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Individuelle Kost für Senioren

Menschen über 65 leiden oft unter einer Mangelernährung. Dies kann höhere Infektionsraten und vermehrt Knochenbrüche verursachen. Durch eine gezielte Behandlung können diese Folgen gemildert werden.

von Alimenta Import

Jeder Mensch braucht ein Mindestmass an Nährstoffen, um seine körperliche und geistige Leistungskraft zu er­halten. Wird dem Körper nicht genügend ­Energie zugeführt, reagiert er auf Dauer
mit Schwächezuständen, Störungen im Stoffwechsel und mit ernsthaften Erkrankungen. Verändertes Geschmacksempfinden, aber auch Schmerzen oder Depressionen sind Gründe für Appetitlosigkeit. Insbesondere ­ältere ­Menschen nehmen oft nicht genügend Nährstoffe zu sich.
Im Jahr 2000 war der Anteil in Europas Bevölkerung an Über-65-Jährigen bei knapp 20%. Es wird erwartet, dass dieser Prozent­anteil weiter ansteigt und im Jahr 2050 bei knapp 35% liegen wird. Das Potenzial dieser Zielgruppe hat auch Nestlé erkannt und bringt 2010 ein neues Produkt auf den Markt: Resource Senior Active. Diese Zusatztrinknahrung ist ein diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (FSMP) und wird zur Behandlung von Mangelernährung bei älteren Menschen eingesetzt. Das Produkt ist kalorien- und proteinreich und enthält markante Mengen Vitamin D und Kalzium.

Veränderte Essgewohnheiten
Mit zunehmendem Alter ändert sich der Nähr­stoffbedarf der Menschen. Senioren haben aufgrund des Abbaus von Muskeln einen ­verminderten Kalorienbedarf (bis zu 25%), während der Bedarf an Stoffen wie Protein, Kalzium, Vitamin D, B6, B12 und C gleich hoch oder erhöht ist. Aus diesem Grund werden im Alter Mahlzeiten mit höherer Nährstoffdichte benötigt.
Ausserdem haben ältere Mensche aus verschiedenen Gründen weniger Appetit und nehmen nicht genügend Nahrung zu sich. Sie gehen auch weniger an die Sonne, und die ­Fähigkeit der Haut, Vitamin D herzustellen, sinkt durch das Alter auf einen Viertel der ­ursprünglichen Kapazität. Daher leiden sie oft unter einem Vitamin-D-Mangel. In Studien wurde nachgewiesen, dass bei zusätzlicher ­Vitamin-D-Einnahme das Sturzrisiko um 23% und das Risiko von Brüchen am Hüft­gelenk um über 20% gesenkt werden kann.
Mangelernährung im Alter hat einen starken Zusammenhang mit den körperlichen Fähigkeiten älterer Menschen. Unter anderem verursacht sie auch ein dreifach erhöhtes ­Infektionsrisiko, dreimal längere Spitalauf­enthalte und eine höhere Wahrscheinlichkeit eines erneuten Spitalaufenthalts nach der Entlassung.
Kommt bei älteren Menschen ein durch Krankheit oder Unfall verursachter Spital­aufenthalt hinzu verschlechtert sich der Ernährungszustand weiter. Andrea Dolder, ­Wis­senschaftliche Mitarbeiterin an der Berner Fachhochschule im Fachbereich Gesundheit, Studiengang Ernährung und Diätetik, be­stätigt, dass 40 bis 50% der Spitalpatienten über 70 Jahre unter Mangelernährung leiden.
Leider arbeiten nur wenige Heime mit ­Ernährungsberaterinnen zusammen, die das Personal darin schulen, wie es eine genügende Versorgung mit den benötigten Nährstoffen sicherstellen kann. Eine ausreichende Er­nährung helfe mit, um Knochenbrüche und weitere Folgen der Mangelernährung zu vermeiden.

Erkennen der Mangelernährung
Gemäss Nestlé ist das grosse Problem das Erkennen einer Mangelernährung. Um dies zu vereinfachen wurde von Nestlé und der Universität von Toulouse (F) in den 1990er-Jahren ein Hilfsmittel geschaffen. Dieses Formular nennt sich «Mini Nutritional Assessment (MNA)» und umfasst 18 Fragen zu den Themen Gewicht und Gewichtsverlust, Ernährung, allgemeine Einschätzungen und subjektive Einschätzungen. Dieser Test wurde wegen seiner Länge und Komplexität bisher noch zu wenig eingesetzt. Deswegen wurde eine Kurzform entwickelt, welche nur sechs Fragen umfasst. Zeigt sich nach diesen sechs Fragen, dass die Gefahr einer Mangelernährung besteht, muss die ausführliche Version zur genauen Bestimmung des Ernährungszustands durchgeführt werden.
Andrea Dolder bestätigt aufgrund ihrer jahrelangen Tätigkeit als Ernährungsberaterin in Spitälern, dass die verkürzte Version des MNA die Anwendung vereinfacht gegenüber der vollständigen Version und somit öfter eingesetzt wird. Das MNA sei ein gut validiertes Hilfsmittel zur Erkennung von Mangelernährung. Neben dem MNA gebe es jedoch weitere ähnliche Hilfsmittel, welche genauso gut zur Risikoabklärung von Mangelernährung verwendet werden können. Unter anderem gibt es den Nutrition Risk Score (NRS) nach Kondrup, welcher im Unterschied zum MNA nicht speziell auf ältere Menschen ausgerichtet sei. Jedoch wird beim NRS ein Alter über 70 bereits als zusätzliches Risiko für Mangel­ernährung eingestuft. Als problematisch beurteilt sie die Übergabe dieser Hilfsmittel an das Personal der Heime und Spitäler ohne ­begleitende Schulung, da solche Tests nur ­nützen, wenn das Personal dafür ausreichend geschult wird.

Behandlung und Überprüfung
Wird eine Mangelernährung erkannt, kann sie behandelt werden. Andrea Dolder weist darauf hin, dass Behandlung und Überprüfung der Mangelernährung oft problematisch sind. «Man kann die Patienten mit speziellen Trinknahrungen mit hoher Nährstoffdichte behandeln, man kann ihnen aber auch normale Lebensmittel als Zwischenmahlzeiten anbieten, zum Beispiel Quarkcremen, Brot mit Käse oder Ovomaltine.» Gemäss Andrea Dolder seien Trinknahrungen sinnvoll, jedoch gebe es Heimbewohner und Patienten, welche die Einnahme verweigern, weil sie diese Art der Nahrungsaufnahme nicht gewohnt seien. Besonders wichtig findet die Ernährungs­beraterin die Überprüfung des Behandlungserfolgs. Dies kann über regelmässige Gewichtsmessungen, den Body Mass Index, ­Ernährungsprotokolle, das Messen der Faustschliesskraft oder auch durch das subjektive Empfinden der Patienten geschehen.
Durch ein rechtzeitiges Erkennen und Behandeln einer Mangelernährung können die negativen Folgen reduziert oder vermieden werden. Dies führt zu verkürzten Spitalaufenthalten und hilft so, die Gesundheitskosten zu senken und erhöht die Lebensqualität der älteren Menschen.
Das Nestlé-Produkt Resource Senior ­Active wird speziell für Senioren hergestellt. Gemäss Andrea Dolder ist dieses Produkt ein weiteres energie- und proteinreiches Produkt auf dem Markt zur Behandlung von Man­gel­ernährung welches jedoch zusätzlich einen besonders hohen Vitamin-D, und Kalzium­gehalt aufweist. Offen bleibt die Frage, wie gut der Körper die hohe Kalziummenge pro ­Portion aufnehmen kann. Andrea Dolder ergänzt, dass der Körper Kalzium in mehreren kleinen Portionen, über den Tag verteilt, zum Beispiel aus Milchprodukten, optimal ver­werten kann.
Zudem haben Studien gezeigt, dass die physischen Fähigkeiten der Probanden nur verbessert werden konnten, wenn sowohl die Ernährung verbessert als auch ein gezieltes Muskeltraining durchgeführt wurde. Die ­Verbesserung der Ernährung alleine brachte keine Verbesserung der körperlichen Fähigkeiten. Aus diesem Grund sollte nicht nur die Ernährung verbessert werden, sondern zur Unterstützung ein begleitendes Muskeltraining durchgeführt werden.