Datum:

BOM steht vor wichtigen Diskussionen

Den Richtpreis und den Mengenindex festlegen sowie entscheiden, ob der Milchmarkt bereits entlastet werden muss – darüber werden die Vorstandsmitglieder am 28. Januar hitzig debattieren.

von Alimenta Import

Am kommenden Donnerstag treffen sich die Vorstandsmitglie­der der Branchenorganisation (BO) Milch zu einer schwierigen Sitzung. Die Festlegung
des Molkereimilch-Richtpreises für das erste Quartal des laufenden Jahres, die Definition und die Festlegung des Milchmengenindexes und eine allfällige Marktabräumung sind
nur drei der brisanten Themen, die diskutiert ­werden sollen.

Keinen Staub aufwirbeln
Im Vorfeld ist die Stimmung in der Branche angespannt. Die Geschäftsstelle der Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie (VMI) beispielsweise hat sich deswegen eine Informationssperre auferlegt. Sie diene einer konstruktiven Diskussion am 28. Januar, beteuern Präsident Markus Willimann und ­Geschäftsführer Lorenz Hirt einhellig. Verhandlungen, die über die Medien geführt würden, schadeten einer Einigung und damit der Sache, führen sie aus.
Im Zentrum «der Sache» steht die Fest­legung eines Richtpreises für Molkereimilch. Er wird durch den vom Bundesamt für Landwirtschaft erhobenen Preisindex, die Pro­duktionskosten sowie die Einschätzung der Markt­entwicklung im In- und im Ausland ­beeinflusst. Der aktuelle Index zeigt eine Erhöhung  um 3 auf 65 Rappen an. Gleichzeitig haben sich die Produktionskosten in den ­letzten Monaten stabilisiert. Hingegen wird die Marktentwicklung von den Akteuren sehr unterschiedlich beurteilt. Einerseits wird vor allem von Produzenten ins Feld geführt, dass die Preise im Ausland gestiegen sind. Andererseits heisst es bei den Verarbeitern, dass das Milchaufkommen im Inland immer noch zu hoch sei. Dass in der zweiten Kalenderwoche dieses Jahres bereits über 5000 Tonnen Butter am Lager lagen – das ist über ein Drittel mehr als in derselben Vorjahresperiode –, zeigt, dass diese Feststellung richtig ist. Entsprechend warnen die Verarbeiter vor einer Preiserhöhung für Molkereimilch: «Sie würde ein falsches Signal aussenden», sagt Fromarte-Direk­tor Jacques Gygax.
Um den Butterberg nicht erneut in schwin­­del­erregende Höhen anwachsen zu ­lassen, macht sich die Arbeitsgruppe Börse Gedanken darüber, dem Vorstand vorzuschlagen, raschmöglichst mit Abräumungsmassnahmen zu beginnen. «Zusätzliche Eile ist geboten, weil die Marktanteile der Schweizer Milchprodukte im Inland laufend sinken», sagt Arbeitsgruppenmitglied Andreas Wegmüller von Cremo. Nur wenn sich der Vorstand auf eine Markt­abräumung einigt, sei eine Richtpreiserhöhung «prüfbar», ergänzt er. 

Wie gross ist die Vertragsmenge?
Ebenso hitzig dürfte die Diskussion über den Milchmengenindex verlaufen. Derzeit werden bei der Treuhandstelle Milch (TSM) die Resultate der Umfrage nach den Vertragsmengen ausgewertet und überprüft. Bis zur Vorstands­sitzung der BOM sollten die definitiven Zahlen vorliegen. Eine frühere Grobumfrage hat ergeben, dass es am 19. Oktober 2009,  der als Basistag für den Index bestimmt wurde, für 100 und 200 Mio. Kilo Milch keinen Vertrag zwischen Produzent und Abnehmer/Verar­beiter gab. Inzwischen scheint die Abnahme sämtlicher Milch vertraglich geregelt zu sein. Für BOM-Geschäftsführer Martin Rufer könnte dies einer der Gründe sein, weshalb bislang noch kaum Milch an der Börse ge­handelt wurde. Ein anderer: Erst ab dem
1. Februar drohen Sanktionen, wenn Nichtvertragsmilch ausserhalb der Börse angeboten wird.