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Reformer orientieren sich an Praxis

Im Zentrum der aktuellen Berufsreform der Milchtechnologen stehen die zu lernenden Handlungskompetenzen in den Betrieben. In der Folge treten die schulischen Fächer in den Hintergrund.

von Alimenta Import

Seit einem Jahr arbeitet die Arbeitsgruppe Bildungsplan des Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Vereins (SMV) an der künftigen Grundbildung für Milchtechnologen und -technologinnen. Die zu ­Beginn der Berufsreform beschlossene Generalistenausbildung dient ihr als roter Faden. Zudem sind die Vorgaben des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) und der Kantone zu berücksichtigen. Die Reformkommission fällte kürzlich zu den Vorschlägen der Arbeitsgruppe einige konsultativ wegweisende Entscheidungen.

Die unten stehende Übersicht zeigt die beruflichen Handlungskompetenzen, die zum Qualifikationsprofil bis zum Ende der Berufslehre führen. Zu jedem Handlungsfeld ge­hören detaillierte Leistungsziele. Im Bildungsplan sind diese einem der drei Lernorte Lehrbetrieb, Berufsfachschule oder den über­betrieblichen Kursen (üK) klar zugeordnet. Massgebend sind die auszubildenden Handlungskompetenzen im Betrieb. Darunter wird die Fähigkeit des Einzelnen verstanden,
sich in beruflichen Situationen sachgerecht, durch­dacht und individuell verantwortlich zu verhalten. Schule und üK vermitteln den Lernenden die dafür notwendigen Grundlagen und Berufskenntnisse. Die bisherige Fächerstruktur wird verschwinden. Die Bildungsziele werden in fünf Handlungskompetenzbereiche gegliedert. Daraus ergibt sich die vorliegende Übersicht mit folgenden Eckpunkten:

Ebene 1: In der Schule werden alle Milch­verarbeitungsprozesse behandelt. Die Mehrzahl der Handlungsfelder können auch in den Betrieben ausgebildet werden. Einzelne Prozesse, die nicht in allen Betrieben vorkommen (z.B. Membrantrennanlage, Homo­genisation) werden im üK bei den entsprechenden Produkten behandelt.

Ebene 2: Die Milchproduktepalette wird in elf Produktionsbereiche aufgeteilt. In der Schule werden alle Bereiche behandelt. Drei Bereiche sollen praktisch im Lehrbetrieb ausgebildet werden. Aus allen Produktionsbereichen werden zwei Gruppen gebildet (Käse und übrige Milchprodukte). Von jeder Gruppe muss mindestens ein Produkt ausgebildet werden, um die Vielseitigkeit zu fördern. Da die Mehrzahl nicht im Lehr­betrieb ausgebildet werden kann, sollen alle Produktionsbereiche an zwei üK von je vier Tagen praxisorientiert und exemplarisch ausgebildet werden. Ohne Ausdehnung der üK-Tage kann nicht von einer Generalistenausbildung gesprochen werden.

Ebene 3: Aus fünf Bereichen wählt jeder ­Lernende einen Schwerpunkt, in dem er im Lehrbetrieb und an der Berufsfachschule ausgebildet wird. Auf diese Weise konnte insbesondere eine Lösung für die Neben­produkteverwertung in der Schweinemast für die Ostschweiz gefunden werden. Aber auch alle anderen Betriebe sollen hier einen Schwerpunkt in der Ausbildung setzen.

Ebene 4: Zu diesem Handlungskompetenzbereichen gehören die Hygiene, Reinigung, Basis-Analysen und das QM-System.

Ebene 5: Hier befinden sich die Vorschriften zu Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz.

Zusammenfassung

Die Betriebe bilden alle Handlungsfelder der Ebene 1, 4 und 5 aus. Von der Ebene 2 und 3 bilden sie mindestens vier Bereiche aus. Wie bisher sind Ausbildungsverbünde möglich. In der Berufsfachschule besucht ein Lernender alle Handlungsfelder der Ebene 1, 2, 4 und 5. Von der Ebene 3 besucht er jenen Bereich, bei dem er auch im Lehrbetrieb ausgebildet wird.
Die üK-Tage werden von bisher vier auf neu zehn Tage ausgedehnt, was etwas höhere Kosten für die Lehrbetriebe zur Folge haben wird. Die Lektionenzahl an der Schule nimmt von 1220 auf 1170 Lektionen ab. Der Schulbesuch wird regelmässiger verteilt. Zusammen wird die Ausbildungszeit für üK und Schule nicht höher ausfallen als bisher.
* Der Autor ist Geschäftsleiter des Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Vereins und des Berufsverbandes Molkereifachleute in Bern.