Datum:

Das Lamento des orangen Riesen

Migros-Boss Herbert Bolliger beklagte sich über die zwei deutschen Eindringlinge. Die Margen des orangen Riesen übertrafen diejenigen von Aldi und Lidl jedoch um das Mehrfache schreibt Adi Krebs.

von Alimenta Import

In einem Interview in der Sonntagspresse ist
Migros-Chef Herbert Bolliger kürzlich den deutschen Hard-Discountern Aldi und Lidl hart an den Karren gefahren. Sie seien verantwortlich für die stagnierenden Umsätze und sorgten mit ihren Tiefpreisen für Löhne am untersten Rand: «Die Besitzer von Aldi und Lidl werden immer reicher und drücken auf Kosten der Produzenten und Mitarbeiter permanent die Preise», sagte Bolliger in der Zeitung «Sonntag».
Das wortreiche Lamento des Migros-Bosses ist Musik in den Ohren des hiesigen Konsumenten. Die beiden Grossverteiler hatten es sich über die letzten Jahrzehnte in der Schweizer Detail­handelswelt sehr komfortabel eingerichtet. Ihre ­Margen übertrafen diejenigen der ausländischen Konkurrenz teilweise um das Mehrfache, und wenn es zwischen Migros und Coop keine Preisabsprachen gab, so doch sicherlich das stillschweigende Einverständnis, dass man sich in einer derart übersichtlichen Nische nicht aufs Blut zu bekämpfen braucht.

Deshalb tat das frische Blut aus dem nördlichen Ausland mehr als gut. Dass Bolliger über die neue Konkurrenz klagt, zeigt nur, dass sie Wirkung zu zeigen beginnt, anders als man dies in den Chefetagen in Zürich und Basel bei Markteintritt der deutschen Mitbewerber vermutete. Die Vorwürfe im einzelnen sind alles andere als stichhaltig. Eine Umfrage des «Tages-Anzeigers» zeigte ­wenige Tage nach Bolligers Breitseite auf, dass die Löhne bei Aldi und Lidl durchaus vergleichbar sind mit denjenigen der orangen Platzhirsche.

Der Vorwurf, dass der Druck primär auf die Produzenten und Lieferanten abgewälzt wird, zieht ebenfalls nicht. Dies zeigt sich daran, dass die Migros-Umsätze stagnieren und primär die übersetzte Marge des Grossverteilers unter Druck kam. Auch Coop musste seine Preissenkungen weitgehend selber finanzieren. Grund dafür ist, dass man bei Produzenten und Verarbeitern schon vorher praktisch den letzten Cent abgepresst hatte, Stichworte dafür sind die zentralen Beschaffungsplattformen und die sinkenden Milchpreise. Statt also zu lamentieren, sollte ­Bolliger besser vor der eigenen Tür wischen, der orange Riese trägt noch einiges an Speck mit sich herum.