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Weide-Beef-Label der Migros

Unter dem neuen Label "Weide Beef" verkauft Migros ab dem Frühling Rindfleisch von Tieren aus Weidehaltung. Die Produzenten hoffen auf eine Ausdehnung dieses Marktsegments.

von Foodaktuell Importer


Migros will qualitativ hochstehendes Schweizer Rindfleisch aus Weidehaltung besser vermarkten. Unter dem neuen Label “Weide-Beef” wird ab Anfang Mai Fleisch verkauft, das bisher lediglich in einzelnen Migros-Genossenschaften angeboten wurde. Die drei Label Bio Weide-Beef, Swiss Premium Beef und Pure Simmental werden zusammengefasst und neu vom Migros-Genossenschafts-Bund geführt. Dabei werden Bio Weide-Beef und Swiss Premium Beef durch das neue Weide-Beef ersetzt, das Pure-Simmental-Label hingegen bleibt bestehen.

Weide Beef mit oder ohne Bio

Mit dem neuen Label will Migros den Bereich des Premium-Rindfleischs von der Weide vereinheitlichen, aber auch ausdehnen. Konkrete Zahlen und Erwartungen habe man aber nicht, sagt Migros-Sprecher Urs Peter Naef. Künftig wird in den einzelnen Genossenschaften entweder Bio Weide Beef zu kaufen sein oder Weide Beef mit dem Zusatz “Aus der Region. Für die Region”. Dabei ist absehbar, dass die Genossenschaften Zentralschweiz und Basel bei Swiss Premium Beef bleiben und die Genossenschaft Ostschweiz beim Bio Weide-Beef. Die Genossenschaften Aare und Zürich werden sich noch entscheiden müssen. Zum Einzugsgebiet des neuen Weide-Beef-Labels wird auch das Tessin gehören, nicht aber die Romandie.

Grundlagen aus der Innerschweiz

Für die Produzenten ändere sich nicht viel, sagt Peter Hunkeler, der 1996 das Label Swiss Premium Beef und die dazu gehörige Handelsplattform Beef Pool gegründet hat. Die Richtlinien für das neue Weide-Beef-Label seien praktisch von Swiss Premium Beef übernommen worden, und der Labelzuschlag von 1.60 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht entspreche etwa den bisherigen Preisen. Heute liefern 70 Mutterkuhhalter aus der Innerschweiz jährlich 3‘000 Tiere.

Hunkeler betont, dass sein Label sich bereits stark entwickelt habe. Vermarktet wird es bisher über die Migros-Genossenschaften Zentralschweiz und Basel. Man habe 1996, mitten in der BSE-Krise, begonnen und es teilweise geschafft, hochqualitatives Importrindfleisch zu verdrängen. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass ein nationales Label für Weide-Beef noch einmal für einen Schub sorgen könnte. “Der Migros-Genossenschaftsbund hat die besseren Möglichkeiten, dafür Werbung zu machen.”

IP-Richtlinien für Biotierhalter

Änderungen gibt es hingegen für die Produzenten von Bio Weide Beef. Auch dieses Label hat sich regional entwickelt und wird bisher hauptsächlich von der Migros Ostschweiz verkauft. Das Problem: Migros hält die Vorderviertel von Bio Weide Beef-Tieren im Biokanal für nicht verkaufbar. Dieses Fleisch soll deshalb unter dem TerraSuisse-Label – preislich gesehen dem nächst tieferen Level – verkauft werden. Dafür allerdings müssen die Biobauern spezifische Anforderungen bei der Biodiversität erfüllen.


Zu diesem Zweck werden IP-Suisse-Richtlinien mit dem IP-Suisse-Punktsystem auf die Biobauern umgemünzt. Der Verzicht auf mineralische Dünger beispielsweise wird mit Punkten angerechnet. Es sei eigentlich “unschön, dass die Biobauern sich nun bei der IP-Suisse listen lassen müssen”, sagt Bio Weide Beef-Präsident Hubert Lombard. Aber die Bauern hätten es erstaunlich gut aufgenommen.

Er ist zuversichtlich, dass mit dem neuen nationalen Label der Absatz ausgedehnt werden kann. In der Vergangenheit waren die Bio Weide Beef-Lieferanten teilweise unzufrieden mit der Migros, weil sie fanden, ihr Fleisch, das laut wissenschaftlichen Untersuchungen zu den schmackhaftesten und gesündesten gehört, werde zu stiefmütterlich behandelt. Der Migros sei es wohl “eingefahren”, dass Konkurrent Coop im Biobereich den Umsatz gesteigert habe, meint Lombard. Deshalb habe sie jetzt auch eine Biooffensive gestartet.

Auch das Finden von neuen Produzenten hält Lombard für nicht allzu schwierig. Der Zuschlag für Biotiere betrage 30 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht. Das decke zwar eigentlich die Mehrkosten für die Produzenten nicht, aber zu teuer könne man das Fleisch nicht anbieten. Es gebe viele Biomilchproduzenten, die mit dem Milchmarkt unzufrieden seien und für die eine Umstellung wohl attraktiv sei, sagt Lombard.


Die IP-Suisse, die für die Migros die Anforderungen von “Weide Beef” administrieren wird, führt auch das Label Pure Simmental. Dabei kommen zur Weidehaltung noch Anforderungen bezüglich der Rasse. Pure Simmental hat aber im Rahmen des neuen Weide-Beef-Labels nur untergeordnete Bedeutung. Denn das Fleisch unter dem Label “Pure Simmental” wird heute vor allem in der Westschweiz verkauft, Hauptabnehmer ist die Migros-Genossenschaft Freiburg/Neuenburg und einige Grossmetzgereien, wie Beat Wüthrich von IP-Suisse erklärt. Im Gegensatz zu den anderen beiden Logos wird deshalb das Pure Simmental-Logo auch nicht verschwinden. (LID / Roland Wyss-Aerni)