Datum:

Mit neuen Kompetenzen ausgestattet

Unter der Bezeichnung «Food Science & Management» bietet die SHL seit kurzem einen neu konzipierten Bachelor-Studiengang an. Bald kommen die ersten Diplomierten auf den Arbeitsmarkt. Eine Standortbestimmung.

von Alimenta Import

Seit vielen Jahren ist der Studiengang in milchwirtschaftlicher Lebensmitteltechnologie an der SHL (Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft) in Zollikofen in der milchverarbeitenden Branche bekannt und bewährt. Aufgrund der Neukonzeption der Bachelor-Studiengänge im Rahmen des Bologna-Systems wurde das Studienangebot vor gut zwei Jahren umfassend überarbei-
tet. Unter der Bezeichnung «Food Science & Mana­gement» richtet es sich heute an ein breites Publikum von Berufsleuten aus der ganzen Lebensmittelbranche. Abgeschlossen wird das Studium mit dem BSc (Bachelor of Science) in Lebensmitteltechnologie mit Vertiefung in Technologie (Technology), Lebensmittelwirtschaft (Food Business) oder Konsumwissenschaften und Marketing ­(Consumer Science & Marketing).

Fundiertes Technologiestudium

Das Studium an der SHL vermittelt fundierte wissenschaftliche Kompetenzen im Bereich Lebensmitteltechnologie. Stand früher die Milchtechnologie im Zentrum, haben die Studierenden heute die Möglichkeit, breiter und tiefer in die Welt der Lebensmitteltechnologie einzutauchen. In der Vertiefungsrichtung Technology erarbeiten sich die Studierenden ein umfassendes Know-how im technologischen Bereich. Nach wie vor werden Technologien der Milchverarbeitung exemplarisch vertieft behandelt, wobei die SHL eng mit
der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux zusammenarbeitet. Daneben erhalten wichtige Kompetenzfelder mehr Raum: Prozesstechnologie und Produktion oder Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement werden im Kontext verschiedenster Produkt­kategorien (Fleischprodukte, Backwaren, Früchte und Gemüse) eingehend behandelt. Daneben haben die Studierenden die Möglichkeit, ihr Profil nach ihren eigenen Be­dürfnissen und Neigungen mit Modulen aus den beiden anderen Vertiefungsrichtungen zu ergänzen.

Praxisnahe Management-Kompetenzen
Bereits früher waren die Abgängerinnen und Abgänger unter anderem durch ihre starken Kompetenzen im Bereich Management bekannt. Diese Stärke wurde durch die Ein­führung zweier neuer Vertiefungsrichtungen ausgebaut: Im Major Food Business erwerben die Studierenden neben soliden Kompetenzen in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Lebensmittelsicherheit, Sensorik und Human­ernährung vertieftes und praxisnahes Wissen in den Bereichen Unternehmensführung und Finanzierung, Management von Wertschöpfungsketten und Marketing. Wer sich im ­Bereich Marketing noch mehr spezialisieren möchte, wählt den Major Consumer Science & Marketing, in dem neben eingehenden Marketingkompetenzen Wissen im Bereich des Konsumverhaltens und der Markt­forschung vermittelt wird. Studierende der ­Lebensmitteltechnologie haben so schon während des Studiums die Möglichkeit, sich stärker auf betriebswirtschaftliche Kompetenzen zu konzentrieren, was dem Bedürfnis der ­Lebensmittelbranche nach Generalisten entgegenkommt, die in der Lebensmitteltechnologie wie im Management heimisch sind.

Zeitgemässe Methodik

Die Methodik ist in allen Vertiefungsrichtungen stark von Interaktion geprägt: Vor allem ab dem zweiten Studienjahr wird häufig anhand von Fallstudien gearbeitet, die es den Studierenden erlauben, das theoretische Wissen aus Skripten und Fachbüchern anhand praxisnaher Fragestellungen anzuwenden und zu vertiefen. Gegen Ende des Studiums erarbeiten die Absolventinnen und Absolventen interdisziplinäre Fragestellungen, wobei sie in Teams arbeiten, die sich aus Teilnehmenden der verschiedenen Vertiefungsrichtungen zusammensetzen. Gesamtsynthesen, Entwicklungsprojekte, Unternehmensplanspiele und die Vermittlung von Kreativitätstechniken runden das methodische Spektrum ab und stellen sicher, dass die Studierenden neben dem Fachwissen gezielt ihre Selbst- und Sozial­kompetenzen erweitern. So werden etwa im letzten Studienjahr Produktideen bis zur Marktreife entwickelt. Ziel dieses ganzheitlichen methodischen Ansatzes ist es, die ­Studierenden optimal auf ihren Arbeitsalltag nach Studienabschluss vorzubereiten und für den Arbeitgeber von Beginn weg eine optimale Produktivität sicherzustellen.

Chancen und Herausforderungen

Die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Ausbildungskonzept sind weitgehend positiv. Die Studierendenzahlen sind von zweijährlich rund acht bis zwölf Studierenden auf jährlich gegen vierzig Absolventinnen und Absolven­ten gestiegen. Die methodisch-didaktischen Ansätze und die häufige interdisziplinäre Teamarbeit führen dazu, dass die Studierenden ein hohes Mass an Kreativität, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Ein ausgewogener Mix an Dozieren­den und wissenschaftlichen Mitarbeitenden mit breitem Erfahrungsspektrum aus Wirtschaft und Forschung stellt ein hohes Niveau der Ausbildung sicher und bleibt durch ein steigendes Volumen an Forschungsprojekten am Puls der Wissenschaft. Studierende und Mitarbeitende der Abteilung Food Science & Management arbeiten trotz hoher Belastung mit aussergewöhnlicher Motivation. Noch herrscht ein sehr familiäres Arbeitsklima, in dem die Studierenden intensiv betreut werden können. Bis zur Realisierung des geplanten Erweiterungsbaus der SHL bleibt die optimale Nutzung der technologischen Infrastruktur angesichts der steigenden Studierendenzahlen eine Herausforderung.

Im Herbst 2010 werden die ersten Abgängerinnen und Abgänger diplomiert. Die Verantwortlichen des Studiengangs sind zuversichtlich, dass die Branche die Diplomierten mit ihren teilweise neuartigen, aber den ­heutigen Anforderungen angepassten Kom­petenzprofilen mit offenen Armen empfangen wird.
* Der Autor ist Leiter Studiengang Food Science & Management und Dozent für Management an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft.