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Der Bund ist auf der Suche

Nährwertkennzeichnungen, wie sie heute auf den meisten Lebens­mittelverpackungen zu finden sind, werden nur von rund 40 Prozent der Konsumenten gelesen. Der Bund sucht nach Alternativen.

von Alimenta Import

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist auf der Suche nach Möglichkeiten, wie die Nährwertangaben auf Lebensmitteln einfacher und verständlicher gestaltet werden können. Nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz bestehe Handlungsbedarf, sagte Michael Beer vom BAG am 21. Januar an einem Weiterbildungsanlass des Verbandes der Agrar- und Lebensmittelingenieure (Svial). Zwischen den Jahren 2004 und 2009 haben sich die durch Übergewicht und Fettleibigkeit verursachten Krankheitskosten von 26 auf 57 Mrd. Franken jährlich verdoppelt.
In Ergänzung zur Ernährungspyramide werden in der Schweiz zahlreiche Produkte mit dem GDA-System ausgezeichnet. Es gibt den Richtwert der Tageszufuhr an (Guidance Daily Amount). In Grossbritannien, wo das System viel verbreiteter ist, zeigen Untersuchungen, dass die Konsumenten seine Aussage kaum verstehen. Hauptgrund dafür dürfte sein, dass 47 Prozent (fast die Hälfte)der Briten nicht fähig sind, Prozentangaben richtig zu interpretieren.

Ampeln, die Brandmarker

Neben dem GDA-System steht auch das viel diskutierte Ampelsystem im Einsatz. Im Vergleich zum GDA brandmarkt es Produkte, die die Anforderungen nicht erfüllen, noch viel stärker. Obwohl es in den letzten Jahren von einer auf vier Ampeln (Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker) ergänzt wurde, ist seine Akzeptanz sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Verarbeitern gering.
Als dritte Variante steht das Gesundheitslabel zur Diskussion. Damit werden Produkte ausgezeichnet, die in ihrer Kategorie als besonders gesund gelten. Im Gegensatz zu den beiden übrigen Varianten, in denen die Nährstoffe beurteilt werden, steht beim Label das Lebensmittel an sich im Mittelpunkt. Für Esther Imfanger von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) ist dies bislang die beste Möglichkeit, den Konsumenten die Wahl gesünderer Lebensmittel zu erleichtern.
Welchem System die Konsumenten die Wahl wirklich geben, untersucht die SGE derzeit im Auftrag des Bundes. Er erhofft sich dadurch eine Datengrundlage zu erhalten, die den Entscheid unterstützt, ob ein Gesundheits­label in der Schweiz eingeführt werden soll oder nicht.

Kaum Erkenntnisse über Effekte
Ob eine der drei Varianten die Konsumenten in der Wahl gesünderer Lebensmittel wirklich unterstützt, ist ohnehin fraglich. In Australien zeigte eine Studie, dass die Ampel aufgrund ihrer Einfachheit als sehr hilfreich eingeschätzt, ihre Aussage aber trotzdem nicht verstanden wurde. Und: Ob die Kennzeichnung einen effektiven positiven Einfluss auf die ­Gesundheit der Gesellschaft hat, wurde bislang nicht untersucht. Die dazu nötige Datenbasis sei schwierig zu erheben, sagte Monique Raats, die sich seit den 1990er-Jahren an der Universität von Surrey (GB) mit diesen Fragen beschäftigt.
In der Diskussion gab ETH-Professor ­Paolo Colombani zu bedenken, dass es kaum wissenschaftliche Untersuchungen und damit Resultate darüber gebe, wie gross der Effekt einer gesunden Ernährung auf die Lebens­erwartung sei.