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Zur rechten Zeit am rechten Ort

Marc-André Cornu, Inhaber der Cornu SA, beurteilt sich als «nicht ambitiös». Trotzdem hat er seine Firma in den letzten Jahren nicht nur deutlich ­vergrössert, er kämpft auch wie ein Löwe für den Namen «Champagne».

von Alimenta Import

Im Gespräch mit «Alimenta» äussert sich Marc-André Cornu über die ­Herausforderungen der letzten Jahre und die Zukunftsaussichten für seinen Betrieb.

Alimenta: Mit dem Namen Cornu SA in Champagne VD assoziiert man direkt die «Flûtes de Champagne» und neu auch Roland Murten AG. Und mit Champagne wiederum assoziiert man die Namensprobleme, unter denen auch der Wein dieses Dorfs leidet. Wie sieht dieses Problem für Ihre Firma aus?

Marc-André Cornu: Unser Produktname wird, genau wie der Wein, von der Cham­pagne in Frankreich angegriffen, obschon dort keine vergleichbaren Produkte her­gestellt werden. Unsere Produkte leiden ­unter einer Interpretation der bilateralen Verträge von 1974. Einen ersten Prozess in Paris ­haben wir verloren. Wir sind zurzeit in Berufung gegen diesen Beschluss. Sollten wir auch hier verlieren, werden wir weiterkämpfen – auf ju­ris­tischem Weg und über die Medien.

Sie kämpfen um ihren Namen gegen Angriffe aus Frankreich, haben dort aber zwei Produk­tionsstätten. Weshalb?
Als der Export, insbesondere nach Deutschland, Ende der 80er-Jahre zunahm, mussten wir eine Lösung suchen, da die Ausfuhr von Schweizer Produkten zu diesem Zeitpunkt sehr schwierig war. Kommt hinzu, dass gewisse Rohstoffe im Ausland deutlich güns­tiger waren. Allein beim Käse konnten wir mit dieser Politik zwischen 700?000 und 800?000 Franken sparen.

Das heisst, Sie begrüssen den Freihandel?

Welchen Freihandel? Der wird frühestens Ende 2012 kommen. Für uns wäre er nur positiv. Ich muss übrigens noch erwähnen, dass heute die Preise in der Schweiz und Europa ausgeglichen sind und wir in derselben Situation nicht mehr ins Ausland gehen müssten.

Wer Freihandel sagt, denkt an Export. Exportieren Sie einen grossen Teil Ihrer Produktion?
Cornu exportiert rund 60% der Produkte ins Ausland, Roland arbeitet vermehrt
im Inland. Die Hauptexportländer sind Deutschland, Frankreich, Holland und Grossbritannien.

Sie haben letztes Jahr die Firma Roland Murten gekauft. Was war der Beweggrund?
Wir arbeiten seit 30 Jahren eng mit Roland zusammen. Insbesondere der Export nach Deutschland lief unter Roland. Im Jahr 1997 hat Roland diese Zusammenarbeit aufgebrochen und eine Konkurrenzlinie auf­gebaut. Jetzt haben wir diese Konkurrenz aufgekauft und eine exzellente Ergänzung aufgebaut. Dazu haben wir das Marktgewicht, insbesondere in Deutschland, vergrössert.

Sie produzieren Snacks hier in Champagne, zum Teil in Murten und auch in Frankreich. In der heutigen Zeit sind gesunde, wenn möglich salzarme Produkte im Gespräch. Wie begegnen Sie solchen Anforderungen?

Wir haben immer ohne Zusatzstoffe gearbeitet und uns an die Grundregeln unseres Berufs gehalten. Wir produzieren Snacks, aber Snack ist nicht agleichzusetzen mit ungesund, fett- und salzhaltig. Wir arbeiten und entwickeln Produkte, die den Anfor­derungen der Konsumenten entsprechen. Zum Beispiel produzieren wir für den englischen Markt «Mini-Breadsticks», die fett- und salzarm sind. Ein Produkt, das in England gerade für Kinder viel gebraucht wird, für das die Schweiz jedoch noch nicht bereit ist. Daneben produzieren wir aber auch ­absolute Gesundheitsprodukte wie Knäckebrot und Zwieback.

Haben Sie die Wirtschaftskrise dieses Jahr gespürt?
Alle Jahre sind schwierig, nicht nur das letzte. Man muss immer kämpfen, um im Markt zu bleiben. Aber 2009 war nicht schlecht, wir haben das uns gesetzte Ziel ­erreicht.

Wie sehen Sie die nächsten Jahre?
Wir planen immer kurzfristig, 12 bis 24 Mo­nate. In dieser Zeitspanne werden wir uns auf die Investitionen in Roland Mur­ten ­konzentrieren, die Entwicklung von Produkten, die den Anforderungen der Kon­sumenten entsprechen und auf das
Öffnen neuer Märkte, insbesondere in ­Osteuropa. Wir arbeiten bereits heute in Russland, Rumänien und Tschechien, möchten aber diese und weitere Märkte ­weiter entwickeln.

Wie arbeiten Sie in diesen Märkten? Mit eigenen Verkaufsequipen?
Nein, wir haben keine eigenen Verkaufs­equipen. In der Schweiz und Frankreich ­arbeiten wir eng mit Kambly zusammen, in anderen Ländern haben wir weitere ­Vertriebspartner.

Sie sagen von sich, dass Sie nicht sehr ambitiös seien und doch haben Sie den Umsatz in den letzten 25 Jahren um das 30-Fache erhöht. Das ist fast ein Widerspruch.

Ich denke, wir haben das erreicht, weil wir immer gut hinhören. Unser Motto ist «am rechten Ort zur rechten Zeit investieren». In anderen Worten, wir investieren erst in ­einen Markt, wenn dort das Kaufvermögen steigt.
Interview: Beatrice Zweifel