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ISM-Messetipp: Süsswaren legen trotz Krise zu

von Foodaktuell Importer

Trotz “Krise” entwickeln sich die Süsswarenmärkte in Deutschland, Österreich und Schweiz positiv (oder gerade wegen der Krise? Süsswaren gelten bekanntlich als Selbst-Tröster). Der aktuelle Dreiländervergleich – Deutschland, Österreich und Schweiz – auf Basis der Marktdaten von The Nielsen Company zeigt Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Tendenzen der drei Süsswarenmärkte auf.

In den vergangenen zwölf Monaten von August 2008 bis Juli 2009 haben deutsche Verbraucher im LEH laut Nielsen Süsswaren (ohne Salzige Snacks) im Wert von knapp 9 Mrd. € gekauft. Die Vergleichszahlen der europäischen Nachbarn Österreich (783 Mio. €) und Schweiz (937 Mio. €) nehmen sich dabei zunächst bescheiden aus. Allerdings sind die Schweizer mit insgesamt 123 € bei den Pro-Kopf-Ausgaben im Einzelhandel Spitzenreiter, während die deutschen Konsumenten mit 108 € nur an zweiter Stelle stehen – allerdings ohne Berücksichtigung von Saisonartikeln.

Noch sparsamer sind die Österreicher mit etwa 95 € pro Kopf. Beim Drei-Länder-Vergleich ist zu beachten, dass in die Daten für Deutschland auch die Drogeriemärkte, Impulskanäle sowie Aldi/Lidl/Norma einfliessen. Hieraus erklären sich zum Teil die Unterschiede im Durchschnittspreis sowie die vergleichsweise hohe Bedeutung von Zuckerwaren in Deutschland. Derzeit profitieren die deutschen und österreichischen Lebensmittelhändler vom Appetit auf Süsses mit Wachstumsraten von jeweils gut 3%; in der Schweiz ist der Süsswarenumsatz dagegen im Vergleich zum Vorjahr kaum angestiegen.

Allerdings war die Umsatzentwicklung in allen drei Ländern vor allem durch Preissteigerungen begründet. Im deutschen Markt liegen die Preise für Süsswaren über alle Kategorien hinweg in diesem Jahr um 4% höher als noch im Vorjahr; der Absatz ist dabei noch stabil geblieben.

Ähnliches gibt es auch aus Österreich zu berichten. Hier haben sich Preiserhöhungen von fast 7% im Bereich Süsswaren gesamt allerdings zusätzlich bremsend auf die Konsumlust der Verbraucher ausgewirkt: Der Süsswarenabsatz ist bis Jahresmitte 2009 gegenüber dem Vorjahreswert um gut 3% zurückgegangen. Auch die Schweizer Konsumenten reagierten angesichts der gestiegenen Preise (3% – 4% über alle Süsswarensegmente hinweg) mit Kaufzurückhaltung: Hier büsste der Einzelhandel rund 3% des Vorjahresvolumens ein.

Schokoladenwaren am beliebtesten

Beim Thema Süsswarenkonsum sind sich die Konsumenten aller drei Länder absolut einig: Die Warengruppe Schokoladenwaren rangiert im Süsswarenverzehr unangefochten an erster Stelle; hier werden Umsatzanteile zwischen 56% und 60% vom Süsswaren-Gesamtumsatz erzielt. Die Österreicher übernehmen dabei die führende Rolle beim Schokogenuss. Allerdings haben auch hier überproportionale Preissteigerungen zu den positiven Umsatzentwicklungen geführt.

Auftritt der Grossconfiserie Läderach mit Schwerpunkt Schokoladeprodukte an einer früheren ISM-Messe

Die aktuellen Durchschnittspreise von 8,67 € pro Kilogramm Schokoladenwaren in Deutschland und sogar von über 12 € in der Schweiz bzw. 11 € in Österreich haben dafür gesorgt, dass der Absatz der Schokoartikel derzeit länderübergreifend eine Flaute erlebt. Favorit auf Absatzbasis ist in allen drei Ländern die Tafelschokolade; sie zeigt aufgrund der teils sogar zweistelligen Preissteigerungen ein stabiles Umsatzwachstum. In unseren beiden Nachbarländern hat dieses Segment in den zurückliegenden zwölf Monaten damit überdurchschnittlich zum Warengruppenwachstum beigesteuert.

Dagegen sind in Deutschland die Pralinen mit knapp 8% starke Wachstumstreiber. Im Erhebungszeitraum ist ein kräftiges Handelsmarkenwachstum zu verzeichnen, daneben haben aber auch Pralinen-Neueinführungen der Markenartikler für Umsatzimpulse gesorgt. In Deutschland sind die Pralinen in der Umsatzbedeutung nahezu gleichrangig mit Tafelschokolade, während in der Schweiz die Riegel eine höhere Anziehungskraft auf die Verbraucher ausüben. Vom Riegel-Segment gehen jedoch derzeit in D-AT-CH keine neuen Impulse aus.

Deutliche Konsumunterschiede

Deutliche Konsumunterschiede zeigen sich im Drei-Länder-Vergleich bei den Süsswarenkategorien Zuckerwaren und Süssgebäck/Waffeln. Bonbons, Frucht- und Weingummi, Kaugummi und andere Zuckerwaren stehen hierzulande für knapp 30% des Süsswarenumsatzes – wenn sich der Anteil gegenwärtig auch leicht zugunsten der Schoko-Produkte verschiebt. Österreichische und schweizerische Lebensmittelhändler erzielen mit Zuckerwaren dagegen deutlich niedrigere Umsatzanteile; sie liegen zwischen 18% in der Schweiz und 20% in Österreich.

Der grösste Teil der Schweizer Schokolade- und Süsswaren-Produktion geht in den Export (Bild: Peruanerin freut sich über einen Lindt-Goldhasen).

Und die Schweiz ist weltweit führend bei zuckerfreien Süsswaren.

In Österreich zeigt die Warengruppe mit plus 3,5% allerdings beim Umsatz die dynamischste Entwicklung, während Zuckerwaren in der Schweiz rückläufig sind und im deutschen Markt nur ein leichtes Wachstum generieren. Frucht- und Weingummi inkl. Lakritz weisen dabei in allen drei Ländern stabile Wachstumsraten zwischen 3% und 4% auf. Dagegen verzeichnen Bonbons sowie Schokoküsse nur ein schwaches Wachstum oder sogar rückläufige Entwicklungen. Kaugummi kann nach starkem Wachstum durch neue Verpackungsformen in den Vorjahren aktuell nur noch in Österreich deutlich vorankommen: Hier wird derzeit eine Steigerungsrate von 6,5% erreicht.

In Deutschland sorgen vor allem die sonstigen Zuckerwaren im Berichtszeitraum für einen Umsatzsprung von 19%. Wachstumstreiber hier: die Segmente Lutscher und Puffreis. Die grösseren Gebäckliebhaber sitzen wiederum in der Schweiz und in Österreich. Hier werden Umsatzanteile von 20% in Österreich und in der Schweiz sogar von 24% erreicht; im deutschen Markt kommt das Gebäck gerade mal auf 15% des Süsswaren-Gesamtumsatzes. Dafür werden hierzulande preisgetrieben allerdings höhere Wachstumsraten damit erzielt (3,4%), während in unseren Nachbarländern trotz ebenfalls erfolgter Preiserhöhungen keine deutlichen Impulse erkennbar sind.

Eine besondere Betrachtung verdienen die Salzigen Snacks (in die Gesamtbetrachtung der Süsswarenmärkte in D-AT-CH nicht einbezogen), die mit ihren Zuwächsen das Süsswarenwachstum in den drei betrachteten Ländern insgesamt noch etwas beschleunigen. Als drittstärkste Süsswarenkategorie in Deutschland sind sie mit einem deutlich überproportionalen Plus von 6,7% die am schnellsten wachsende Kategorie im Süsswarenmarkt. Sie können als einzige Warengruppe auch ein leichtes Absatzplus (1,6%) generieren, trotz eines um 5% gestiegenen Durchschnitts-Kilopreises.

Auch der österreichische Handel kann sich derzeit über überproportionale Umatzzuwächse in dieser Warengruppe freuen (3,9%), während in der Absatzbetrachtung ein Minus von 1,9% zu verzeichnen ist. In der Schweiz tragen die Salzigen Snacks mit einem leichten Zuwachs von 1% – das aber dennoch doppelt so hoch ausfällt wie das Gesamtmarktwachstum – ebenfalls dazu bei, die Umsatzentwicklung zu stützen. Die Mengenentwicklung ist indes preisbedingt rückläufig. (Quelle: Sweets Global Network auf Basis von The Nielsen Company)


ISM 2010



31. Januar bis 3. Februar 2010

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Internet: www.ism-cologne.de


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Internationale Zuliefermesse für die Süsswarenwirtschaft

31.01. bis 3.02. 2009

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