wollen künftig die Einfuhrzölle um zwischen 20 und 70 Prozent senken. Welche Güter von den niedrigeren Zöllen profitieren werden, soll Anfang des nächsten Jahres festgelegt werden.


(Quelle: LID / 3.12.2009)

Swissness nach dem Minarettverbot − vom Segen zum Fluch?

Bonbonhersteller Halter exportiert seine Süssigkeiten
in zahlreiche muslimische Länder. Auf der Verpackung wirbt die Firma
prägnant mit dem Schweizerkreuz. Doch nun fürchtet CEO Toni Lötscher,
dass der “Swissness”-Faktor vom Segen zum Fluch wird.

Am Abstimmungsabend riefen ihn verunsicherte Geschäftspartner aus dem
arabischen Raum an, so Lötscher gegenüber der “Handelszeitung”.
“Dieser Markt ist für uns wichtig, Swissness gehört zum wichtigsten
Verkaufsargument.”

Auch Werner Hug, Verwaltungsratsdelegierter des
Backwarenherstellers Hug AG, sagt: “Ich habe mich masslos geärgert
über das Abstimmungsergebnis.” Bei Hug stehen Neuverhandlungen über
Lieferverträge in den arabischen Raum an, denen Werner Hug nervös
entgegenblickt.

Franz Schmid, Co-Geschäftsührer der Föderation
Schweizer Nahrungsmittel-Industrien, bestätigt die aufkeimenden
Befürchtungen: “Die Frage der Swissness erhält nach der Abstimmung
eine neue Dynamik”, sagt er. Die Schweiz als Wirtschaftspartnerin
mache sich “unmöglich.”

Schmid empfiehlt den Lieferanten, direkt bei
den muslimischen Importeuren Bedauern über den Volksentscheid
auszusprechen. Laut dem Industrieverband ist der islamische Raum für
die Schweizer Lebensmittelindustrie ein bedeutender Wachstumsmarkt.
Saudi-Arabien ist bereits die sechstwichtigste Ausfuhrdestination für
Dauerbackwaren.

(Quelle: Handelszeitung / 2.12.2009)

Ständerat: Gentech-Moratorium verlängern

Der Ständerat verlängert das Moratorium für gentechnisch veränderte Tiere und Pflanzen in der Landwirtschaft um drei Jahre.
Er will der Forschung Zeit geben, offene Fragen im Zusammenhang mit der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen zu beantworten. Diese Antworten lägen noch nicht vor, sagte Umweltminister Moritz Leuenberger am 30. November in der kleinen Kammer.

Die Verlängerung des Moratoriums bis 2013 sei darum kein Entscheid über Gentechnik, sondern die blosse Respektierung des Volkswillens.

Der Bundesrat schlug dem Parlament darum vor, das Moratorium bis 2013 zu verlängern, um den Forschern die nötige Zeit für ihre Arbeit zu verschaffen. Dem stimmte der Ständerat mit 23 zu 14 Stimmen zu. Auch Befürworter der Gentechnik waren der Auffassung, dass die Forschungsarbeiten ohne politischen Druck zu Ende geführt werden sollten, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt.

Eine Minderheit beklagte die negativen Auswirkungen für Forschung und Industrie. Das Moratorium signalisiere eine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber der Pflanzenbiotechnologie, sagte etwa Felix Gutzwiller (FDP/ZH). Für junge Forschende sei dies abschreckend. Entsprechend wenig werde in der Schweiz auf dem Gebiet überhaupt noch geforscht.

(Quelle: LID / 1.12.2009)

Im Dreck aufgezogene Ferkel haben besseres Immunsystem

Ausgerechnet Schweine haben britischen Forschern jetzt geholfen, die berühmte Hygiene-Hypothese zu belegen. Diese Theorie besagt, dass sich ein übertriebener Schutz vor Bakterien in der Kindheit später negativ auf die Leistungsfähigkeit des Immunsystems auswirkt. Tatsächlich entwickeln kleine Schweine, die draussen im Dreck wühlen dürfen, eine völlig anders zusammengesetzte Darmflora als ihre Altersgenossen, die in sterileren Umgebungen aufwachsen, konnten die Briten um Imke Mulder von der Universität in Aberdeen zeigen.

Gleichzeitig verändern sich bei den Ferkeln die Aktivitätsmuster verschiedener Gene des Immunsystems: Bei den schmutzigen sind die Abwehrtruppen aktiver, während bei den sauberen eher Gene anspringen, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind.

Gerade am Anfang des Lebens gilt der Kontakt mit Mikroorganismen als wichtig, um ein funktionierendes Immunsystem aufbauen zu können – andernfalls richtet der Körper seine Abwehrtruppen vermehrt gegen eigentlich unschädliche Ziele wie Blütenpollen oder sogar eigenes Körpergewebe. Seit einigen Jahren wird der Darmflora eine Schlüsselrolle bei diesem Immuntraining zugeschrieben.

Die neue Studie scheint diese These nun zu bestätigen: Die Forscher hatten dazu 54 neugeborene Ferkel in drei Gruppen geteilt und eine unter normalen Bedingungen draussen aufwachsen lassen, eine in einem Stall und die dritte in einer sterilen Umgebung, wo sie zudem täglich Antibiotika bekam. Anschliessend untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die bakterielle Besiedlung im Darm der Tiere entwickelte und wie aktiv ihr Immunsystem war.

Ein Grossteil der Bakterien im Darm der schmutzigen Schweinchen gehörte zu den Milchsäurebakterien, von denen bekannt ist, dass sie gesundheitsfördernde Effekte haben. Insgesamt machten diese Keime und ihre engen Verwandten 90 Prozent der Darmbakterien bei den Tieren aus. Bei den Stall-Schweinen stellten sie hingegen nur einen Anteil von unter 70 Prozent, bei den steril gehaltenen sogar nur von 50 Prozent.

Mit diesem Unterschied einher ging auch eine messbar unterschiedliche Aktivität bei Immunsystem-Genen, berichten die Forscher: Bei den Tieren aus der Isolationsstation waren vor allem Gene aktiv, die an Entzündungsreaktionen und der Cholesterinproduktion beteiligt sind, während die natürlich aufgewachsenen Schweine sehr aktive Gene für die Bildung von Abwehrzellen aufwiesen.

Eine kleine Überraschung war dabei für die Forscher, dass die Vielfalt an mikrobiellen Bewohnern im Darm der schmutzigen Schweine nicht grösser war als die ihrer sauberen Artgenossen. Es scheint also nicht auf eine möglichst grosse Zahl von Bakterien anzukommen, sondern auf eine ganz bestimmte Zusammensetzung, bei der bestimmte Arten dominieren, schliessen sie.

Von Milchsäurebakterien ist beispielsweise bekannt, dass sie Krankheitserreger wie E. coli oder Salmonellen verdrängen können. Als nächstes wollen die Forscher testen, ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen und wenn ja, welche Bakterienstämme besonders gut fürs Immunsystem sind.

(Quelle: ddp/wissenschaft.de / 1.12.2009)

Fundierte Gesundheitsangaben – aber wie?

Gesundheitsangaben (Health Claims) sollten erst auf Lebensmitteln stehen, wenn sie wissenschaftlich bewiesen sind, meinen 65 Prozent der Verbraucher. 18 Prozent wären mit Werbeaussagen einverstanden, die noch nicht ganz abgesichert sind, vorausgesetzt, man findet einen Hinweis dazu auf der Verpackung. Neun Prozent sind sogar der Meinung, dass Gesundheitswerbung auf Lebensmitteln grundsätzlich nichts zu suchen hat, selbst wenn ein wissenschaftlicher Nachweis vorliegt.

Diese Studienergebnisse präsentierte Professor Monika Hartmann, Universität Bonn, auf dem Kongress “Lebensmittel mit Zusatznutzen”, einer Veranstaltung des Clustermanagement Ernährung.NRW und des Bonner Agrar- und Ernährungsnetzwerkes, BAEN. Der Auftrag an die Politik scheint also eindeutig: Gesundheitsangaben sollen wissenschaftlich fundiert sein. Die Frage ist allerdings, auf welchem wissenschaftlichen Niveau dieser Nachweis geführt werden muss.

Sind die Anforderungen zu niedrig, dann wird unter Umständen ein falscher Claim zugelassen, sind die Anforderungen an den Nachweis zu hoch, dann werden möglicherweise richtige Claims nicht genehmigt.

In beiden Fällen wäre die Entscheidung für den Verbraucher nachteilig. Doch auch wenn eine Angabe objektiv richtig ist, dann bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch richtig verstanden wird, stellte Hartmann fest. So kann eine unterschiedliche Beschreibung der objektiv selben Eigenschaft die Produktbeurteilung der Konsumenten beeinflussen.

Empirische Studien zeigen beispielsweise, dass Verbraucher Hackfleisch mit der Angabe ” zu 75 % mager” positiver bewerten als Hackfleisch mit dem Hinweis “Fettanteil 25 %”. Auch die subjektive Wahrnehmung spielt also eine wichtige Rolle beim Nutzen, den Claims für Verbraucher haben.

Damit Verbraucher Gesundheitsangaben nicht falsch verstehen, müssen Hersteller, die Gesundheitsangaben machen wollen, auf dem Produkt eine Reihe von zusätzlichen Hinweisen geben, so schreibt es die europäische Claims-Verordnung vor.

Dazu gehören unter anderem Hinweise zur Relevanz einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise, Angaben zur Menge, die konsumiert werden muss, um eine positive Wirkung zu erzielen sowie umfangreiche Nährwertangaben.

Diese Angaben sollen zu einem besseren Verständnis der Claims beitragen. Nach Hartmann besteht hier aber die Gefahr der Informationsüberlastung. “Wir suchen das Wissen, das wir durch Information verloren haben”, zitierte sie den Nobelpreisträger Thomas Stearns Eliot.

(Quelle: aid / 25.11.2009)

Fischereiberatung: Zukunft gesichert

Die Fortführung der gesamtschweizerischen Fischereiberatung FIBER ist gesichert. Das Bundesamt für Umwelt und das Wasserforschungsinstitut Eawag haben eine Verlängerung des entsprechenden Zusammenarbeitsvertrages beschlossen. Mitbeteiligt ist auch der Schweizerische Fischerei-Verband. Neuer Leiter der FIBER ist der Biologe Jean-Martin Fierz.

Seit Mitte 2004 betreiben das Wasserforschungsinstitut Eawag, das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und der Schweizerische Fischereiverband (SFV) eine gemeinsame Fischereiberatungsstelle.

Deren Hauptaufgabe ist die Information der Fischerinnen und Fischer über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Gewässerökologie, Fischbiologie und zum fischereilichen Gewässermanagement. Die Stelle ist aus dem Forschungsprojekt ,Fischnetz” hervorgegangen, das die Ursachen des Fischrückgangs in der Schweiz untersucht und verschiedene Gegenmassnahmen vorgeschlagen hatte.

Jetzt ist der Betrieb der Beratungsstelle für weitere drei Jahre verlängert worden, denn sie hat sich inzwischen bei den Fischern, aber auch bei kantonalen und kommunalen Fachstellen sowie Mitarbeitenden von Umweltbüros als wertvolle Partnerin etabliert. Jährlich beantwortet die Stelle über 200 Anfragen, publiziert Informationsmaterial und führt Seminare durch. Der FIBER-Experte hält auch Vorträge bei Fischereiverbänden oder in Schulen und bringt vor Ort an Gewässern Fachwissen ein.

Dank ihres engen Bezugs zur Praxis und zur Verwaltung, aber eben auch zur Forschung, kann die an der Eawag in Kastanienbaum (LU) angesiedelte Beratungsstelle neueste Forschungserkenntnisse unmittelbar in die Beantwortung von Fragen aus Praxis und Verwaltung einfliessen lassen, kann aber unter Umständen auch neue Untersuchungen anregen.

Gesteuert wird die FIBER von Eawag, BAFU und dem Schweizerischem Fischerei-Verband. In der Lenkungsgruppe stellen auch die Vereinigungen der Jagd- und Fischereifachstellen sowie der Fischereiaufseher ihre Mithilfe zur Verfügung.

Neuer Leiter von FIBER ist Jean-Martin Fierz. Der 29-jährige Biologe ist selbst passionierter Angler und ist daher überzeugt, rasch Zugang zu den Angelfischern zu finden. In seiner Forschung hat sich Fierz mit den Ansprüchen der Forellen an ihren Lebensraum befasst.

Gut 50 Bäche und Flüsse hat er dazu in der ganzen Schweiz untersucht und nachgewiesen, wie wichtig Unterstandstrukturen für Anzahl und Vitalität der Fische sind. Bäume, Totholz, unterspülte Ufer, tiefe Stellen im Bach – das sind Rückzugsräume, die offensichtlich für das stressfreie Leben der Forellen enorm wichtig sind.

Neben dem Schutz und der Aufwertung der Lebensräume kommen aber auch neue Themen auf FIBER zu. Etwa die Erhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität im Bereich der Fischbestände, die Auswirkungen einer starken Förderung von Kleinkraftwerken auf die Durchgängigkeit von Fliessgewässern sowie das Verständnis und die richtige Interpretation der neuen Tierschutzvorschriften.

Neu soll der Bezug zu den Fischern in der Schweiz auch über einen mehrmals pro Jahr verschickten elektronischen Newsletter gepflegt werden (Gratis-Abonnierung via FIBER-Homepage www.fischereiberatung.ch).

(Quelle: Fischereiberatungsstelle FIBER / 19.11.09)