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Welche Folgen hat der Grossbrand für Traitafina?

Interview mit Traitafina-Chef Hermann Bader

von Foodaktuell Importer

Ein Grossbrand hat am 14.11.2009 im Traitafina-Betrieb in Egliswil massiven Schaden angerichtet und den grössten Teil der Fabrik zerstört. Was sind die Folgen? «foodaktuell.ch» hat Traitafinachef Hermann Bader befragt.




Die Friteuse im Traitafina-Werk in Egliswil, die den Grossbrand verursachte (Archivbild)

Herr Bader, welche Poduktionsprovisorien planen oder realisieren Sie?
H.B.: Vier Tage nach dem Brandfall, konnten wir die Produktion von Salatdressings und Dip-Saucen in Egliswil wieder aufnehmen. Dieser Produktionsteil wurde am wenigsten vom Brand tangiert. Dreiviertel der Anlagen waren noch einigermassen intakt. Mit Umstellungen im Produkionsablauf und einem fantastischen Effort unserer Mitarbeiter wurde dies möglich.

Am fünften Tag konnte dann auch die Produktion der Traiteursalate in einem Provisorium in unserem Betrieb in Lenzburg aufgenommen werden. Dies gilt nicht für das ganze Sortiment. Immerhin aber konnten wir unseren Kunden ein Basissortiment in teilweise anderen Verpackungsformen zur Verfügung stellen. Einige Tage länger dauerte es, bis wir ebenfalls in Lenzburg, mit der Herstellung unserer Fertigmenues beginnen konnten. Für diesen Produktionsteil mussten zuerst Verpackungsmaschinen und die entsprechenden Werkzeuge beschafft werden. Unsere betagten Kunden können aber ab Woche 50 wieder mit den beliebten “Menue Mobile” (Bild) beliefert werden.


Für die Produktionslinie der panierten und fritierten Artikel ist ein grösserer Planungsaufwand erforderlich. Ausserdem dauern die Lieferfristen für diese Anlagen einige Monate. Befreundete Firmen haben spontan zugesagt, diese Produkte für uns und nach unseren Original-Rezepturen herzustellen. In diesem Sinne hatten wir keine grösserern Umsatzausfälle zu beklagen. Ich möchte nochmals erwähnen, dass dies nur durch den tollen Einsatz unserer Mitarbeiter möglich wurde. Es war eine schöne Erfahrung zu sehen, wie die Teams enger zusammenrückten und die Mitarbeiter in dieser Krisensituation reflexartig und spontan die richtigen Entscheidungen trafen.

Wie und wo setzen Sie das Personal von Egliswil derzeit ein?
H.B.: In Egliswil waren vor dem Brand ca. 45 Mitarbeiter beschäftigt. Unmittelbar nach der Katastrophe konnten die meisten Damen ein bis zwei Tage zuhause bleiben, während dem die Herren mit den eher gröberen Aufräumarbeiten beschäftigt waren. Im nun angelaufenen provisorischen Betrieb sind wieder alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Egliswil und Lenzburg im Einsatz.


Salatsaucen-Abfüllanlage bei Traitafina in Egliswil (Archivbild)

Gibt es demzufolge keine Zwangsferien oder Entlassungen?
H.B.: Nein, Massnahmen dieser Art sind nicht nötig. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können in Egliswil und Lenzburg weiter beschäftigt werden.

Welche Varianten für den Wiederaufbau studieren Sie in Egliswil oder Lenzburg?
H.B.: Der Betriebsstandort Egliswil wird auf jeden Fall erhalten. Ein Architekturbüro beschäftigt sich zur Zeit mit den Varianten des Wiederaufbaus. Es ist nicht auszuschliessen, dass künftig einzelne Bereiche nach Lenzburg verlegt werden. Zum heutigen Zeitpunkt sind diesbezüglich aber noch keine Entscheide gefallen.




Der Traitafinabetrieb in Lenzburg (Archivbild: am Jubiläumsfest 2008)

Was war die Brandursache?
H.B.: Warum sich das Fritieröl beim Ölwechsels zum Zweck der Anlagenreiningung entzündete, ist Gegenstand der Brandursache-Untersuchung. Fest steht, dass unsere Mitarbeiter diesen Routineprozess wie schon hunderte Male zuvor durchführten. Zwei Tage vor dem Ereignis wurde die Anlage vom technischen Dienst auf die Funktionstüchtigkeit getestet und als in Ordnung befunden.

Welche Löschmöglichkeiten gab es bei der Friteuse?
H.B.: Die Anlage verfügte über eine automatische Selbtlöschanlage, die auch aktiviert wurde. Unsere Mitarbeiter versuchten zusätzlich mit drei Handlöschern den Brand zu löschen. Leider hatten sie damit keinen Erfolg und taten letztlich das einzig Richtige: Sie flüchteten in letzter Sekunde aus dem Raum und dem Gebäude und stellten damit sicher, was für mich das Allerwichtigst ist: Sie sorgten dafür, dass es “nur” zu Sachschaden kam und glücklicherweise keine Menschen betroffen waren. Für Gebäude und Mobilien sowie für den Betriebsausfall haben wir einen angemessenen Versicherungsschutz.

Welche Verbesserungen planen Sie bei der Brandverhütung?
H.B.: Es hat sich gezeigt, dass von Friteusen, und dies nicht nur bei uns, generell ein Gefahrenpotential ausgeht. Anlagen dieser Art sollten deshalb isoliert in einem brandgeschützten Raum stehen. Diesem Umstand werden wir beim Wideraufbau dieser Produktionslinie Rechnung tragen.


Hermann Bader, Geschäftsführer
und Inhaber der Traitafina.

Traitafina-Eckdaten:
140 Mio. Fr. Umsatz jährlich.
rund 300 Mitarbeiter/innen.
über 17’000 Tonnen verarbeitetes Rohmaterial pro Jahr.
über 700 Abladestellen pro Tag in der ganzen Schweiz.
34 Verteilcamions und 14 Lieferwagen.