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Das Ganze noch einmal von vorn?

Die Schweizer Milchproduzenten sind mit dem Entscheid, den Milchmengen­index auf 100 Punkte zu setzen, nicht einverstanden. Deshalb verlangen sie, dass die Branchenorganisation Milch auf das Geschäft zurückkommt.

von Alimenta Import

Wenn sich heute, am 23. Februar, der Vorstand der Branchenorganisation (BO) Milch zu seiner Sitzung trifft, steht ein Traktandum oben auf der Prioritäten­liste: Der Rückkommensantrag der Schweizer Milchproduzenten (SMP) auf den Entscheid des Gremiums, für die Periode von März bis Juni den Index der Vertragsmilchmenge auf 100 Punkte zu setzen, was einer Jahresliefermenge für Molkereimilch von 1,88 Mio. Tonnen entspricht («Alimenta» 03/10).

Der Milchmengenindex 100 «ist fahrlässig»
«Dieses Volumen ist viel zu gross», sagt SMP-Sprecher Christoph Grosjean-Sommer dazu. Im Basisjahr 2009 des Indexes hätten 160?000 Tonnen überschüssige Milch als Butter oder Vollmilchpulver «entsorgt» werden müssen, wofür die Marktteilnehmer und der Bund über 100 Mio. Franken aufgewendet ­haben. «Solche Massnahmen können wir uns nicht mehr leisten.» Deshalb müssten die ­Instrumente, die sich die BO Milch gegeben hat, konsequent angewendet werden.

Konsequent heisst für die SMP-Vertreter in erster Linie, den Index auf unter 100 Punkten festzulegen, «denn die Anpassung auf 100 war fahrlässig. Sie ist nicht marktkonform», meint Grosjean-Sommer. Die restliche Vertragsmilch müsste dann an der Börse ange­boten werden. Damit möchten sie in zweiter Linie erreichen, dass der Richtpreis, der vom BO-Milch-Vorstand Ende Januar auf 62 Rappen pro Kilo Milch belassen wurde, erhöht wird.

Mit welchen gegenüber der Januar-­Sitzung stechenderen Argumenten die SMP-Vertreter den Vorstand zu einem Einlenken bewegen wollen, will Grosjean-Sommer im Vorfeld der Sitzung nicht öffentlich machen. Die Milchproduzenten würden Gespräche mit BO-Milch-Mitgliedern führen, sagt er. Im Nachgang zur letzten Vorstandssitzung ­wurden einige Marktteilnehmer in einzelnen landwirtschaftlichen Zeitungen scharf kritisiert. Zu ihnen gehört Elsa. Die Frage, ob der zu Migros gehörende Milchverarbeiter nun einem reduzierten Milchmengenindex zustimmen werde, will Elsa-Chef Gilles Oberson nicht beantworten. Er gibt aber zu be­denken, dass Entscheide des BO-Milch-Vorstandes, «wie immer sie ausfallen», den Vor­gaben der Statuten entsprechen würden. «Deshalb akzeptiere ich die gegen uns gerichtete Kritik zum letzten Entscheid nicht.»
 
Zemp plant Fett-Werkstatt
Dass dem Mengenmanagement eine zentrale Rolle eingeräumt werden muss, darin geht Markus Zemp mit den SMP einig. Der neue BO-Milch-Präsident wird an der zweiten von ihm geleiteten Vorstandssitzung die Frage zur Diskussion stellen, wie eine Reduktion der Vertragsmilchmenge praktisch umgesetzt werden kann. «Ziel muss sein, mit dem Vernichten von Marktanteilen aufzuhören.»
Auch den Umstand, dass der Umfang der Butterlager, der derzeit mit 4800 Tonnen immer noch leicht über dem Vorjahresniveau liegt, nimmt er nicht als gegeben hin. Um nach Lösungen der Milchfettproblematik zu suchen, will er mit dem Vorstand einen Workshop veranstalten. Nach einer eingehenden Gesamtschau will er dort vor allem nach neuen Wegen der Marktentlastung suchen lassen. Denn «unkontrollierte» Exporte zur Marktentlastung und anhaltende Stützungszahlungen machten keinen Sinn, sagt er. ­«Dagegen nützen nur umfassende Kontrollmechanismen.»