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«fial» gegen das BAG-Gesund-Label

von Foodaktuell Importer


Das BAG erwägt die Einführung eines sogenannt einfach verständlichen “Gesündere Wahl Labels” in der Schweiz, womit innerhalb bestimmter Kategorien diejenigen Lebensmittel gekennzeichnet werden sollen, welche den nach Kategorien festgesetzten Kriterien entsprechen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) wurde im September 2008 beauftragt, die Einführung eines solchen zu prüfen.

Unwissenschaftlich

Die Wirkungen eines derartigen Labels auf den Konsumenten sind wissenschaftlich nicht untersucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass durch deren Einführung dem Konsumenten Anreize zu Fehlverhalten gegeben werden, ist gross. Da die Kriterien, ob Label ja oder nein, für jede Lebensmittel-Kategorie verschieden sind, werden Äpfel mit Birnen verglichen. Beim derzeitigen Vorschlag für die Kriterien für die Labelvergabe sind zudem die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse (z.B. bezüglich gesättigten Fettsäuren) nicht berücksichtigt. Produkte mit Süssungsmitteln – obwohl in der Zusatzstoffverordnung aufgeführt und somit sicher – sollen kein Label erhalten.

Unmündige Konsumenten im Fokus

Ein derartiges Label vereinfacht – wie das Ampelsystem – die Information über ein Lebensmittel zu sehr. Ebenfalls analog zum Ampelsystem werden Lebensmittel in gute und schlechte unterteilt. Jedoch gibt es keine per se guten und schlechten Lebensmittel, sondern in der Regel nur eine falsche Ernährungsweise und mangelndes Bewegungsverhalten. Das BAG stellt sich auf den Standpunkt, ein derartiges Label sei vor allem für Konsumentinnen und Konsumenten mit Migrationshintergrund von grossem Nutzen, zumal diese sich und ihre Kinder oft schlecht ernährten.


Der Ansatz geht nicht vom mündigen, selbstverantwortlich handelnden Konsumenten aus. Auf das Verhalten von Konsumenten, die sich und ihre Kinder schlecht ernähren, ist mit anderen Mitteln wie Ernährungserziehung usw. einzuwirken und nicht mit einem die Nährwertinformation zu stark vereinfachenden Label.

EU-Kompatibilität fehlt

Für die Schweizer Nahrungsmittel-Industrie ist zudem die Kompatibilität neuer Kennzeichnungsvorgaben mit dem EU-Recht zwingend. Obwohl freiwillig, weicht die Einführung eines solchen Labels davon ab. In der EU ist derzeit die “Verordnung betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel” in Ausarbeitung. Angesichts der in Kürze bevorstehenden neuen EU-Kennzeichnungsvorgaben ist eine derzeitige Einführung eines Labels durch die Eidgenossenschaft wenig sinnvoll.

Derzeit läuft bis zum 31. März 2010 eine Konsultation zur möglichen Kooperation mit der belgischen Choices-Stiftung und zu den Kriterien für eine Label-Vergabe. Die eingehenden Stellungnahmen werden nebst dem Ergebnis einer Online-Konsumentenstudie in die Entscheidfindung beim BAG, ob Label ja oder nein, einfliessen.

Die fial lehnt die Einführung aus den oben genannten Gründen dezidiert ab. Die ablehnende Haltung richtet sich nur gegen die offizielle Einführung eines derartigen Labels durch den Staat. Es ist den Firmen ohne staatliche Aktivität schon heute möglich, ein solches Label zu verwenden. Die entsprechend ausgelobten und in vielen Schweizer Verkaufsregalen stehenden Produkte sind Beleg dafür. (Quelle: fial)

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