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Vollautomatisch in Richtung Gastro

Der Biscuitshersteller Hug erlitt eine Umsatzeinbusse. Doch jetzt soll das Geschäft mit Neuheiten und Investitionen ins Marketing wieder angekurbelt ­werden. Auch in der Technik werden Quantensprünge gemacht.

von Alimenta Import

«Wir konnten die ruhi­gere Zeit gut nutzen», sagt Andreas Hug, ­Geschäftsleiter der Hug Gruppe in Malters. Hug hat letztes Jahr ein für das Unterneh-
men riesiges Projekt gestartet. Mit einer rund 10 Millionen Franken teuren vollautomatischen Anlage für die Herstellung von Tartelettes soll der strategische Geschäftsbereich Gastronomie und Grossverbraucher gestärkt werden. Bis anhin machte Hug mit den Köchen 23 Prozent des Geschäftsumsatzes. Wenn es wieder besser läuft, soll dieser Anteil laut dem Geschäftsführer auf 28 Prozent gesteigert werden. Eine neue Maschine legt den Boden dazu. Doch letztes Jahr sank der Hug-Umsatz um 8,3 Prozent, im Bereich Gastronomie wurden gar 9,7 Prozent weniger Tonnagen produziert. So wurde vielfach anstatt drei- nur zweischichtig gearbeitet, was es gemäss Hug eher erlaubte, grössere Installa­tions­pro­jekte zu realisieren.

Exporteinbruch in den USA

Das ist aber auch schon der einzige positive Aspekt am tieferen Volumen der Produktion. Der gesunkene Umsatz, der im Jahr 2009 noch 133 Millionen Franken (Vorjahr 145 Mio.)
betrug, wurde durch verschiedene Faktoren verursacht. Wenn in den Exportmärkten USA und Grossbritannien die Hotels unterbelegt sind, können diese auch weniger der von Hug gelieferten Tartelettes absetzen. Der Export erlitt einen massiven Einbruch von 14 Prozent. Im Ausland sind Hug-Produkte per se Luxus, und Luxus leidet in Krisen. Aber auch durch die Handelskonzentration wurde im Bereich Detailhandel weniger verkauft. Hug nennt als Beispiel den Rückzug von Carrefour aus der Schweiz, dessen Umsatz mit Coop nicht kompensiert werden konnte. Oder der Einstieg der Discounter mit dem einhergegangen Preisdruck. Doch laut den beiden Firmeninhabern ist der Umsatz nicht das Alleinseeligmachende. Vielmehr wurde bewusst auf Aktionen, nur um Umsatz zu generieren, verzichtet. So wurde nicht mehr in jeder Talschaft eine Aktion lanciert, nur um dann viel Ware wieder zu vernichten.
Gesamtheitlich musste das Unternehmen sowieso die im Jahr 2008 erfolgte Aqkuisition von Wernli, die grösser als Hug war, verdauen. «Wir übernahmen eine marode Firma», sagt Hug. Das Ziel war letztes Jahr, das grosse Wernli-Sortiment auf die Hälfte zu konzentrieren. Aber Hugs beugen allfälligen Standortschliessungsgerüchten der Firmenstandorte vor. «Die Standorte sind sakrosankt.» Die Technologie kann nicht einfach verschoben werden. Klar ist jedoch auch, dass die Administration am solothurnischen Wernli-Standort Trimbach auf das Minimum reduziert worden ist.

Relaunch mit Wernli

Doch das Jahr 2009 soll nun endgültig den Wendepunkt markiert haben. «Jetzt starten wir ein Feuerwerk der Innovationen», sagt Marketingleiter Bruno Wyniger. Die Firma will dieses Jahr überproportional in Märkte investieren – mit Produkten oder neuen TV-Spots. Unter anderem soll der Slogan «Me het de Wernli eifach gernli», der seit 20 Jahren nicht mehr über den Äther flimmerte, aber gemäss Wyniger noch fest in den Köpfen der Schweizer Konsumenten verankert sei, wie­der­belebt werden. Denn auch nach zwei Jahr­zehn­ten liege der Bekanntheitsgrad des ­Slogans immer noch bei 40 Prozent. Weiter geplant sind Verpackungsrelaunchs. Neue Verpackun­gen sollen vermehrt den Konditorei-Charakter der Produkte widerspiegeln. Das Motto lautet: «Aus der guten alten Zeit».
Für Hug werden die Gebrüder Hug dies in ihren TV-Spots ab April den Konsumenten tanzend rüberbringen. Ob im Foxtrott oder Walzer, ist noch nicht klar. Wenn es nach
dem Takt der neuen Tartelettemaschine geht, dann müssen die beiden mindestens Rock-n-Roll tanzen. Denn jetzt müssen die Aufträge her, sagt die Marketingabteilung. Die Tartelettes-Anlage will ausgelastet sein. Schliesslich kann sie in 24 Stunden nicht weniger als 850?000 Stück der süssen Böden produzieren.