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ISO 22?000 mit neuen Möglichkeiten

Nachdem ISO 22?000 den Einstieg und die Anerkennung durch die Global Food Safety Initiative GFSI verpasst hat, soll die Norm im Januar in Kombination mit den PAS 220 oder den PRP 22?000 die ersehnte Anerkennung erhalten.

von Alimenta Import

Jeder Lebensmittel produzierende Betrieb kennt das Problem der Zertifizierungen. Je nach Abnehmer bzw. Grossverteiler muss man eine andere Norm erfüllen und eine weitere Zertifizierung nachweisen. Ziel der GFSI ist, diese Mehrfachzertifizierun­gen zu verhindern und die gegenseitige An­erkennung der Zertifizierungen zu erreichen. Leider haben bisher nur sieben weltweit tätige Grossverteiler diese Politik umgesetzt. Migros ist einer davon. Die Frage, ob die GFSI ihr Ziel mit der Akzeptanz der Food Safety System Certification FSSC 22?000 bzw. Synergy 22?000, die beide im Januar 2010 ihre Approbation ­erwarten, erreichen wird, bleibt offen und hängt weiterhin von den Anforderungen bzw. der Politik der Grossverteiler ab.

Was ist FSSC 22?000?

«Das Zertifizierungssystem Food Safety Sys­tem Certification wird ein Systemaudit mit einer zusätzlichen Checkliste zur «guten Herstell- und Hygienepraxis». «Es deckt sowohl die Anforderungen von ISO 22?000 als auch dieje­ni­gen von PAS 220 ab», sagt Ernst Eichelberger von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme (SQS). Die GFSI hat spezifische Kriterien zur Anerkennung der Normen betreffend Lebensmittelsicherheit erstellt. Diese Kriterien betreffen HACCP (von ISO 22?000 gedeckt), Managementsystem (von ISO 22?000 erfüllt) und gute Herstell- und Hygienepraxis (von PAS 220 ­gedeckt). «Die PAS 220 und somit die FSSC 22?000 ist für die verarbeitende Lebensmittelbranche, inkl. für die Retailer-Belieferung, gültig», so ergänzt Eichelberger.

Vorteile von FSSC 22?000
FSSC ist im Besitz einer holländischen Nonprofitorganisation. Das Schema basiert auf ­einer ISO-Norm, wird also weltweit anerkannt und sorgt für eine gemeinsame Sprache entlang der gesamten Produktionskette. FSSC wird von der CIAA, dem Verband der euro­päischen Lebensmittelindustrie, unterstützt. Alle Betriebe, die bereits ISO 22?000 zertifiziert sind (und das sind immerhin bereits 1500), können mit einer zusätzlichen Zertifizierung der PAS 220 den FSSC-22?000-Status erreichen. Ein Zertifikat ist drei Jahre gültig. «Der grösste V­orteil ist», sagt Eichelberger, «dass bei den Aufrechterhaltungssaudits nicht mehr das gesamte Qualitätsmanagement überprüft werden muss, sondern nur zentrale Teile daraus.» Eingeschlossen sind die PAS-Anforderungen, die in der neuen PAS-Checkliste auditiert ­werden. «Das führt zu weniger ausführlichen und repetitiven Audits und ist somit billiger.» FSSC-22?000-Zertifizierungen werden bereits heute durchgeführt, auch wenn die offizielle GFSI-Anerkennung erst im Januar erwartet wird.

Was ist PAS 220:2008 und was ist neu?
Die von der Lebensmittelindustrie entwickel­ten PAS sind Checklisten. Diese spezifizieren die PRP für die Produzenten von Lebensmitteln und Lebensmittelinhaltsstoffen. Sie sind keine Norm an sich und können nur gemeinsam mit der Norm ISO 22?000 angewendet werden. Eigentlich deckt die PAS die Anforderungen an die GMP (gute Herstellungspraxis) und die GHP (gute Hygienepraxis) ab. Nach Ernst Eichelberger umfassen die PAS 15 verschiedene Kernthemen, welche alle Bereiche der Lebensmittelproduktion, von den Anforderungen an Gebäude über das Management der Materialien, die Reinigung und Hygienetauglichkeit der Anlagen zu Lagerung, Pro­dukt­einformation und Konsumentenwahrnehmung, abdecken.
Diese Anforderungen mussten bis jetzt alle Produzenten erfüllen, die in die USA exportieren.

Synergy  22?000

Synergy 22?000 ist nach Didier Blanc von Pro Cert und Mitglied des Komitees zur Entwicklung der Norm, die Kombination zwischen ISO 22?000 und PRP 22?000. Diese Norm erstreckt sich – im Gegensatz zu FSSC – auf die gesamte Produktionskette für Lebensmittel inklusive Zulieferbetriebe (von Gabel zu ­Gabel). «Synergy 22?000 soll dann eingesetzt werden, wenn die Grossverteiler eine ISO-22?000-Zertifizierung verlangen, man das Ziel hat, mit den Lieferanten und Dienstleistungsbetrieben eine gemeinsame Kultur aufzubauen und wenn beim Audit ein Mehrwert herausschaut», sagt Didier Blanc. Wie bei FSSC können Betriebe, die bereits ISO-22?000-zertifiziert sind, mit der zusätzlichen Zertifizierung nach PRP 22?000 den Synergy-Status erreichen.

PRP 22?000 spezifiziert, was ISO 22?000 verlangt

Die PRP 22?000 sind im Internet herunterladbare Listen von spezifizierten Präventivprogrammen, die in ISO 22?000 verlangt werden. Diese umfassen, genau wie die PAS, 15 verschiedene Kernthemen. Der entscheidende Unterschied ist, dass die PRP 22?000 auch auf die vor- und nachgelagerten Stufen anwendbar sind, also die gesamte Kette abdecken.

Vorteil einer internationalen Norm

Eines ist sicher, ISO 22?000 beziehungsweise die Kombination von ISO 22?000 mit PAS 200 oder PRP 22?000 wird von der Industrie unterstützt und soll den Platz einnnehmen, den eine internationale Norm verdient. In Nord­amerika beispielsweise arbeiten die Akteure daran, die Audits und Zertifizierungen zu
generalisieren. Hier scheint sich jedoch das Safety Quality Food Programm SQF, das ebenfalls von der GFSI anerkannt ist, durchzusetzen.
Wie sich das Zertifizierungswesen weiter entwickeln wird, ist nicht klar und hängt stark von der Politik der Grossverteiler und Distributoren ab. Klar ist hingegen, dass eine Generalisierung und gegenseitige Anerkennung, wie sich dies die GFSI wünscht, die Kosten senken und der Lebensmittelindustrie das ­Leben vereinfachen würde.