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Neuer Wirbel im Saanenland

Einst als Modell einer funktionierenden Wertschöpfungskette gepriesen, kämpft die Molkerei Gstaad mit Problemen. Dem Geschäftsleiter wurde gekündet. Nun wird entschieden, ob es einen solchen überhaupt braucht.

von Alimenta Import

Gut zwei Monate nachdem Geschäftsführer Willy Berger die Molkerei Gstaad verlassen hat, ist der Vorstand der Genossenschaft auf der Suche
nach der passenden Führungsstruktur. Diese Woche will er sich entscheiden. Es stünden verschiedene Varianten zur Diskussion, auch solche ohne eigentlichen Geschäftsführer, sagt Präsident Hans-Ruedi Steiner. «In erster Linie geht es darum, festzulegen, welche Angelegenheiten in den operativen und welche in den strategischen Geschäftsbereich gehören.» Konkreter will er nicht werden, fügt aber trotzdem an, dass für ihn ein Modell mit einem Vorstandsdelegierten, der die strategischen Entscheide auf die operative Stufe «herunterbrechen könnte», durchaus vorstellbar sei. Vorstellbar sei auch, dass er dieses Amt gleich selbst übernehme.

Die unklare Trennung zwischen operativem und strategischem Geschäft war mit ein Grund dafür, dass es zum Zerwürfnis zwischen dem Vorstand – dort in vor allem mit Hans-Ruedi Steiner – und Willy Berger gekommen ist. Berger wirft Steiner vor, sich
ins Tagesgeschäft eingemischt zu haben, oft hinter seinem Rücken. Dies führte zu zunehmenden Differenzen. Gleichzeitig wurde im Saanenland gemunkelt, dass Berger ein schlechter Verkäufer sei. «Das Gerücht kann ich mit der Buchhaltung ganz klar wider­legen», meint Berger dazu.
Das vergiftete Klima in Gstaad gipfelte Anfang November schliesslich in einer Kün­digung mit sofortiger Freistellung von Berger. An einer ausserordentlichen Generalversammlung konnte er seine Sicht der Dinge zwar den Genossenschaftern darlegen, an der Situation änderte sich nichts. – Im Gegenteil: Als er eine schriftliche Freistellungserklärung verlangte, erhielt er von Steiner die nachträgliche fristlose Kündigung. Sie sei aufgrund «gravierender Vorkommnisse» erfolgt, begründet der Genossenschaftspräsident dieses Vorgehen. Berger wiederum ist sich nichts Gravierendem bewusst. Er hat deshalb den Rechtsweg ein­geschlagen.

So oder so wird Willy Berger nach knapp zwei Jahren im Saanenland die Geschäfte ­
der Molkerei Gstaad nicht mehr leiten. Am
12. Dezember haben die Genossenschafter dem Vorstand und Hans-Ruedi Steiner das Vertrauen ausgesprochen, demselben Präsidenten, der sein Amt bereits bei der Affäre um den vormaligen Geschäftsführer Hanspeter Reust inne hatte.