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Braucht es fairen Handel für Schweizer Käse?

«Hat sich irgend­jemand jemals über zu hohe Autopreise beklagt?» Adrian Krebs ist das Gejammer über zu hohe Lebensmittelpreise leid.

von Alimenta Import

Ich treffe mich für ein Interview mit einem renom­mierten Schweizer Forscher und Praktiker. Er ist seit 30 Jahren im Dienste der nachhaltigen Landwirtschaft unterwegs. Im Laufe des Gesprächs kommen wir auf die Lebensmittelpreise in der Schweiz und in Entwicklungsstaaten zu sprechen. Er kann das hiesige Gejammer über die zu teuren Lebensmittel nicht verstehen. «Hat sich irgend­jemand jemals über zu hohe Autopreise beklagt?», fragt er rhetorisch. Die Antwort ist Nein; geht es um Mobilität, Information oder Unterhaltung, nehmen Volk, Behörden und Medien die Preis­steigerungen in Kauf. Gleichzeitig scheint es bei den Nahrungsmitteln eine kollektive Besessenheit für sinkende Lebensmittelpreise zu geben.
Vor 30 Jahren zahlte ein Haushalt etwa einen Viertel des Einkommens für seine Verpflegung, heute liegt der Anteil unter 10%. Argumente für die Fortsetzung dieser Entwicklung gibt es immer. In der Schweiz, so heisst es, muss man zuguns­ten der Konkurrenzfähigkeit im Hinblick auf den Freihandel günstiger produzieren. Mit dem­selben Argument schmeissen die grossen Überschuss­produzenten ihre Lebensmittel immer billiger auf die Weltmärkte. Mit Konsequenzen auch für die Dritte Welt, wie der Forscher fortfährt. Während die Städte überschwemmt werden mit Billigüberschüssen von den globalen Märkten, fährt die Landbevölkerung ihre Produktion zurück, da sie mit den subventionierten Importen nicht mit­halten kann. Nun, diese Diagnose ist nicht neu, die Frage ist nur, wie man damit umgeht.
Als Patentrezept gilt für die Dritte Welt der faire Handel. Braucht es einen solchen auch für Schweizer Bauern und Verarbeiter? Das mag auf den ersten Blick absurd erscheinen. Fairtrade in einem Land mit AHV, Pensionskasse und was der sozialen Auffangnetze noch mehr sind? Bei ­näherem Hinsehen erscheint das gar nicht mehr so abwegig. Die kleinräumig organisierten Pro­duzenten und Verarbeiter in der Schweiz und in Entwicklungsländern stehen in einer ähnlichen Konkurrenz mit einer übermächtigen internationa­len Nahrungsmittelmaschinerie. Warum soll man nicht auch die Schweizer Strukturen mit einem leicht höheren Preis honorieren und so dem ­Bergbauer sowie dem Talkäser ein angemesse­nes Einkommen garantieren? c