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Käsesorten-Imitationen legen zu im Export

Imitationen von Emmentaler, Gruyère & Co auf dem Vormarsch

von Foodaktuell Importer


Im 2009 wurde mehr Käse exportiert. Zugelegt haben jedoch nicht die traditionellen Käsesorten Emmentaler, Gruyère und Co., sondern vor allem Nachahmer-Produkte.

Während der Wirtschaftskrise überrascht eine solche Meldung: 2009 wurden insgesamt 62’000 Tonnen Schweizer Käse im Ausland verkauft – so viel wie nie zuvor und erst noch 1,6 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008. Nimmt man die Exportstatistik jedoch unter die Lupe, fällt auf: Die traditionellen Käsesorten wie Emmentaler, Gruyère und Co. haben im Ausland allesamt Marktanteile verloren. Ausnahme ist der Appenzeller, die Nummer Drei auf der Exportrangliste, und der Vacherin Fribourgeois (siehe Tabelle / TSM).


Exporte von (Halb)hartkäse in Tonnen

Nach den drei Klassikern Emmentaler, Gruyère und Appenzeller folgt auf der Exportrangliste Käse, der unter der Bezeichnung “anderer Halbhartkäse” erfasst wird. 2009 wurden 5’200 Tonnen davon exportiert, 45 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Hinter der Bezeichnung “anderer Halbhartkäse” steckt vor allem appenzeller-ähnlicher Käse, wie Christoph Kempter, Direktor der Sortenorganisation Appenzeller, sagt. “Wir haben sehr zu kämpfen mit den Imitaten”, so Kempter. Das Unschöne an der ganzen Sache sei, dass es vor allem Mitglieder seiner Sortenorganisation seien, die solchen Käse herstellten und damit den markenrechtlich geschützten Appenzeller – und damit sich selber – konkurrieren würden. Bild: Original-Appenzeller Auftritt in Paris.

Unter die Kategorie “anderer Halbhartkäse” fällt auch Käse, der aus überschüssiger Industriemilch produziert und exportiert worden ist. Die Produzentenorganisation Nordostmilch AG hat 2009 mehrere Millionen Kilogramm Industriemilch in verschiedenen Käsereien zu Vollfettkäse verarbeiten lassen und nach Deutschland exportiert, wie Nordostmilch-Präsident Robert Bischofsberger sagt.

Ein Teil des Käses sei in Deutschland als Schnittkäse im Detailhandel verkauft und ein anderer Teil als Schmelzkäse in den Industriekanal geliefert worden. “Dieses Exportprojekt ist durch eine Notsituation entstanden”, sagt Bischofsberger. Ende 2008 habe der Milchverarbeiter Emmi der Nordostmilch die Verträge gekündigt, die überschüssige Milch musste irgendwie verwertet werden.

Weniger Emmentaler exportiert

Während der Export von Emmentaler AOC im letzten Jahr um 8,6 Prozent zurückgegangen ist, konnte die Kategorie “übriger Hartkäse” um über 100 Prozent auf 2’333 Tonnen zulegen. Ebenfalls “Switzerland Swiss” hat im Ausland leicht an Terrain gewonnen. Switzerland Swiss ist die eckige Variante des Emmentalers, die nicht nach den AOC-Richtlinien hergestellt wird.


Welcher Käse hinter der Kategorie “übriger Hartkäse” steckt, weiss niemand so genau. Bei der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland geht man davon aus, dass das grosse Wachstum bei den “übrigen Hartkäsen”, aber auch bei den “anderen Halbhartkäsen” darauf zurückzuführen ist, dass sich darunter auch Emmentaler-Anlehnungen und -Fälschungen befinden, wie Christoph Stadelmann, Sprecher der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland, sagt. Weil man keinen genauen Einblick in die Exportstatistik habe, lasse sich dies jedoch nicht beweisen.

Werden die traditionellen Schweizer Käsesorten auf den Exportmärkten also immer stärker von Imitaten verdrängt? Jacques Gygax, Direktor des Käserverbandes Fromarte, relativiert: “2009 waren die Käseexporteure wegen der Wirtschaftskrise und der Entwicklung des Wechselkurses stark unter Druck. Unter diesen Umständen können wir mit den Exportzahlen sehr zufrieden sein – auch wenn sie bei den traditionellen Käsesorten nach unten zeigen.”

Laut David Escher, Direktor der Marketingorganisation Switzerland Cheese Marketing, hängen die sinkenden Exportzahlen beim traditionellen Schweizer Käse auch von der Politik der jeweiligen Sortenorganisationen ab. Bei allen traditionellen Sorten müssen sich die Käser nämlich an Produktionsvorgaben halten. Für Escher sind die Zahlen zum Käseexport insgesamt ausschlaggebend – und die sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. (Quelle: LID / Helene Soltermann)

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