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KURZNEWS 23. Februar 2010

WTO-Ministerkonferenz wird vertagt / Fischhandel wird immer nachhaltiger / Pestizidrückstände in Gemüse aus Thailand / Sauerkäse und Bloderkäse erhalten AOC / Importe von gewürztem Fleisch nehmen zu

von Foodaktuell Importer

WTO-Ministerkonferenz wird vertagt

Die Doha-Liberalisierungsrunde der Welthandelsorganisation WTO dreht sich weiterhin im Kreis.Generaldirektor Pascal Lamy räumte nach einem Treffen des Generalrats der WTO am 22. Februar 2010 ein, für ein weiteres Ministertreffen sei es zu früh, da noch zu viele Divergenzen bestünden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Ende 2009 hatte Lamy für Ende März 2010 eine Ministerkonferenz angestrebt, um die im November 2001 in Angriff genommene Doha-Runde im laufenden Jahr abschliessen zu können.

Industrie- und Entwicklungsländer streiten seit Jahren über eine Öffnung der Agrarmärkte und für Industrieprodukte. Zusätzliche Vorbehalte gegen eine weitere Liberalisierung kommen wegen der anziehenden Arbeitslosigkeit in vielen Ländern auf. Auch hat der US-Kongress die Nominierung des neuen Botschafters der USA bei der WTO noch immer nicht bestätigt. (LID 23. Februar 2010)

Fischhandel wird immer nachhaltiger

Der Fachverband ‚Der Fischfachhandel’ im BVL hat anlässlich seiner Jahrestagung am 21. Februar 2010 auf der fish international in Bremen eine Empfehlung von Kriterien an seine Mitglieder herausgegeben, um den Fischhandel künftig noch nachhaltiger zu gestalten.
„Mit Blick auf den kritischen Zustand einiger Fischbestände ist sich der Fischfachhandel seiner besonderen Verantwortung bewusst und leistet einen bestmöglichen Beitrag zur Förderung einer nachhaltigen Fischerei“, erklärte Peter Koch-Bodes, Vorsitzender des Fachverbandes.

„Wir empfehlen unseren Fachhändlern jetzt klar definierte Kriterien, mit denen sie sich auch an ihre Lieferanten wenden können“, so Koch-Bodes:
Der Fischfachhandel unterstützt die Initiative von Fischindustrie und Fischgrosshandel für eine genauere Fanggebietskennzeichnung* auf freiwilliger Basis. Der Fischhandel erwartet von seinen Vorstufen bis Ende 2010 eine entsprechende Kennzeichnung der angelieferten Ware.

Der Aufbau einer Online-Datenbank** zur Situation von Seefischbeständen wird vom Fischfachhandel aktiv unterstützt und gefördert. Der Fischhandel fordert seine Vorstufen auf, künftig Ware aus Beständen zu liefern, die entsprechend der Datenbank als nachhaltig bewirtschaftet eingestuft werden können.
Der Fischfachhandel weitet die Nachhaltigkeitszertifizierung seiner Frischfischtheken, z. B. nach den Kriterien vom Marine Stewardship Council, kontinuierlich aus. Voraussetzung für diesen Prozess ist, dass auch die Vorstufen das Vorhaben unterstützen und ihr Angebot an zertifizierter Ware ausweiten.

Massnahmen zur Förderung einer nachhaltig betriebenen Aquakultur werden vom Fischfachhandel grundsätzlich unterstützt. Entsprechend baut der Fischhandel seine Sortimente an Biofisch (z. B. Naturland) sowie Fisch aus zertifizierter Aquakultur, beispielsweise nach den Kriterien von Globalgap, weiter aus. Die Vorstufen werden aufgefordert, ihre Liefermöglichkeiten für Ware aus zertifizierten Aquakulturen auszuweiten.
Der Fachverband wird sich mit dem BVL weiterhin auf politischer Ebene für eine dringend notwendige Neuordnung der EU-Fischereipolitik einsetzen.

Handlungsbedarf besteht in den Bereichen der nachhaltigen Quotenfestlegung, Unterbindung illegaler Fischerei sowie der Beifangproblematik. Erste Rechtsvorhaben aus Brüssel, wie z. B. das Grünbuch zur Fischereipolitik, weisen bereits in die richtige Richtung. (Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e. V. (BVL) – 22. Februar 2010)

Listeriose: Käse als Todesursache schon im Januar bekannt

Schon viel früher als bisher berichtet war den
Behörden in Deutschland und Österreich bekannt, dass die
Listeriose-Erkrankungen mit Todesfolge eindeutig auf Käseprodukte des
österreichischen Herstellers Prolactal zurückzuführen waren, der in
Deutschland bei Lidl vertrieben wurde. Nach einer Recherche der
Verbraucherrechtsorganisation foodwatch lag der österreichischen
Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES bereits am 20.
Januar 2010 ein Bericht vor, der diesen Zusammenhang zweifelsfrei
darstellt.

Die deutschen Behörden wussten davon spätestens Anfang
Februar. Erst am 16. Februar jedoch gab Lidl eine unmissverständliche
Verzehrswarnung heraus, zuvor hatte das Unternehmen lediglich eine
Empfehlung abgegeben, die Produkte nicht yu verzehren. Die deutschen
Behörden ihrerseits gingen zu keinem Zeitpunkt mit einer
Verzehrswarnung an die Öffentlichkeit.

“Die Behörden haben die Informationsarbeit einem befangenen
Unternehmen überlassen und ihre Fürsorgepflicht für die Gesundheit
der Bürger in fahrlässiger Weise verletzt. Als die Käseprodukte
eindeutig als Ursache für vier Todesfälle in Österreich feststanden,
wäre eine unmissverständliche Verzehrswarnung die einzig richtige
Massnahme gewesen”, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.
“Um ein solches Versagen bei der Informationspolitik in Zukunft zu
verhindern, müssen die Behörden per Gesetz verpflichtet werden, die
Öffentlichkeit unverzüglich über Sicherheitsrisiken zu informieren.
Bisher gibt es dazu nur eine ,Soll’-Bestimmung.” (foodwatch 19. Februar 2010)

WTO: Geringe Hoffnungen auf einen Abschluss im 2010

Bei der WTO sind die Hoffnungen auf Fortschritte in der Doha-Verhandlungsrunde offenbar gering. Generaldirektor Pascal Lamy wird sich am Montag, 22. Februar vor dem Allgemeinen Rat (General Council) der WTO über eine Zwischenbilanz äussern, die Ende März gezogen werden soll. Dabei sollen die Chancen erörtert werden, die Doha-Runde bis Ende 2010 abzuschliessen. Diese stehen nicht gut, wie der Online-Dienst Bridges des International Centre for Trade and Sustainable Development (ICTSD) meldet.

Obwohl in allen drei Bereichen Landwirtschaft, Industriegüter und Dienstleistungen die Verhandlungskomitees im Februar getagt hätten, seien praktisch keine Fortschritt zu verzeichnen. Im Landwirtschaftskomitee hätten sich die Gespräche vor allem um die Sicherheitsklausel gedreht, die eine kurzfristige Erhöhung von Agrarzöllen in Notsituationen erlaubt. Neue diesbezügliche Forderungen von Entwicklungsländern hätten die Gespräche eher gebremst als vorwärtsgebracht, beklagten sich laut Bridges mehrere Delegierte. Andere kontroverse Themen seien nur informell in direkten Gesprächen mit dem Verhandlungsleiter David Walker besprochen worden.

Gemäss Bridges warten manche in Genf implizit auch Impulse von Seiten der USA. Diese haben immer noch keinen offiziellen Botschafter bei der WTO. Andere weisen darauf hin, dass man sich nicht nur auf die USA fixieren dürfe, auch die EU habe im übrigen momentan keine diplomatische Vertretung bei der WTO. (LID 19.2.2010)

Pestizidrückstände in Gemüse aus Thailand

2009 musste jede fünfte der 126 von uns untersuchten Gemüseproben aus Thailand beanstandet werden. Darunter befanden sich vier, welche wegen den hohen Rückstandskonzentrationen nicht mehr zum Verzehr geeignet waren. In einem dieser Fälle waren 6.6 mg/kg des Nervengifts Dicrotophos in Chinakohl nachweisbar. Der Verzehr einer grossen Menge eines derart belasteten Chinakohls kann bei empfindlichen Personen möglicherweise bereits Effekte auslösen.

Die vielen Beanstandungen thailändischer Gemüseproben beruhen darauf, dass viele alte, akut toxische Wirkstoffe unsachgemäss verwendet werden. Diese sind in Europa und der Schweiz schon lange verboten oder stark eingeschränkt worden. Gemüse aus der Schweiz und der EU ist höchst selten als nicht verzehrsfähig zu beurteilen. Auch die EU hat die problematische Rückstandssituation bei Gemüse aus Thailand festgestellt. Mit der Verordnung 669/2009 wurde deshalb veranlasst, dass seit dem 25.1.2010 jede zweite Lieferung von Yard Long Beans, Auberginen sowie Kohlgemüse (wie Chinakohl, Brokkoli, Pak Choi oder Choisum) an den EU-Grenzen amtlich auf Pestizidrückstände untersucht werden muss.

Die EU will damit verhindern, dass derart stark belastete Ware nach Europa importiert wird. Als Konsequenz der häufigen Beanstandungen und insbesondere auch um zu überprüfen, ob in der EU nicht-konforme Ware nun vermehrt in die Schweiz gelangt, wird die Kontrollfrequenz bei diesen Importprodukten auch bei uns weiterhin hoch gehalten. (KLZH 18. Februar 2010)

Sauerkäse und Bloderkäse erhalten AOC

Die Einsprachefrist für die Eintragung der geschützten Ursprungsbezeichnung (GUB) von Werdenberger Sauerkäse, Liechtensteiner Sauerkäse und Bloderkäse ist abgelaufen. Beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ging keine Einsprache ein. Somit können diese drei Käsebezeichnungen ins GUB/GGA-Register aufgenommen werden.

Das vom Verein Sauerkäse – Bloderkäse eingereichte Eintragungsgesuch für Werdenberger Sauerkäse, Liechtensteiner Sauerkäse und Bloderkäse als GUB wurde Ende September 2009 öffentlich aufgelegt. Nach Ablauf der dreimonatigen Frist ist beim BLW keine Einsprache eingegangen, sodass Werdenberger Sauerkäse, Liechtensteiner Sauerkäse und Bloderkäse als GUB in das eidgenössische Register für Ursprungsbezeichnungen und geografische Angaben aufgenommen werden können.

Werdenberger Sauerkäse, Liechtensteiner Sauerkäse und Bloderkäse schützen ein und dasselbe Produkt, je nach Herkunft und Reifegrad. Als Bloderkäse wird der ungereifte Frischkäse bezeichnet. Mit zunehmender Reife entwickelt er sich zum Sauerkäse mit der typischen gelben Speckschicht. Im Obertoggenburg, im Werdenberg, in der Gemeinde Amden und im Fürstentum Liechtenstein hat der Käse eine lange Tradition und erfreut sich noch heute vieler Liebhaber – vor allem dank seinem ausgeprägten, rezenten Geschmack.
Das GUB/GGA-Register wird somit um einen Käse erweitert und zählt neu 26 Produkte (18 GUB und 8 GGA). (BLW 18. Februar 2010)

Importe von gewürztem Fleisch nehmen zu

Immer mehr Fleisch wird unter der Zollposition “gewürztes Fleisch” importiert. Damit umgehen die Importeure die hohen Zölle für frisches Fleisch und bezahlen mehr als ein Drittel weniger Zoll. Im Jahr 2009 wurden gut 1’000 Tonnen gewürztes Fleisch eingeführt, wie der “Schweizer Bauer” schreibt. Die Menge ist in den letzten fünf Jahren angestiegen. Bis 2003 lag sie unter 100 Tonnen.

Der Schweizerische Bauernverband will abklären, ob alles Fleisch rechtmässig über die Zollposition für gewürztes Fleisch importiert wird. In Extremfällen habe es ein paar Pfefferkörner an der Oberfläche, ansonsten sei das Fleisch unbehandelt, heisst es weiter. Die Zollverwaltung wehrt allerdings ab. Sobald ein Gewürz mit blossem Auge oder vom Geschmack her deutlich wahrnehmbar sei, falle es in die Zollposition für “gewürztes Fleisch”. Eine andere Einteilung sei nicht möglich. (LID 17. Februar 2010)

Bier stärkt die Knochen dank Siliciumgehalt

Bier ist die Silizium-reichste Nahrung und hilft dadurch mit, die Knochendichte zu erhöhen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der University of California, Davis http://www.ucdavis.edu in der Zeitschrift Journal of the Science of Food and Agriculture. Je mehr Hopfen und gemälzte Gerste Bier enthält, desto besser dürfte es laut Ansicht der Wissenschaftler vor dem Knochenabbau schützen, sofern das Getränk in moderater Weise konsumiert wird.

Silizium ist ein für den menschlichen Knochenaufbau wichtiges Element, das in verflüssigter Form durch die Kieselsäure aufgenommen wird. War Bier auch bisher als Kieselsäure-reiches Nahrungsmittel bekannt, so war bisher nicht erforscht, was dem Biers diese günstige Eigenschaft verleiht. Um die optimale Silizium-Quelle zu finden, wurden nun 100 verschiedene kommerzielle Biersorten sowie ihre Rohstoffe Gerste, Weizen, Hopfen, Brauhilfsstoffe wie der Stabilisator Silikagel oder das Filtermittel Kieselerde untersucht.

Die Hülle des Gerstenkorns nennen die Forscher als eines der beiden wichtigen Siliziumlieferanten. “Obwohl das meiste Silizium in der Schale bleibt, werden bedeutende Anteile beim Mälzen als Würze extrahiert und verbleiben damit im Bier”, so Studienleiter Charles Bamforth. Je weniger Hitze bei diesem Vorgang im Spiel sei, desto höher sei der Siliziumanteil. Dunklere Malzprodukte, die einen intensiveren Röstprozess erfordern, enthalten hingegen weniger Silizium. Nur wenig Silizium fand man auch im Weizen.

Als zweite Siliziumquelle stellte sich der Hopfen heraus, während weder das Silikatgel noch die Kieselerde im Test zum Silizium-Gehalt des Endprodukts beitrugen. Insgesamt liegt die Bandbreite, wie viel Silizium ein Bier enthält, zwischen 6,4 und 56,5 Milligramm pro Liter. “Biere, die hohen Anteil gemalzener Gerste und Hopfen haben, sind besonders reich an Silizium”, so Bamforth. Moderater Bierkonsum könne einen gewissen Schutz vor der Knochenkrankheit Osteoporose darstellen. (pte 9. Februar 2010)