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Gemeinsames und Unterschiedliches

Die Lebensmittelstandards BRC, IFS und ISO 22?000 gehören für die Lebensmittelverarbeiter fast schon zur Pflicht. Worin unterscheiden sie sich? Eine Zusammenstellung zeigt die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede.

von Alimenta Import

An einer Veranstaltung der Schweizerischen Normen-Vereinigung, die im September stattfand und an der auch Verantwortliche von IFS und BRC teilnahmen, kam klar zum Vorschein, dass die beiden Standards an und für sich wohl sehr ähnlich aufgebaut sind, aber dass sie sich in ihrer Ausrichtung unterscheiden.
Sowohl BRC als auch IFS vertreten die Interessen ihrer Mitglieder, der Einzelhändler.
Sie profilieren sich zunehmend mit Zusatz­leistungen wie Datenbanken, Schulungsange­boten und der Entwicklung neuer Standards, mehr und mehr auch ausserhalb des Bereichs Lebensmittel. Beide verzeichnen ein interna­tio­nales Wachstum, von China über Osteuropa bis in die USA.
Die Tabelle auf Seite 18 gibt eine Übersicht über einige Unterscheidungsmerkmale zwischen BRC, IFS und ISO 22?000.
Die sich im GFSI-Zulassungsverfahren be­findenden Standards FSSC 22?000 und
Synergy 22?000 werden in den Bereichen ­Berichtsformat, Datenbank und Qualitäts­sicherung etliche Massnahmen fordern, die über ISO 22?000 hinaus gehen, auch wenn die ­Details noch nicht vollständig bekannt sind.

QS-Programme für Zertifizierungsstellen
Beide Standardbesitzer haben ein starkes Wachstum hinter sich, und sie mühen sich
mit Zertifizierungsstellen und Auditoren ab, ­welche die von BRC und IFS aufgestellten An­forderungen nicht konsequent umsetzen.
BRC hat diesen Herbst ein Überwachungs­programm für die Beaufsichtigung der Zertifizierungsstellen und deren Auditoren vorgestellt und ist in die Umsetzung gestartet. So wird jede Zertifizierungsstelle regelmässig ­einen Bewertungsbericht erhalten und, falls nötig, entsprechende Korrekturmassnahmen umzusetzen haben.
IFS setzt ab 1. Januar 2010 ein sogenanntes Integritätsprogramm um, das nicht nur bei Problemen eingesetzt wird, sondern auch vorbeugend der Verbesserung der Leistung der Zertifizierungsstellen dienen soll. Es geht dabei in etlichen Punkten weiter, als das Programm des BRC. Beide Programme werden auch Auswirkungen auf die zertifizierten Kunden haben.
Eine spezielle Problematik angesichts der beiden QS-Programme besteht in der Art und Weise, wie die minimalen Audittage vor Ort zu berechnen sind und wie diese dann von BRC und IFS im Rahmen ihrer Qualitäts­siche­rung bewertet werden. Hier werden gerade grössere Betriebe wohl mit einigen zusätzli­chen Audittagen konfrontiert sein. IFS wird im Jahr 2010 eine neue Berechnungsart vorstel­len, um dieser Thematik gerechter zu werden.

Trend zu detaillierteren Auditberichten
BRC fordert, dass zu allen 326 Anforderungen ein Kommentar abgegeben wird. Neu wird für rund 130 Anforderungen vorgeschrieben, was konkret an Informationen erwartet wird. Dies bedeutet zusätzlichen Aufwand, was von BRC mit ihrer Verpflichtung zu Due Diligence, ­einer Vorsichtsmassnahme in Bezug auf Vollzugsinterventionen der Behörden in Gross­britannien, begründet wird. Dabei spielt es keine Rolle, wenn Schweizer Unternehmen keine Produkte nach England liefern. Für den Vollzug bei den Schweizer Lebensmittelver­arbeitern dürften diese detaillierten Berichte von geringer oder ohne Relevanz sein.
IFS hat auch sogenannte Pflichtfelder eingeführt, die detailliert dokumentiert werden müssen. Es besteht keine Verpflichtung, für alle Anforderungen systematisch detaillierte Kommentare abzugeben.
Sowohl für IFS als auch für BRC sind in nächster Zeit keine Revisionen zu erwarten. Beide geben sich sehr zufrieden mit den aktuel­len Versionen ihrer Standards.
*Der Autor leitet den Bereich Food Chain beim Zertifizierungsunternehmen ProCert in Bern.