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Prämierte Alpen-Saiblinge aus Lugnez

von Foodaktuell Importer

Mit seiner “Lumare Alpenfischzucht” hat Curdin Capeder am 12. November bei der Verleihung des AgroPreis 2009 gleich zwei Preise abgeräumt. Bis es soweit war, galt es aber einige Herausforderungen zu meistern.



Die erste Jahresproduktion hat er dem Starkoch Andreas Caminada verkauft: Curdin Capeder in seiner Fischzucht.

Die Fischzucht boomt schon seit geraumer Zeit: Die Hälfte der weltweit konsumierten Fische und Meeresfrüchte stammt mittlerweile aus Aquakultur, also aus der Zucht von Meeresfrüchten, Süss- und Salzwasserfischen. Spitzenreiter ist dabei China. Aber auch in der Schweiz hat die blaue Revolution Einzug gehalten. So etwa im Weiler Silgin, das zum Dorf Lumbrein gehört im Lugnez, dem Tal des Lichtes im Bündner Oberland. Dort betreibt Fischzüchter und Landwirt Curdin Capeder eine Fischzucht mit Saiblingen, das sind kanadische Seeforellen.

Exklusiver Abnehmer

Letztes Jahr hat Fischzüchter Capeder zum ersten Mal Saiblinge verkauft, 400 Stück oder 200 Kilogramm. Ein Fisch wiegt ein halbes Kilo und ist 30 bis 35 Zentimeter lang. Die Saiblinge gingen weg wie frische Weggli. Dies, weil Starkoch Andreas Caminada vom Hotel Schloss Schauenstein in Fürstenau, Domleschg, sie als exklusiver Abnehmer alle gekauft hat. Caminada war Schweizer Koch des Jahres 2008 und 2009. “Dies ist natürlich eine super Referenz für mich”, freut sich Capeder.

Für die Lugnezer Gastronomen und die “Privaten”, die Nachbarn und Dorfbewohner, reichte der Fischfang dieses Jahr nicht mehr. Nächstes Jahr rechnet der Fisch-Profi mit dem Verkauf von 4’000 Fischen, also 2 Tonnen. Beliefert werden soll wieder zuerst die gehobene Gastronomie: Damit ist die Hälfte der Produktion auch schon verkauft. Eventuell kommen dann aber doch noch die Einheimischen zum Zug. In Zukunft möchte Capeder 14’000 bis 20’000 Fische pro Jahr verkaufen, das sind sieben bis zehn Tonnen. Hauptkunden sollen die Gastronomen bleiben.

Dass er und sein Vater alles selbst herausfinden mussten und immer noch müssen, empfindet Capeder als grösste Schwierigkeit beim Aufbau der Lumare Alpenfischzucht. Für Fische ist Wasser das zentrale Element. “Aber jedes Wasser ist anders”, betont er. Sie hätten alles eins zu eins ausprobieren müssen und dann geschaut, ob es funktioniere – oder eben nicht.

Eine gewisse Unterstützung und Beratung erhielten sie von der Fisch- und Wildfachstelle der Universität Bern. Es sei eben nicht wie in der Schweinezucht, wo man im landwirtschaftlichen Beratungszentrum Merkblätter beziehen könne. Aber genau das suchten die Capeders: einen Produktionszweig mit einem eindeutigen Wettbewerbs- und Verkaufsvorteil. Sie wollten ein zweites Standbein aufbauen, das nicht jeder so schnell nachahmen konnte wie etwa die Kälbermast. Denn Curdin Capeders erstes Standbein ist die Milchviehhaltung.

Umzonung notwendig

Für die Fischzucht-Idee liess er sich von einer Saibling-Zucht in Österreich inspirieren und wagte dann den Schritt ins Ungewisse. Eine erste Hürde war schon mit der Planung der Anlage zu nehmen: das vorgesehene Grundstück befand sich am Ufer des Flusses Glenner, in wilder Natur und damit in der Landwirtschaftszone. Deshalb musste das Grundstück zuerst in die Gewerbezone umgezont werden. Fischzüchter sind normale Gewerbler der Privatwirtschaft und erhalten keine staatliche Unterstützung wie die Bauern.

Harter Winter für Fische und Fischzüchter

Ein Winter mit Fischen in den Fischbecken, der Winter 2008/2009, ist soweit gut über die Bühne gegangen. Die ersten drei Fischbecken haben Capeders 2007 gebaut. Im ersten Winter befanden sich noch keine Fische in den Becken. Erst letzthin wurde das letzte der vier Fischbecken fertig gestellt. Und auch das Pumpwerk unten am Fluss. Normalerweise, das heisst im Sommer, fliesst genug Wasser im Bach gleich neben den Fischbecken den Hang runter. Das Wasser kann dann problemlos vom Bach in und durch die Fischbecken geleitet werden.



Der Saibling, ein lachsartiger Forellen-Fisch, fühlt sich in Schweizer Gewässern sehr wohl.

Im Winter kann die Situation allerdings kritisch werden, wenn bei anhaltenden Minustemperaturen der Bach neben den Fischbecken zufriert. Die Saiblinge brauchen sauerstoffreiches und fliessendes Wasser zum Überleben. Zudem dürfen die im Freien stehenden Fischbecken nicht zufrieren. Deshalb wird bei tiefen Temperaturen Wasser vom Fluss Glenner in die Fischbecken hochgepumpt. Die Fischbecken sind nur einige Meter oberhalb des Glenners, der in der Talsole fliesst, auf einem Hang-Boden angelegt worden.

Nicht nur wegen der Gefahr des Zufrierens ist Curdin Capeder um milde Winter froh. Sondern auch, weil der Weg vom Weiler Silgin steil runter führt bis zu seinen Fischbecken am Glenner-Fluss. Bei viel Schnee muss Capeder zu Fuss zu seinen Fischen, die täglich frisches Futter brauchen. Er füttert seine Saibling-Seeforellen, Raubfische, die in freier Natur kleine Fische fressen, mit Fischfutter aus Fischresten und Getreide, das im Handel erhältlich ist.

Preise und Ruhm für Lugnezer

Mit seinem Projekt “Lumare Alpenfischzucht” hat der Landwirt und Fischzüchter am 12. November im Kursaal in Bern bei der Verleihung des agroPreises 2009 grossen Erfolg verbucht. Er hat nämlich gleich zwei Preise gewonnen: den Leserpreis der beiden Medienpartner “Schweizer Bauer” und “Terre&Nature” sowie den Saalpreis, den die anwesenden Gäste vergaben. Damit kann Curdin Capeder dem Bauern Renzo Blumenthal, ebenfalls Lugnezer und Mister Schweiz 2005, schon bald die Stirn bieten. Renzo hat mit seinem Titel seit 2005 viel Geld gemacht und eigene Marken lanciert. (Quelle: LID / Brigitte Weidmann)